Perlen vor die Säue…


12.03.10

… auch ein Schwein hat Recht auf Luxus.

Welchen Sinn Wim Delvoye auch immer erfüllen wollte, das Markenschwein wurde vor dem Schlachter bewahrt.

Haute&Bothered

 

Alberto Seveso – Tinte im Goldfischglas


12.03.10

Wenn Wasser und Farbe sich zum molekularen Zusammenspiel in einem Wasserbehälter treffen, entstehen dabei manchmal solche versunkenen Luftschlösser, wie bei Alberto Seveso. Zugegeben der Trick ist alt, trotzdem fließt die Farbe beim italienischen Künstler besonders gekonnt zu anschmiegsamen Artungen der Unterwassergewächse.

Hier ein kleiner Einblick in frühere Arbeiten – erstaunlich vielseitig.

beginbeing

 

Maarten Wetsema – Meilensteine der Hundeportraitfotografie


10.03.10

Große Hunde, kleine Hunde, wuschelige Hunde, Kurzhaarhunde. Die niederländische Fotografin Maarten Wetsema hat offensichtlich eine Vorliebe für Hunde – und Möbel. Wer sonst würde 4 ganze Fotoserien (Daan and Jacob, Dogs in their Domestic Environments, Portraits of Dog, Dogshoots) der Hundportraitfotografie widmen. Die Theorie, dass Herrchen und Hund sich oftmals erstaunlich ähnlich sehen, ist unter Hundekennern weit verbreitet. Ob das Gleiche jedoch auch für Hund und Heimchen gilt, wurde bisher noch nicht tiefgehend thematisiert. Wie dem auch sei, bei Wetsema stimmen Hintergrund und Hund wie Hund zu Herrchen.

lenscratch, if it´s hip it´s here

 

Rube-Goldberg-Maschine deluxe


08.03.10

Domino Day war gestern. Ok Go zeigen mit Hilfe einer vom Effekt her ähnlichen Installation namens Rube-Goldberg-Maschine eines der viralsten Musikvideos der letzten Zeit und das muss gewürdigt werden:

65 Mitarbeitern und 60 Anläufe, von denen 3 tatsächlich bis zum Ende durchliefen, davon zwei aus ästhetischen Gründen kombiniert, führten zu dem offiziellen Video “This Too Shall Pass”.

xoomix

 

Michael Johansson – Spielzeugnostalgie für Ausgewachsene


08.03.10

Für alle äußerlich Groß Gewordenen, die in ihre Kindheit voller selbstvergessener Begeisterung unzählige Stunden, vertieft in ihren Fantasieterritorien, mit dem Zusammenbau von Modellsätzen verbracht haben und noch heute gerne an das Geräusch des Auseinanderknickens der Plastikrahmen denken, hier ein Stück Nostalgie im angepasst erwachsenen 1:1 Großformat. Fahrbare Untersätze sind seit jeher die Pioniere der Spielzeughierarchie, die Version des Schweden Michael Johansson kommt aber vergleichsweise designsicher in uni Farben daher. In den geschweißten Metallrahmen verstecken sich alle fortbewegungsrelevanten Utensilien vom Dieselmotor bis zur Fahrradklingel. Eine kleine Enttäuschung aber: Alters entsprechend darf nur betrachtet, nicht gebastelt werden!

designboom

 

Google Office steht Kopf


06.03.10

Google creative director Ji Lee geht an die Decke, die Gründe sind aber recht plausibel:

“People fill the floor of their homes with furniture and walls with paintings and pictures. So why are the ceilings left empty? Decorating ceilings was a celebrated art form in the past centuries that somehow got lost through the reductionism of modernism. People don’t look at the ceiling anymore. It’s a dead space. So I wanted to bring a small wink to this space. I also liked the idea that somehow there’s a parallel world which coexists with ours.”

Die kopfstehende Kleinkunst versteckt sich derzeit in den kreativen Quadratmetern des heimisch und dienstlichem Hoheitsgebiet Lees – auf der anderen Seite der Schwerkraft versteht sich. Maßgeschneiderte Miniaturreiche gibt es auf Anfrage. Preis für eine persönliche Parallelwelt leider unbekannt.

ignant

 

Jan Banning – Portraits von Bürokraten


03.03.10

Für alle missgestimmten Menschen, die viel zu lange bei Behörden und Ämtern gewartet, in Schlangen gestanden, brav Nummern gezogen und sich bis heute gefragt haben, ob es in anderen Ländern auch so sorgfältig spießbürgerlich zugeht, hier ein kleiner Eindruck von internationalen Drehpunkten des Verwaltungswesens, festgehalten von Jan Banning. Der Niederländer begab sich auf eine lange Reise, um Bürokraten aus China, Jemen, USA, Indien, Liberia, Russland, Frankreich und Bolivien aufzuspüren und die dezenten bis drastischen Differenzen, die sich, hinter dem immer wiederkehrenden Interieur aus einer Platte und vier Beinen, in öffentlichen Zentren der Bürokratie auftun, einzufangen. Zurück kam er mit einem Buch, das in 50 Fotografien ,,Bureaucratics – around the world”, vermerkt mit Name, Alter, Beruf und Gehalt, zeigt. Seine Bilder sind wie fotografische Studien, Studien über verschiedene Kulturen, Gewohnheiten und Länder, aber auch Portraits von Persönlichkeiten. Schreibtischgestaltung, Sitzhaltung, Gesichtsausdruck – alles gibt Aufschluss über Aufgaben, Funktionen, Charakter: vom einfachen Archivar bis hin zum leitenden Beamten. Das gleichbleibende, quadratische Format, immer aus der selben Perspektive fotografiert, zeigt den roten Faden aus Vorschriften und Verordnungen, der diese Bilder vereint. Hier ein paar Auszüge aus dem herausforderndem, dennoch humorvollem und irgendwie absurdem Werk – viel Spaß beim Länder zuordnen.

Thee Blog

 

Kreatives Gegengift für verstaubte Fassaden


02.03.10

Mentalgassi ist eingefleischten TheJunction-Lesern natürlich ein Begriff. Im Mai letzten Jahres berichteten wir über die Berliner Streetart-Künstler, die deutsche Großstädte mit Fotoplakaten verschönern und dabei heimlich Straßenschildern, Recyclingcontainern und Fahrkartenautomaten ein Gesicht verleihen. Hier ein paar Einblicke in die kreativen Köpfe sowie noch mehr Arbeiten der talentierten Straßenkunstakteure:

Im Rahmen der Berliner Fashion Week versammelten sich ab dem 21. Januar dieses Jahres Designinteressierte, Kunstliebhaber und Kunstschaffende, so auch die Jungs von Mentalgassi, zwischen Backsteinfundament und Holzbalken zum kreativ interaktiven Aufeinandertreffen und Feiern, initiiert von Converse in Kooperation mit dem Lodown Magazin. Die kahlen, bröckeligen Wände eines entkernten Berliner Altbaus wurden während der siebentägigen Veranstaltungsreihe mit dem interaktiven Motto ,,You´re here“ zu kreativen Luftschlössern verwandelt. Aus einer Portion Farbe, künstlerischem Mut und Ideenreichtum entstanden Wandillustrationen, wie beispielsweise die des Kölner Künstlers HerrSchulze, der mit einem überdimensionalen Malen nach Zahlen Berlinbild zum Mitmachen anregte und kreativ versierten Menschen, sowie solchen, die davon noch nichts wussten, die Angst vor dem weißen Blatt der weißen Wand nahm und dem ein oder anderen Sternstunden im Bereich schöpferische Selbstverwirklichung verschaffte. Wie ein kreatives Kontrastmittel wirkte das bunte, lebendige Wandbild im Gegensatz zur Umgebung aus Verfall und alter Fassade und regte zu neuem Schaffen an.

Am Ende des siebentägigen Events durfte zusammen mit dem Broken Hearts Club und Bodi Bill frei nach dem Motto ,,Tear Down“ noch mal ordentlich gefeiert, geschmiert oder gemalt werden. Anschließend verabschiedete sich die interaktive Partyreihe nach London, Paris und Mailand. Die kreativen Ergüsse der jeweiligen lokalen Künstler und weiterer noch unbekannter, aber talentierter Kreativer kann man übrigens auch online bestaunen. Eine Reihe von Kurzfilmen, wie der von mentalgassi, zeigt die individuellen Inspirationen, die gestalterischen Prozesse der jungen Schaffenden, macht deutlich, was Kreative verschiedener Nationalitäten, unterschiedlicher Kontinente prägt. In naher Zukunft soll hier ein inspirierendes Künstlernetzwerk für kreative Köpfe der ganzen Welt entstehen, das die Lokalkünstler, die vorgestellten jungen Artists, Talente von bildender bis darstellender Kunst schöpferisch vereint – es bleibt spannend.

Converse

 

Feingefühl für Fisch – Paramodels Sushimobile


26.02.10

Nein, mit Essen spielt man nicht. Zum Glück sind die japanischen Leckerlies auf dem Rücken der Spielzeugtrucks nur aus Plastik. Zum Aufessen wären die kleinen Kunstwerke aber erstens sowieso zu schade und mit ca. 270 $ pro Auto auch recht kostspielig. Die Mini LKWs, übrigens eine bekannte japanische Spielzeugautoserie namens ,,Tomica“, wurden vom japanischen Design Duo Paramodel aus Osaka, Tokio mit Aal und Kugelfisch beladen. Yasuhiko Hayashi und Yusuke Nakano zeigen bei ihren Teller-Truck Installationen schmackhaftes Feingefühl – ein Einklang aus Form, Farbe und Fisch.

Das spielzeugfanatische Designduo hat nicht nur Autos, sondern auch Eisenbahnschienen ausgekramt. Was von weitem aussieht wie quirlige Farbadern sind tatsächlich tausende, kleine, blau kolorierte Schienenteilchen, die sich über Dielen und Decken, Wald und Wiesen schlängeln. Wer genauer hinsieht, entdeckt vielleicht auch Bahnhöfe oder Weichen zwischen Blattwerk und Heizungsrohr – good luck!

meterdown, pingmag

 

Invasion der kosmischen Kieselsteine


24.02.10

Christopher Colville betreibt professionelle Spurensuche. Dabei sucht er niemanden Bestimmtes, eigentlich sucht er nur die Spuren als solche. Er sucht nach dem Einfluss, der Manipulation, die Organismen und Objekte, Substanzen und Stoffe in ihrer Umgebung hinterlassen. Wie Sendung von einem anderen Stern, irgendwo zwischen Mars und Jupiter, wo kleine Autos zwischen Hügellandschaft und Kieselsteinen leben, wirken die Aufnahmen, die offiziell in der ,,Sonoran Desert“ bei Phoenix, Arizona entstanden sind – ich wäre skeptisch.

butdoesitfloat, colt+rane

 

Gemüsekunst trifft Installationsspektakel


23.02.10

Maiskolben, Opas Aktenkoffer, Schaufensterpuppen, überdimensionale Styroporeier –  was auch immer der schwedische Künstler Carl Kleiner anfasst, irgendwie gerät es in einen kreativen Zusammenhang. Diesem Phänomen könnte die Tatsache zugrunde liegen, dass seine Arbeiten gleichermaßen aus Collage und Fotografie bestehen. Diese furchtbare Vielseitigkeit führt einen auch in seinem Portfolio von der Gemüsekunst über Modefotografie bis hin zum Installationsspektakel – kurios kunterbunt. Übrigens habe ich mich heimlich in den Zwiebelelefanten verliebt.

pitchdesignunion und etoday

 

Derrière Paris – kuschelig kulinarisch


20.02.10

Ob das Essen im Derrière Restaurant in Paris gut ist weiß ich nicht, aber eigentlich geht es hier ja auch gar nicht ums Essen. In einer Stadt, die stetigem Wachstum und schnellem Wechsel ausgesetzt ist, in der Touristen, Vergnügung und Attraktionen die Straßen füllen, findet man auch solche kleinen, versteckten aber lauschigen Plätze wie das Derrière. Das Restaurant wirkt wie ein Mix aus einem alten französischen Barockhaus und einer gemütlichen Berliner Studentenwohnung, alles ein bisschen unordentlich und zusammengewürfelt, aber mit dem gewissen Etwas. Vielleicht sind es die alten Tapeten, die überfüllten Bücherregale, die Secondhand Möbel oder die Tischtennisplatte im Zimmer, die dem Restaurant die Wärme und Wohnlichkeit verleihen und den Besuch mehr wie ein Abendessen bei Freunden erscheinen lassen. Hinter einem alten Holzschrank verbirgt sich à la Anne Frank Haus ein kleines Raucherzimmer, in dem sicher auch bekennende Nichtraucher schon lauschige Stunden verbracht haben. Denn in der Stadt der Liebe pflegt man auch die Liebe zum Detail. Und das Essen ist sicher auch ganz passabel.

Gesehen auf Yatzer

 

Mass Black Implosion – Marco Fusinato illustriert in pianoforte


16.02.10

Jede Musikrichtung, jede Melodie und jede Note drückt eine eigene Stimmung, eine unverwechselbare Emotion aus. Noten auf weißem Papier hingegen sind wie eine tote Sprache, zwar für Einige verständlich, aber dennoch nicht lebendig in sich. Allein durch das Sehen einer Komposition wird selten der Charakter einer Musik verstanden oder etwa Gefühle angesprochen. Marco Fusinato hilft bei der Übersetzung und überträgt die Musikstücke in dynamische Illustrationen, die, wie eine Melodie selber, zu kommunizieren scheinen. Über einen Fluchtpunkt verbindet er die einzelnen Noten zu lebendigen Figuren. Ist ein Werk temporeich oder mehrstimmig, stehen also viele Noten ohne Pausen nebeneinander. Die Gestalt ist verdichtet, man spürt die Energie, die das Stück zu vermitteln scheint. Lange Pausen hingegen ergeben ein weitläufigeres, ruhigeres Bild. Die Illustrationen werden selbst Kompositionen und sprechen eine neue, visuelle Sprache – ganz ohne Worte.

Gesehen auf Colt + Rane

 

Love + Lala = Lola


15.02.10

Diese Lichtkunstinstallation stammt aus einer Kooperation mit den Produkt- und Interiordesignern von llot llov und dem Fashion Label lala Berlin. Alte Lampenschirme dienen als Basis für das Design aus blaugrauen Maschen, Fäden und Perlen. Wie ein Gewächs rankt die überdimensionale Lichtkomposition von der Decke des Berliner Stores und schafft eine Symbiose aus Interior und der Mode des Stricklabels. Wer bisher also bei Maschenware lediglich an kratzige Wollpullover oder in unmöglichen Farben geringelte Socken gedacht hat, wird jetzt eines Besseren belehrt.

Die reduzierte zu Hause Variante.

Gesehen auf quite contrary und designboom

 

Morells Fotoprojektionen oder die Magie der Lochkamera


13.02.10

Die Zimmer sind an sich kahl, weiße Wände, kaum Dekoration, wenig Möbel – typische Studentenbuden mag man sagen. Abelardo Morell taucht diese mit Hilfe des Camera Obscura Effekts in Projektionsflächen, Projektionsflächen für die Sehnsucht nach Ferne. Als wären die Wände Türen, tritt man in die Außenwelt ein. Mit viel Feingespühr hat Morell die Bilder ausgewählt. Er hat in die tiefe Seele der Räume geblickt und kennt jetzt ihren Charakter wie niemand anderes. Natürlich weiß er, dass jedem Zimmer nur ein ganz bestimmtes Bild gefällt und in welcher Stadt sie leben weiß er auch. Gegenstände, die sich im Raum befinden, verbinden sich mit den Projektionen. Muster überlagern sich und Möbel, Bilder, Strukturen werden Teil der Installation, in die man eintaucht. Innen- und Außenwelt, Realität und Fiktion werden eins – und das alles mit einer Lochkamera.

Central Park Looking North, New York

Santa Maria Della Salute, Venice

Grand Canal With Bridge

View of Volta del Canal, Venice

Bei längerem Hinsehen kann sich eine gewisses Gefühl von Unruhe und Beklemmnis einstellen. Der erneute Beweis dafür, dass unsere Wahrnehmung nach Ordnung strebt – upside down Projektionen also ausgeschlossen. Das kann man aber sicher üben, wie mit dem Gleichgewicht und Karussell fahren.

Gesehen auf TheNewYorkTimesStyleMagazine und Everyoneisanartdirector