Challenge the Ordinary – Installationskunst von Lina Jaros


08.02.10

Das sind nicht einfach nur schöne Fotos. Lina Jaros will uns herausfordern, stellt unsere Phantasie auf die Probe – oder vielmehr unser Schubladendenken. Mit einer klaren Vorstellung von Realität begegnen wir unserer alltäglichen Umgebung, bewerten alles nach dem Parameter Logik. Doch was passiert, wenn Gegenstände ihrer alltäglichen Umgebung entlaufen, wenn unsere visuellen Sinneseindrücke nicht mehr in Schubladen zu verstauen sind. Die schwedische Künstlerin will kategorisches Denken aufbrechen und lädt zur Neuinterpretation unserer Wahrnehmung ein, denn wer hat überhaupt gesagt, dass pinke Socken nicht an Bäumen wachsen?

Lina Jaros Arbeiten sind von Juni bis September 2010 in der Odenplan Subway Station in Stockholm ausgestellt.

We Looked Like Giants

 

Prädikat Zukunft – Die transmediale.10


07.02.10

Den Helm mit rosa Atemflüssigkeit gefüllt, taucht Virgil Brigman hinab in die Meerestiefen des Kaimangrabens, in eine beklemmende Dunkelheit, in der das nukleare Verderben tickt, von Menschenhand erschaffen. Seine Mission ist eine Reise ohne Rückfahrkarte, seine Vision eine Welt in Frieden oder wenigstens, die Rettung seiner Besatzung und der freundlichen Wesen, die ihnen dort unten ständig begegnen. Das fluoreszierende Licht im Dunkel, die immaterielle Anwesenheit von Energie, die friedliche Stille, die ihn nach 139 Minuten Filmdauer, auf leuchtenden Schwingen in eine Zukunft mit Happy End rettet, haben mich damals fasziniert und The Abyss, ein Science Fiction Film, der das sonst genretypische Zukunftsszenario, mit einer fast ebenso unbekannten Tiefseeumgebung ersetzt, hat sich in mein Gedächtnis eingeprägt.

Letzte Woche im Haus der Kulturen der Welt: frei von fiktionalem Pathos und doch ergreifend – hier rosa Flüssigkeit in Rundkolben, dort tiefste Dunkelheit, fluoreszierendes Licht, elektrizitätsschwangere Luft und jede Menge Stille, unterbrochen von einem immer wiederkehrenden Ton. Um die Ecke ein voller Kinosaal, alle paar Minuten ein cineastisch unterschiedlich umgesetztes Leitthema und ein paar Türen weiter, eine Wand in einem großen, dunklen, leeren Raum, über Tage hinweg dieselbe analoge Installation zeigend: horizontal aufgespannte Videobänder, vor weißem Licht ventilierend.

Die Übersichtlichkeit des Foyers entließ die Besucher in Räume, in denen dekorativer Kabelsalat, flimmernde Monitore und eine zwanglose Sitzordnung, die produktive Atmosphäre bestimmten. Computerkunst-Pionier und Ars Electronica Linz Gründer Herbert W. Franke referierte einleitend über alte visuelle und werteabhängige Vorstellungen von Zukunft, während die junge Redakteurin eines Internetfernsehsenders ihr mitgebrachtes Frühstück verzerrt und sich wirklich niemand daran störte.

In diesem Jahr bilanzierte die transmediale ehemalige Vorstellungen vom Jahr 2010, Welches lange als Inbegriff für Zukunft galt. Darüber hinaus, schuf sie ein multidisziplinäres Forum, das sich den tatsächlichen Entwicklungen annahm. Ein Themenschwerpunkt widmete sich Kreativität und Kultur als wirtschaftlich relevanten Faktor. Mit Workshops und Vorträgen wurde vermittelt und erörtert, wie man dieses Potential organisiert und dauerhaft tragfähig macht. Die Sprecherlisten der Konferenz Future Observatory waren lang, der Zeitstrahl für einen einzelnen Programmpunkt ging manchmal über die Horizontale einer ganzen Programmheftseite, man musste Zeit mitbringen und wirkliches Interesse. Künstler, Wissenschaftler, Philosophen, Pioniere, Designer und Medienaktivisten aus aller Welt, trafen in der Futurity Long Conversation aufeinande um vor einem internationalen – und das ist keine Floskel, die Sprache die ich am meisten gehört habe, war gebrochenes Englisch – Publikum ihren heutigen Blick auf die vergangenen und gegenwärtigen Zukünfte zu diskutieren.

Eingetaucht in Stille und Dunkelheit das Herzstück des Festivals – die Ausstellung Future Obscura – zugegeben, mein Staunen stellte sich erst ein, als ich das Konzept hinter den Exponaten ansatzweise begriffen hatte. Anfangs befremdet vom Geruch nach Strom und warmen Metall, musste ich mir auch hier Zeit nehmen um mich auf die Interaktion mit ihnen einzulassen. Wie bizarre Tiefseelebewesen bedurften viele der Ausstellungsstücke der Dunkelheit um ihre visuelle Wirkung zu entfalten und ihre Funktion übernehmen zu können.

Das heutige Verständnis von Arbeit wurde analog als traditionelle Biete-Suche-Tafel veranschaulicht als Teil des Future Exchange,  beherbergt von einem mehrkammerigen Konstrukt, spartanisch in mausgrau gestrichen und realisiert vom Architektenteam Raumlabor. Hier wurde Google zum Trotz, an alternativen Suchmaschinen geschraubt, kleine Robotoren entstanden aus Erdnuss und -Mischgemüsedosen wie nebenbei. Fair Trade innerhalb sozialer Netzwerke betrieben, wurde bei einer  Tasse Tee mit Kardamom, gebrüht auf der Heizfläche eines Bügeleisens, im Feral Trade Cafe erklärt, während man, verborgen hinter den umfunktionierten Türen, einem Tausendjährigen Stück lauschen konnte. Über den gesamten Festivalzeitraum hinweg, fanden hier Workshops statt.

Unsere Zukunft ist eine unvermeidbare Mission ohne Rückfahrkarte. die transmediale hat in diesem Jahr dazu eingeladen, sich ernsthaft und auf hohem Niveau mit vergangenen Visionen und entstandenen Tatsächlichkeiten auseinanderzusetzen, auf deren Grundlage unsere Zukunft entsteht. Mein Fazit: Hingabe und Zeit, sowie ein spezielles Interesse an  Technik, moderner Ethik und neuen Strukturen hinsichtlich kultureller Organisation, sind das Pfand, welches man einzahlt um aus den Vorlesungen, Gesprächen und Workshops Nutzen zu ziehen. Die gesamte visuelle Aufbereitung des Festivalthemas allerdings,  ist  sehr empfehlenswert für Kenner wie Nichtkenner. Definitiv ist man auf der transmediale um zu sehen, nicht um gesehen zu werden, Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

Bis heute Abend um 23:00 läuft das Festival noch im HKW-Mutterschiff, die Ausstellung Future Obscura wird bis zum 09.02.2010 verlängert, die Einnahmen der beiden Tage, kommen den Erdbebenopfern in Haiiti zugute. Die Satelliten die das Festival begleiten, laufen noch unterschiedlich lange bis Ende Februar.

Mitgestaunt und wieder hervorragend fotografiert hat Julius Höhne. Herzlichen Dank!

Fotos: © Julius Höhne

 

Bloß keine Eitelkeit


06.02.10

Useful Photography ist eine Buchreihe, die sich mit den kleinen Mankos, den ungewollten Zufällen und der Normalität des Alltags beschäftigt. Angenehm unbefangen wirkt die manuelle Fotografie im Zeitalter der Fotoretusche. Hans Aarsman, Claudie de Cleen, Julian Germain, Erik Kessels und Hans van der Meer sagen Ja zu Schönheitsfehlern und geben damit dem Zufall eine Chance.

Gosee

 

Bubblicious – Cardboard Stop motion


05.02.10

Das DIY-Video von Rex The Dog ist nicht von Pappe! Obwohl…

Makezine

 

Tiefgekühlt!


04.02.10

Attila Hartwig hat Designerkleidung fotografiert – tiefgefroren. Was aussieht, wie eine gestrickte Qualle, ist tatsächlich ein filigranes Kleid von Jil Sander. Die Kreationen aus vereisten Fasern bilden lebendige Skulpturen. Im Zusammenhang mit der aktuellen Eiszeit vielleicht ein Anblick, an den man sich gewöhnen sollte.


© SüddeutscheZeitungMagazin

In Skandinavien ist eingefrorene Kleidung schon länger bekannt. Die finnländische Künstlerin Riitta Päiväläinen arbeitet in ihren Bildern mit dem Zusammenspiel aus Kleidung und Landschaft als Gesamtkomposition.

SZ-Magazin, Helsinkischool

 

In eigener Sache: Justina


04.02.10

Das ist Justina:

Ich bin Justina, Ulrikes zukünftige Partnerin in Sachen TheJunction.
Beheimatet im Bereich Mode und Design agiere ich stets kreativ unkonventionell und versorge euch mit neusten Impulsen aus dem Hier und Jetzt. Seit 2008 bewege ich mich auf der Berliner Stadtkarte zwischen Campus und Kreativszene. Ich mag Dinge mit dem Auge fürs Detail und die Liebe auf den zweiten Blick.  Pferdesport find ich doof.

Liebe Leute, die Modestudentin Justina hat gestern ihren ersten Artikel hier veröffentlicht und hält mir gerade den Rücken frei, während ich mit Julius auf der transmediale dem Phänomen Zukunft auf der Spur bin. Mehr dazu demnächst.

Julius @transmediale

 

Couch – Couture


03.02.10

Auf der Suche nach einem neuen Sofa?

Zugegeben, vielleicht ist das ein oder andere nicht wirklich bequem, dafür werden deine Freunde Augen machen, dass du dich nicht für den 0815 Möbelhausklassiker entschieden hast. Ob man darauf sitzen kann, ist dann ja auch eher nebensächlich, als Designobjekt macht so ein Sofa auf jeden Fall viel her.

Morfeo Sofa Sleeper – Giovannoni & Rodrigo Torres for domodinamica

Es ist kein außerirdisches Sitzobjekt, es ist ein Schlafsofa. Hoffentlich fängt es nachts nicht an zu sprechen. Ansonsten sicher eine gelungene Kombination aus Form und Funktion.

LED Lighting Sofa – Colico

Praktisch ist: man kann es farblich per Fernbedienung an seine Gemütslage oder neue Haarfarbe anpassen, vom Design her allerdings nicht wirklich spektakulär.

Lips Sofa – Salvdor Dali & Oscar Tusquets

Sitzobjekte in Körperformen gibt es natürlich schon lange. Die Idee stammt aus den 70ern hat durch neue Technologie jetzt aber auch neuen Ausdruck gefunden.

Glossy Lipstick Sofa – Sand & Birch

Das hier ist mit Silikon beschichtet und schreit nach Aufmerksamkeit.

Tensile Sofa – Therese Glimskär

Für mich eine gelungene Kombination aus kontemporärem Design und Funktionalität – mein Favourit.

Toxel

 

Karikaturen – Fernando Vincente


02.02.10

Franz Kafka

Die Schwarz-Weiß-Karikaturen von Schriftstellern, Filmemachern  und Politikern sind nur ein Thema um das sich das Schaffen des spanischen Illustrators Fernando Vincente dreht. Von Anatomie über Pin up bis Zehlebrity ist jede Menge Sehenswertes dabei. An den Porträts dieser Persönlichkeiten hier, gefällt mir besonders der Verzerrungsgrad ins extrem Assymetrische hinein, der einerseits das Wesen einer Karikatur trifft, andererseits aber das dümmlich machende Pferdegebiss überflüssig macht, das eigentlich typisch für Karikaturen, den Biografien und Werken der Motive gar nicht gerecht werden würde. Wie gut Vincente die jeweilige Physiognomie seiner Motive im Griff hat, sollen die Fotos veranschaulichen mit denen ich die Namen verlinkt habe.

Winston Churchill

Virginia Woolf

Ernest Hemingway

Andy Warhol

Thomas Mann

Luis Buñuel

Wonderland

 

Photo Retouching by Waldo Lee


01.02.10

Der Franzose Waldo Lee gehört auch zu diesen Photoshop Akrobaten die einen mit ihren Tricks in Staunen versetzen. Mit dieser Arbeit hier gelingt das sehr gut, Vieles in der Galerie ist mir allerdings ein retouch to much.

Design You Trust

 

Looking Into the Past – Superimposed Photography


31.01.10

Genauso wie in dem Bild zum Beitrag vom Donnerstag, über Liu Wei auf der transmediale.1o, überlagern hier alte Fotos die heutige Szenerie. Die Fotos sind das Ergebnis eines gemeinsamen Projekts dieser Flickr Gruppe

TBR

 

Out of Print Book Cover T-Shirts


30.01.10

Buchcover die aus dem Druck genommen wurden und einst legendäre Meilensteine der Literaturgeschichte zierten oder einfach nur gut gestaltet sind, werden von der Firma Out of Print auf T-Shirts gedruckt. Ab 15.02. 2010 wird ausgeliefert, auch international. Das Cover der Erstausgabe von The Catcher in the Rye von J.D. Salinger, der vorgestern 91 jährig verstarb, ist auch unter den Motiven. Durch das Tragen der T-Shirts soll die Freude am Lesen sichtbar gemacht und verbreitet werden. Außerdem wird für jedes verkaufte T-Shirt, ein Buch durch die Partnerstiftung Books for Africa, in Gegenden geschickt, in denen es keinen Zugang zu Büchern gibt. Ganz davon abgesehen, geben die Buchcover irre gute Motive ab. Also, Spread the Word!

Chip Kidd’s Twitter

 

Unhappy Hipsters – It’s Lonely in the Modern World


29.01.10

Unhappy Hipster verkohlt die inszenierten Fotografien aus dem Möbledesign-Magazin Dwell (»At Home in the Modern World«) mit seinen Bildunterschriften.

Eames, Aalto — her most significant relationships were with dead designers.

You can come out when you can properly explain the differences between Modernist architecture and postmodern ornamentation.

He sipped his tepid coffee and pondered how to tell her that, in fact, the pants made the sack dress even less appealing.

Even in your company, I feel so alone.

© Abbildungen: Dwell, Texte: Unhappy Hipsters

FontBlog

 

Airplanes – The Local Natives


29.01.10

Offizielles Video für Airplanes vom The Local Natives Debut-Album Gorilla Manor. Die Band ist gerade auf Tour und am 02. Februar im Bang Bang Club, Berlin.

Facebook


 

Vanishing Point – Takuya Hosogane


28.01.10

Mal wieder ein prima Feierabendvideo:


Umsetzung: Takuya Hosogane (AfterEffects Cinema 4D)
Musik von Cubicroom und Meine Meinung.

Diskursdisko

 

transmediale.10 – Unforgettable Memory von Liu Wei


28.01.10

Die transmediale.10 befasst sich grundsätzlich mit dem Begriff Zukunft. Wer eine Zukunft haben darf und wie diese aussieht wurde in ehemaligen sozialistisch-totalitären Systemen aus der Herrscherebene heraus entschieden und mit Gewalt durchgesetzt. Der damalige Student Liu Wei hat 1989 das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens überlebt, er ist Künstler geworden. Sein Text zum Kurzfilm Unforgettable Memory ist ein deutlicher Ruf nach der vernachlässigten Aufarbeitung furchtbarer Erlebnisse, die bis in die Gegenwart hineinwirken, die die Zukunft eines Landes prägen werden. Auf der transmediale wird sich die Filmreihe The Succession of the Future mit der Reflektion der Zukunftsvision Sozialismus und der heutigen Realität in (post)-sozialistischen Staaten auseinandersetzen.

Die Gewinnerin des zweiten Festivalpasses Suzanne W. wird von mir benachrichtigt. Herzlichen Glückwunsch!

Es ist die Erinnerung an 1989, meinem zweiten Studienjahr, in dem ich fast ums Leben gekommen wäre. Ich bin über mein Überleben nicht glücklich, sondern fühle eine große Trauer wegen meiner Unfähigkeit, etwas im Angesicht des Todes zu tun. Zwanzig Jahre sind seitdem vergangen. Mutters Haar ist grau geworden und geliebte Menschen haben die Tränen getrocknet. Ruhvoll wie für die Ewigkeit herrscht auf dieser ersten Strasse Chinas die Stille vor. Stille, Vergessen und das bewußte Zudecken der Erinnerungen der Menschen verwandelt sie in ein Vacuum. Die Passanten sind in ein unscharfes Bild verwoben, die wahre Erinnerung ist verschwunden, Illusionen sind geblieben. Während die Zeit vergeht, macht uns diese Erinnerung immer hilfloser. Dass wir beim Anblick der Realität stumm bleiben, ist ein Beweis für unsere Scheinheiligkeit und Schwäche. Die Lebenden leben immernoch in der Frage der Toten. Die Sonne geht immer am nächsten Morgen auf und die vier Jahreszeiten bleiben im Wechsel. Der Unschuldige starb auf der einen Seite der Welt während die Schuldigen auf der anderen Seite der Welt groß sind. Das ist die Realität, die sich während dem gesamten Verlauf der Geschichte nicht gewandelt hat.