Masha Qrella – Speak Low (Loewe & Weill in Exile)
01.06.09
Die Berliner Musikerin Masha Qrella hat ihr 3. Soloalbum „Speak Low“ (Loewe and Weill in Exile) veröffentlicht. Endlich, so sicherlich ihre Anhängerschaft, denn die Musikerin hatte seit 2005 nichts Neues von sich hören lassen. Ihr drittes Album (nach Luck 2002 und Unsolved remained 2005) ist aber eine Solo-Arbeit der etwas anderen Art. Qrella, die sich mit ihren vielen anderen Bandbeteiligungen (z.B. mit den Bands Mina und Contriva etc.) und Projekten (z.B. die Filmmusik für Kleinruppin, 2004) schon immer offen gegeben hat, ist mit Speak Low eine ungewöhnliche Herausforderung eingegangen: Sie hat Lieder der zwei großen Deutsch-Amerikanischen Komponisten Kurt Weill und Frederick Loewe neu aufgelegt. Weill, der 1928 in Deutschland mit Bertolt Brecht die Dreigroschen-Oper schrieb und später vor den Nazis in die USA geflüchtet ist. Dort wurde er als Musical—Schreiber für den Broadway gross. Und Loewe, der nicht flüchten musste, der Ende der 20iger in New York landete, und aus dessen Feder später Welthit-Musicals wie My fair Lady entstanden. Nun also die Anbandelung zwischen Frau Qrella und den Herren Weill & Loewe. Man darf sich durchaus fragen: wieso? Wieso „Broadway-Cover“? Qrella hat doch schon mit ihrem Debut-Album genug Songwriting-Kompetenz gezeigt. Was also braucht sie da zwei Komponisten-Opis, deren Hoch-Zeit gut ein halbes Jahrhundert zurückliegt?
Die Entstehungsgeschichte zu „Speak Low“ beantwortet diese Fragen: Das Berliner Haus der Kulturen der Welt veranstaltete anlässlich seines 50 jährigen Bestehens im Jahr 2007 eine Reihe „New York – Berlin“, zu dem Kompositionen von Kurt Weill und Frederick Loewe zur Interpretation standen. Der verantwortliche Kurator der HdKdW-Reihe wollte wissen, inwieweit die Songs „rund ein halbes Jahrhundert später noch Relevanz besaßen, inwieweit sie in den Popkosmos von heute integrierbar waren, oder nur noch zu Ballhaus-Nostalgie oder Fernsehballett-Banalität taugten.“ Er lud sich die Berliner Indie-Frau Masha Qrella ein, um diese Frage für ihn zu klären. Und, was hat sie, Qrella, geklärt? Ja, sie besitzen noch Relevanz die Lieder, ja, sie sind noch integrierbar in den heutigen Popkosmos und ja, sicherlich könnten die Songs unter der Feder eines anderen Interpretators zum langweiligen Ballhaus-Entertainment verkommen. Tun sie aber nicht, nicht in diesem Fall.


























