re-view: Men Paris FS 2010


01.07.09

Junya Watanabe © men.style.com

Junya Watanabe © men.style.com

Ich war enttäuscht, mein halbjährliches Highlight auf Seite von men.style.com sind immer die Bilder von The Sartorialist gewesen, die die Menschen am Rande der Schauen zeigen. Diesmal gabs nur eine kleine Zusammenstellung von ein paar Bildern…. Was sagt uns das nun? Bedeutet es, dass nicht besonders viel Gutes zu sehen war? Oder ist der Scott mittlerweile einfach zu teuer? Wie dem auch sei, es geht ein bisschen um das, was auf den Schauen gezeigt wurde und weniger um die Statisten am Rande. Es gab sicherlich einiges Tolles, aber vieles ist schon wieder aus meiner Erinnerung verschwunden. Mode soll ja Begehrlichkeiten wecken, aber in den Zeiten medialer Überbeanspruchung bleibt nicht viel hängen.

Woran ich mich gerne im nächsten Sommer erinnern werde: Nachdem schon der letzten Junya Watanabe Schau mein Herz gehörte – werde ich ihm auch im kommenden Sommer nicht meine Liebe entsagen. Seine Kollektion riecht nach der guten alten Zeit und den Idealen elitärer Nichtstuer. All das ist doch ziemlich erstrebenswert oder zumindest ein kleines Arkadien für die Mittagspause. Die Kombinationen aus Jacket und Hose ist einfach ideal, um die Tage zu versüßen. Alles hat so einen lässigen altmodischen Touch. Selbst in Kombination mit verwaschenen Jeans, eigentlich ja eher einen Würgereiz auslösend, ist es mehr als begehrenswert.

Paul Smith © men.style.com

Paul Smith © men.style.com

Was ich sicherlich vergesse: Jetzt wirds schwer, ich muss mal kurz nachdenken und nochmals alles in Gedanken durchgehen… Diese Art Bermuda mit Aufschlag zum Beispiel. In Mailand gabs die unter anderem bei Calvin Klein Collection, in Paris dann liefen sie bei Louis Vuitton durch die Reihen. Sie sind schön, aber hatten wir das nicht schon im letzten Sommer? Und im Vorletzten nicht auch?
 

re-view: Milano Moda Uomo


25.06.09

Der Zirkus kommt in die Stadt – in dem Fall nun Mailand – alles Neu, tolle Show? Nein, eigentlich haben wir vieles schon mal gesehen. Die Straßen sind voll mit Jungs in gekrempelten Hosen und alles sieht ein bisschen verblichen aus, warme anheimelnde Farben die südliche Sonne und Sommer erahnen lassen. Mailand ist nie Avantgarde, eher immer gut tragbar und aus schmeichelnden Materialien. Auch die, die dem Zirkus hinterherlaufen und die Sensationen gierig aufsaugen sind in Mailand immer ein bisschen entspannter.

Bottega Veneta © men.style.com

Bottega Veneta © men.style.com

Woran wird man sich also bei den Schauen für den Sommer 2010 erinnern? Vielleicht an die Moncler Damme Bleu Schau, die war ein inszeniertes Highlight der Extraklasse. Aber dahinter steckte ja auch  Thom Browne und seine immer von Sportlichkeiten inspirierten Kollektionen bieten mehr als einen Hingucker. Drei einfache Zutaten brauchts: die Idee, die Location und hübsche Jungs.

Normalerweise für etwas aufwendiger, gabs diesmal bei Alexander McQueen nur ein fotografiertes Lookbook. Dafür aber Kleidung die an Ed Rusha und somit ein bisschen an altes von YSL und Adam Kimmel erinnern. Nicht aber im Negativen, es sind tolle Teile und alles großartig umgesetzt. Der helle Anzug mit blauer Farbpaspel ist mein Lieblingsteil. Auch Marni hat alles im Atelier fotografiert – alles gelungen und schön anzuschauen.

Alexander McQueen © men.style.com

Alexander McQueen © men.style.com

Allgemein sehen die Modelle in Mailand immer etwas gesünder und weniger blass aus. Im Vergleich zu den dünnen englischen Punks verkörpern sie Lässigkeit  und verderben mir  mit ihrer schwarzen Düstrigkeit nicht die Laune.

Für den Sommer finde ich Rick Owens und Co. eher schwierig. Vielleicht sollte ich aber auch nicht übertreiben, D’squared ist auch nicht unbedingt meins. Letzten Endes würde ich mich für Missoni entscheiden, da hat alles einen anheimelnden Charakter. Die Hosen sind locker und luftig, das Gestrickte sieht einfach einladend aus. Wie damals, bei Opa

Missoni © men.style.com

Missoni © men.style.com
 

Re:view Paris Fashion Week – Mit den 80ern raus aus der Krise


16.03.09

Backstage

Backstage

Paris is burning und alle haben sich die heißesten Partyoutfits auf den Leib gezimmert. Ziemlich cool, statt Schwarzmalerei zeigten die Labels wie man sich die Partynächte am besten um die Ohren schlagen kann. Allen voran Balmain. Das französische Traditionshaus liefert die besten Ideen, Christophe Decarnin hat verstanden, was die Frauen wollen. Er zeigte im Ritz und tut es damit, Gianna Versace, dem König aller Partygirls gleich. Schon die letzte Kollektion feierte wilde unbekümmerte Zeiten. Für den kommenden Winter sorgt er für Nachschub und noch kürzere Kleidchen lassen noch wildere Partys erahnen. Glitzertops zu Trapezhosen und kurze Röcke, genau das sehen wir gerne. Und was man eigentlich nicht mehr sehen wollte und plötzlich im richtigen Kontext sehr begehrenswert erscheint, sind die Vokuhila-Abendkleider. Olivier Theyskens hatte sie schon in der letzten Saison bei Nina Ricci, und nun also auch noch bei Balmain. Es leben die 80er. Der Trend wirkt sich auch auf die Tagesmode aus, allerdings mit viel Understatement und weniger Rock-Chick-Allure. Dries Van Noten gibt sich als Meister der Farbgestaltung und zeigt, wie modern auch gut positionierte Retro-Einflüsse sein können.

Dries Van Noten

Dries Van Noten

Wieder wahnsinnig in den Himmel gelobt, für mich ein bisschen unverständlich, ist Nicolas Chesquières Kollektion für Balenciaga. Das heißeste Ticket bei den Schauen ist die Schau sicherlich, aber es sieht in meinen Augen alles sehr zusammengeschustert aus. Die merkwürdigen Rocktraperien aus Satin hätten bei manch anderen Designer zu ziemlichen Verrissen geführt, die Lurextops und die gepunkteten Seidenstrümpfe sind der Gipfel. Aber er ist eben momentan mit einem Goldenen Ticket ausgestattet und man sieht vielfach wenig hinterfragt was man da eigentlich vorgesetzt bekommt.

Ob Nicole Phelps von style.com einen schlechten Tag hatte kann ich nicht sagen, allerdings lässt ihre Kritik an Wunderkind einiges vermuten. Wolfgang Joop zeigt mal wieder, dass er über allen Krisen steht und sich recht wenig um die Meinung anderer schert. Die ersten acht Looks sollte man schnell überblättern, um endlich zu den wunderschön grafischen Prints vorzudringen. Die Mischung aus Streifen und Rechtecken in der Tradition des Suprematismus geben die Richtung vor und werden nur von Fotodrucken die Gregor Törzs Werken entlehnt sind überboten. Der andere Deutsche in Paris, Karl Lagerfeld, zeigte bekanntes bei Chanel, interessanter sind allerdings die Entwürfe, die er unter eigenen Namen zeigte: Mädchen mit Motorradhelmen, ganz verwegene Dinger.

Wunderkind

Wunderkind

Zum Schluss noch ein bisschen was von der Phantasiefront. Immer gut für reichhaltges Dekor ist John Galliano.  

 

Re:view Milano Moda Donna: Tränen für die Mode


06.03.09

Jil Sander

Jil Sander

Milano und die Mode rühren schon mal zu Tränen. Die Gründe sind vielschichtig, es reicht von engen Schuhen bis hin zu hellen Scheinwerfer. Letzteres war der Grund warum sich Tränenbäche ihren Weg über Augustes Wangen bahnten, was nun endlich, nach gut einer Woche voller Fragen durch ihren Booker erklärt wurde. Eins ist sehr erfreulich an der ganzen Sache, die Jil Sander Kollektion hat durch diesen kleinen Vorfall unheimlich viel Aufmerksamkeit erregt und sogar ein wenig über negative Presse hinwegtäuschen können. Denn unerfreulicherweise wurde eben kurz vor der Schau auch die Schließung der Hamburger Ateliers bekannt gegeben, damit ist dann die Loslösung des Namens von seiner Geschichte entgültig vollzogen. Trotzdem aber war Raf Simons wieder beim Kern der Marke. Die Zweiteilung der Kollektion in einen sehr verkaufsfreundlichen und einen eher künstlerischen Teil dürfte nicht nur die Kunden sondern auch die Retailer freuen. Die Schau begann mit klassischen Mänteln und Kleidern, dazu fast ausschließlich flache Schuhe und alles in gedeckten Farbtönen mit wenigen leuchtenden Tupfen. Nach einem Wechsel in der Lichtstimmung kam eine Abfolge skulpturaler Modelle, die aber trotz extravaganter Schnitte sehr kommerziell schienen. Mein Highlight, ein graues Mantelkleid mit gelb abgefütterten Kragen.

Bottega Veneta

Bottega Veneta

„Italy stands for beauty – and beautifully made.”, so Mario Boselli, Präsident der Mailänder Modekammer zu Suzy Menkes. Damit hat er zweifellos recht, denn bei allen gezeigten Kollektionen wurde klar, dass in den momentan ‘harten’ Zeiten mehr Wert auf solides Handwerk, als auf Extravaganz gelegt wird. Nach dem nun die letzten Jahre vor allem junge Labels gefeiert wurden, sind es nun wieder Marken mit einer fundierten Basis und dem Wissen um die Wichtigkeit der Qualität in den Fokus rücken. Nicht umsonst feiert gerade aus diesem Grund Versace wieder große Erfolge. Vorurteile der Marke gegenüber, werden abgelöst von neuer Aufmerksamkeit. Sie bahnt sich wieder ihren Weg in die erste Reihe und Donatella hat Durchhaltevermögen bewiesen. Klar ist die Zielgruppe genau erkennbar, Reich und Schön und vielleicht auch ein wenig Russisch. Dies ist jedoch genau das erwähnted Vorteil: Die Marke richtet sich an Kunden, die von der Krise recht wenig abbekommen haben und ihren Reichtum gerne zeigen.

Die Rückkehr zu den Wurzel macht auch Goirgio Armani zum Thema. Seine Kollektion ist zeitlich so gar nicht einzuordnen. Stellt man verschiedene Modelle aus den verschiedenen Jahrzehnten nebeneinander ist am Ende alles sehr ähnlich, und leider auch ziemlich langweilig. Er zitiert sich selbst immer aufs Neue. Auch die Zwillinge Dean und Dan Caten haben sich für D’squared2 nicht gerade viel Mühe gegeben. Sie haben sich einfach ein paar der Regenbogenpresse zuzuordnende Magazine gekauft und den Look der jungen Hollywood-Prominenz kopiert. Die Models tragen alle Sonnenbrillen, Mützen und nen Kaffee in der Hand – ‘Ich bin ein Star und freue mich über PR und die tolle große Handtasche von XY, will aber bitte nicht erkannt werden!’ Bisschen zu sehr eine Zielgruppe kopiert, die aber selbst ziemlich genau weiß in welchen Klamotten sie toll ausssieht.

Waders zu Shorts bei Prada

Waders zu Shorts bei Prada

So richtig umgehauen haben in Mailand eigentlich mal wieder nur Prada und Marni, wobei letzteres nicht wirklich konzeptionell ist. Marni macht eben Mode für Mädchen, Farben und Muster sind immer das Highlight. Prada ist da schon weit komplexer. Die aktuelle Kollektion trägt den spröden Charme Schweizer Armeedecken, suggeriert durch Optik der Materialien und die Farben. Ich finde vor allem die über die Cardigans gezogenen Shorts großartig und die angegürteten Anglerstiefel als Sahnehäubchen. Ein weiteres Highlight war sicherlich Salvatore Ferragamo. Christina Ortiz zeigt wieder ihr Talent für Schnitte und setzt es selbst in Strick um.

Salvatore Ferragamo

Salvatore Ferragamo
Toni Garrn bei Fendi

Toni Garrn bei Fendi

Für alle Pelzgegner wird es nun wirklich eine schlechte Saison, bzw. eine gute für die Farbenindustrie. Die Designer setzen auf Luxus und auf eine zahlungskräftige Kundschaft zu deren Vorlieben eben auch diese Luxusprodukt gehört. Neben den vielfach betonten Schultern ist auch dies eine Hommage an Denver Clan und Dallas, lang lebe Alexis Carrington-Colby-Dexter-Rowan….

Bilder via Style.com

 

Re:view London Fashion Week – Pantone und Blumen


27.02.09

Kinder Aggugini

Kinder Aggugini

Die Fashion Week London ist vorbei und klar gab es wieder viele junge Talente zu bestaunen, beachtliche Kollektionen und auch solche die schnell wieder vergessen sind. London, immer ein wenig im Schatten der Modestädte Paris und Mailand, ist dennoch eine Betrachtung wert. Nicht zuletzt wegen der von Central Saint Martins, der Talentschmiede schlecht hin. Viele Designer die in London ihre erste Kollektion zeigen sind häufig Absolventen dieser Schule. Hier werden später gerne die neuen Kreativköpfe großer Marken zusammengecastet, John Galliano ist nur ein Beispiel. Das neueste Gerücht: Gareth Pugh wird Dior Homme übernehmen und Kris van Assche ersetzen.

Central Saint Martins

Central Saint Martins

Kinder Aggugini, ebenfalls einer dieser Erwähnten, hat nach Zwischenstopps bei Versace und Vivienne Westwood sowie beim Schneider Huntsman in der Savile Row seine erste eigene Kollektion gezeigt. Die Einflüsse seiner ehemaligen Brotgeber sind gut erkennbar. Zusammen ergeben einen spannenden Mix. Die Damen der Upper Class finden sicherlich ebenso Outfits für die Teestunde wie deren Töchter, die sich dann die Nächte mit englischen Prinzen um die Ohren schlagen.

Auch Giles Deacon findet einen guten Spagat zwischen Eleganz und Partytauglichkeit. Seine Korsagenkleider erinnern an die 40-er Jahre und lassen auch der Queen nicht unbedingt die Schamesröte ins Gesicht steigen. Anders als die mit Stacheln besetzten Hängerchen. Deacon zeigte zugleich einen Trend der schon in New York zu sehen war: Fellstulpen an den Unterarmen welche bereits bei  Michael Kors und Donna Karan zu sehen waren.

Wiederum ein anderer Trend ist die Vergänglichkeit von Models: Die Ära Agyness Deyn könnte tatsächlich ein Ende finden. War sie im Herbst noch so gut wie bei jeder Schau zu sehen, macht sie sich recht rar. House of Holland hat sie allerdings eröffnet, aber für eine Muse gehört sich das auch so. Und Agyness hin oder her, die Kollektion selbst hat auf jedenfall einen unheimlich hohen Wiedererkennungswert. Henry Holland hat seinen PANTONE-Fächer einfach vergrößert und auf die Kleider übertragen. Obwohl dieser in jedem Atelier zu finden ist, kannte ich es so noch nicht. Neben Variationen in Pink, Lila und Grün ist vor allem eine grauer Mantel aus Mongolenlamm Hingucker. Bei den Typen galt Ähnliches, so hatte Ash, die männliche Pandon zu Aygness, die Ehre, bei der Show den unverwechselbaren grauen Anzug zu tragen. Aus der Kollektion sollte man auf jeden Fall ein Teil sein eigen nennen, also kaufen!!!

Ash bei House of Holland

Ash bei House of Holland

Neben all den Schauen hatte London zusätzlich ein Event zu bieten, das ein Stück weit die Kultur des Vereinigten Königreichs feierte: Hutmacher Stephen Jones wurde mit einer Sonderausstellung im Victoria & Albert Museum gewürdigt.

 

 

Re:view New York Fashion Week – Pelziger Luxus


23.02.09

Michael Kors HW 2009

Michael Kors HW 2009

„Das Beste was ich über die Schau sagen kann ist, dass sie 2 Minuten zu früh anfing.” Anna Wintour hat dieses Statement gegenüber einen amerikanischen Tageszeitung abgegeben und meinte damit den Modesuperstar Marc Jacobs und dessen Kollektion für den kommenden Winter. Eigentlich sind ja ihre Daumen mit denen römischer Diktatoren vergleichbar, aber ihr Gegner ist ihr ebenbürdig und kann diese Kritik recht unbeschadet einstecken. Ich gebe ihr recht, war doch die gesamte Schau eine Aneinanderreihung von 80-er Jahre Ikonen. Gloria von Thurn und Taxis und ihre wilden, alles andere als fürstlichen Ausbrüche, waren ebenso Teil der Inszenierung wie Grace Jones und die Discogirls im späten Studio 54. Es fehlte nur noch ein Bianca Jagger Look-Alike  auf einem weißen Pferd unter Sternenstaub. Doch entfernen wir die Deko, bleibt aber eine tragbare, aus klassischen Komponenten zusammen gesetzte Kollektion. Die Power wird größtenteils durch die leuchtenden Farben transportiert, eine Palette die er von sich von Künstler Stephen Sprouse geliehen hat und schon für seine Louis Vuitton Kollektion nutzte.

Marc Jacobs HW 2009

Marc Jacobs HW 2009

Sehr auffällig war in der vergangenen Woche der gezeigte Luxus. Je schlechter die Zeiten desto größer das Verlangen danach, mal wieder zeigt sich wie wahr die alte Regel ist. Frau Wintour (ja, schon wieder) trägt in der ersten Reihe am liebsten Pelz zu Bob und Sonnenbrille. Während sie letztere doch auch manchmal abnimmt, macht sie dies mit dem Mantel im Winter nie. Sie nimmt regelmässig einen Wallküren-Ritt auf sich und kämpft gegen die Freunde von Peta und andere Organisationen und bringt in den Wintermonaten streckenweise Pelz und Leder ins Heft. Viele Kollektionen beinhalten Jacken und Mäntel aus Astrakan, das Fell vom Lamm des Karakulschaf erscheint durch seine samtene Optik aber eher als Gewebe. Auffälliger sind die gefederten Füchse bei Michael Kors, welche zu Jacken und Mäntel gearbeitet sind. Durch die luftige Verarbeitung lassen sie sich gürten und haben eine unglaubliche Leichtigkeit. Ungefärbt und eher sophisticated eigenen sie sich für die Alltag und die städtischen Streifzüge. Die neonfarbenen Mäntel und Mützen  lassen die Damen dann in schweizerischen Nobelskiorten bei Lawinen besser wiederfinden – Leider bot sich dieser Spruch einfach an und ich habe ihn trotz einer wirklichen Vorliebe für Pelz einfach bringen müssen. Am liebsten mag ich übrigens Samtnerz, nur falls einer einen übrig hat und nicht mehr will. Neben Michael zeigte auch Oscar de la Renta Beachtliches aus Fell, wie zum Beispiel eine Jacke, welche sehr an ein Stinktier erinnert. Insgesamt ist die Kollektion sehr Tipe Hedren in ‘Die Vögel’.

Matthew Williamson HW 2009

Matthew Williamson HW 2009

Nach einer Modewoche bleiben häufig ein paar Labels in Erinnerung, meist jene die bereits bekannt sind. Klar wurden vor allem die Designer gehypt die im Vorfeld mit der Bekleidung für Michelle Obama für Furore sorgten, aber Thakoon und auch Jason Wu haben jetzt nicht unbedingt Kollektionen gemacht die durch Einzigartigkeit glänzen, sie treten eher in die Fußstapfen von Oscar de la Renta, Carolina Herrera und co. Der leuchtende Stern am New Yorker Himmel ist Alexander Wang. Er hat eine großartige Entwicklung zwischen der vergangenen und der kommenden Kollektion durchgemacht, seine Entwürfe sind nicht mehr so T-Shirt-lastig, mehr Konfektion, und wie gemacht für globale Party-Chicks.

Und was gabs für die Jungs? Nette Sachen – nur wurde das Rad wurde nicht neu erfunden. Klassische Einzelteile wie Caban und Chinos die einfach nicht zu verbessern sind und jeder Garderobe eine solide Basis bieten. Wenn man die Kollektionen zusammen bastelt sieht am Ende alles aus wie vom gleichen Designer. Nicht so klassisch edel wie in Mailand, auch nicht experimentell wie die Pariser Kollektionen, eher bodenständig. Da unterscheidet sich der New Yorker nicht vom Berliner.

Trovata HW 2009

Trovata HW 2009

In den letzten zwei Absätzen habe ich Frau Wintour nicht erwähnt, obwohl ich sie sich auch in diesen Kontext hätte einbinden können. Aber zum Schluß noch eins: Anna Wintour sucht zwei neue Assistenten, da zwei ihrer drei sie verlassen haben. Jemand Lust auf den Job? Einfach bei Condé Nast bewerben.

fotos von style.com und men.style.com

 

re:view Haute Couture Paris


31.01.09

Chanel

Chanel

Die Männerschauen waren kaum vorbei und der letzte Mann ist hinterm Vorhang verschwunden kam auch schon das erste Abendkleid auf den Laufsteg. Geht ja wies Brezel backen da an der Seine. Man merkte ja vor allem nicht gleich den Übergang zum nächsten Akt im Modevarieté.

Schuld daran ist Alexis Mabille, der einzige der ein paar Jungs ins seine Kreationen hüllte. Dabei ist seine Kollektion sonst sicherlich noch zu verbessern. Es fehlte so ein bisschen der rote Faden und auch der Glamour, es ist aber auch schwer so schnell in der Meisterklasse der Mode Fuss zu fassen. Die Konkurrenz ist zwar klein aber es sind eben auch alles alte Hasen. Und alle Teilen sich einen ebenso kleinen wie elitären Kundenkreis. Es schwer reinzukommen und die treuen Kunden des einen kaufen nicht bei den anderen. Oder es sind eben Celebreties, die wiederum als Werbeflächen funktionieren und nur indirekt den Umsatz steigern können. Chanel und Dior steigern mit diesen Kollektionen den Umsatz in der Ready-to-wear und bei den Accessoires, und finanzieren gleichzeitig damit diesen Luxus. Wie Mabille seine Kollektion auf die Beine stellt würde mich schon interessieren. Ebenso Anne Valérie Hash, auch sie ist mit gerade 10 Modellen sehr überschaubar. In diesem Jahr hat sie sogar auf eine Präsentation verzichtet und nur schlecht fotografierte aber tolle Looks geliefert.

Jean Paul Gaultier

Jean Paul Gaultier

Eine Chance die für Mabille besteht wenn er sich das zunehmende straucheln von Valentino zu nutze macht und diese Kunden zu den seinen macht. Valentino hat eine weniger gute Kollektion abgeliefert, oh man. Sicherlich ist alles tolles Handwerk und meisterhaft bearbeitet, dennoch eher langweilig. Der Modekrimi des vergangenen Herbstes war wie folgt: Valentino Caravani, 40 Jahre lang Chef und Meister, trat ab und wollte sich zurückziehen, also verkaufte er seine letzten Anteile an eine Investmentfirma. Die stellten Alessandra Facchinetti (früher mal, nach Tom Ford, bei Gucci für die Damen verantwortlich) als neue Chefdesignerin ein und gaben ihr die Verantwortung. Facchinetti lieferte nicht nur tolle Kollektionen ab, auch Ihre Couture war traumhaft und sie begann es in eine neue zeitgemäße Richtung zu drücken. Nun kam der Herbst und die Umsätze in den USA brachen ein, angeblich waren ihre Entwürfe zu jung und nicht Valentino genug. Die Wirtschaftskrise, die eigentlich Schuld hatte, wurde erst später in vollem Ausmaß bekannt. Facchinetti war jedoch bereits entlassen. Nun zeichnen sich zwei ehemalige Mitarbeiter des ‘Meisters’ verantwortlich und zeigen eine Kollektion voller Referenzen. Caravani ist natürlich sehr zufrieden und voller Lob, der Marke wird dennoch nicht helfen.

 

 

re:view Paris – Herbstliche Vielfalt


27.01.09

Lanvin by Richard Haines 'What I Saw Today'

Lanvin by Richard Haines ‘What I Saw Today’

Es lebe Paris!  Ja, man kann es nicht anders sagen. Ziemlich schöne Sachen sind wieder über die Laufstege unserer Lieblingsmodestadt gelaufen. Wobei eigentlich gar nicht mal so genau zu sagen ist was denn jetzt besser war? Hmmm, meine beiden Pariser Favoriten sind Dries Van Noten und Lanvin. Ersterer erinnert mich immer sehr an Bernardo Bertolucci’s ‘Die Träumer’. Ich kanns aber gar nicht wirklich an was bestimmten festmachen, Pariser Studenten an der Sorbonne sehen in meiner Vorstellung auch immer so aus, die Rucksäcke und die Mappen unterm Arm verstärken dies noch. Mein Lieblings-Look ist eine caramelfarbener Pullover mit passendem Schal und Hose. Lanvin ist ebenfalls sehr französisch, bisschen Film Noir und Jean Gabin. Alles unheimlich schön gestylt, und wenn mans mal abspeckt und das Dekor lässt sind es tolle Teile deren Materialbeschaffenheit sicherlich (und hoffentlich) keine Wünsche offen lassen.

Dries Van Noten

Dries Van Noten

Wohlfühlen durch Material ist eh das Ding. Es geht nicht mehr nur darum, einen optischen Effekt zu erzielen. ‘Mann’ will vor allem Tragen was ‘Ihn’ gut durch Tag bringt. Gegenentwurf dazu ist dann die erste Menswear-Kollektion von Gareth Pugh. Mein folgendes Ablästern möge mir verziehen werden, aber meine Sichtweise ist nun mal wie sie ist. Also der Gareth, ja, hmmm… Nun ja, seine Frauen finde ich ja ganz gut anzuschauen, ich mag seine avangardistischen Ideen und eine Roisin Murphy ist schon stimmig in den Sachen. Schwieriger wird es wenns an Frau Minoque zu sehen, und den Vogel hat dann vollends Frau Knowles abgeschossen, da gings dann gar nicht mehr. Und die Männer? Man schaut sich diese androgynen Wesen ja gerne mal an, aber bitte aus der Ferne.

Raf Simons

Raf Simons

Ich habe mir die Kollektionen der Japaner diesmal besonders gerne angeschaut, waren sie soch mit doch ebenfalls wirklich gelungen. Comme des Garçons ist schon ganz cool, Yamamotos Maler und ‘Rabbiner’ noch ein bisschen mehr und Number (N)ine erst recht. Ich fühlte mich da sehr an heimatländische Themenwelten erinnert, von Luis Trenker bis Vilsmaier. Die Rokoko-Jacken möchte ich nicht unbedingt tragen müssen, aber die Hemden in gebrochenen Weiß sind schon ein Traum. Passend dazu macht auch Galliano einen auf Historienfilm, nicht neues eigentlich… Und gar nicht der Rede wert seine Sachen.
 

 

re:view: Milano-I ragazzi belli


22.01.09

Alessandro Dell'Acqua

Alessandro Dell’Acqua

Die Mailänder Männerschauen sind der Paukenschlag – Aufgewacht, der Modezirkus hat wieder begonnen und alle sind ganz aus dem Häuschen. Nebenbei wurde zwar auch der Neue für Amerika vereidigt, aber wenn interessiert schon Herr Obama wenn seine Frau Michelle und deren Garderobe doch viel interessanter ist? Aber nun wissen wir ja, dass sie sich für ein Ensemble von Isabel Toledo und für Kleid von Jason Wu entschieden hat. Nebenbei: Sie sah schon grossartig aus….. Aber stop! Darum geht es ja gar nicht. Um Männermode gehts, und darum wie Selbige für den kommenden Winter auszusehen hat. Übrigens: Mode ist eine Diktatur und kein Wunschkonzert. Vor ihr müssen alle die Waffen strecken.

Harte Zeiten liegen vor uns und wenn es nach dem Willen der Wirtschaftsexperten geht, dann wirds sogar sehr düster. Je härter die Zeiten – sofern wir uns mal kurz ganz depressiv und demüzig gen Himmel wenden wollen – desto mehr wird im Luxus geschwelgt. Ein kurzer Exkurs in der Modegeschichte zeigt da einige Beispiele, der ‘New Look’ ist nur eins davon.

Jil Sander

Jil Sander

Es ist zu verkünden, dass die Zeiten der armseligen Schichtlooks vorbei zu sein scheinen. Mann verkleidet sich nicht mehr als urbaner Kämpfer, sondern es wird wieder, durch eine lange nicht in dieser Form dagewesene Angezogenheit, eine klar strukturierte Kleidung gezeigt. Anzüge spielen wieder eine viel größere Rolle, dreiteilig mit Weste oder als Zweireiher. Man bezieht wieder Stellung und eine Rüstung ist da unabdingbar. Man kämpft aber eben nicht mehr auf der Straße zum Spaß, Ernsthaftigkeit kehrt nun wieder ins Berufsleben zurück. Besten Beispiel ist da die Jil Sander Kollektion, Raf Simons schickte bis auf wenige Ausnahmen nur Jacken auf den Laufsteg. Sie sind starr und geben dem Körper Form, machen in gewisser Hinsicht unverwundbar. Die dunklen Rollkragenpullover erinnern an das klassische Bild intellektueller Avantgarde.

Überhaupt waren Mäntel und Jacken die Stars der vergangene Tage. Es ist schwer da überhaupt Favoriten heraus zu stellen. Alle Labels haben sich besondere Mühe gegeben eine eigene Richtung einzuschlagen, alle wollen Begehren wecken. In meinen Augen haben Missoni und Burberry Prorsum ganz klar die Nase vorn. Christopher Baily hat für Burberry einen eigentlich klassischen Caban rot abgefüttert – ein Highlight. Meine Vorliebe für seine Entwürfe habe ich ja schon im Sommer bekundet, diesmal soll dies reichen. Missoni hingegen wird für Männer  aber immer ein bisschen unterschätzt, der Caban in beige-blauem Schattenkaro ist so unglaublich schön!

D&G

D&G

Viktor Emanuel II. und die Hof-Uniformen des Königreiches Italien standen Pate für die an Posamenten reichen Jacken bei D&G. Das Zweitlabel zu Dolce&Gabbana gestaltet sich weit Schmuckreicher als der Hauptlinie. Bisschen thealtralischer Zierat ist immer gut. Beide Kollektionen beinhalten übrigens auch Beerentöne bis hin zu knalligem Rot – wie auch Ermenegildo Zegna, wie auch Etro, wie auch… Ohne Rot geht nichts im nächsten Winter, es ist die Farbe!

Nun gilts den Sommer zu überstehen, wenns sein muss bisschen mit rumjammern und so. Ab September wird dann wieder die Mode gefeiert, und das Leben, und die Lust am Luxus! Klar werden auch Modelabels untergehen, einige werden sicherlich zum letzten Mal eine Schau zeigen.

 

 

Band of Outsiders – Die Zweite


28.11.08

Amerikanische Labels sind gerade dabei den Modemarkt umzukrempeln. Während vor ein paar Jahren der Input noch aus den skandinavischen Ländern kam, lohnt sich mittlerweile wieder der Blick über den großen Teich. Viele junge aufregende Marken suchen sich einen Platz und haben vorallem einen Markt. Zac Posen oder die Jungs von Proenza  Schouler sind sicherlich die internationalen Aushängeschilder, wirklich interessant sind aber eher Labels wie Obedient Sons and Daughters oder eben Band of Outsiders, die immer wieder auch durch Inszenierungen ihrer Mode Leben einhauchen.

Boy by Band of Outsiders, Spring 09

Boy by Band of Outsiders, Spring 09

Scott Sternberg hat wieder ein paar seiner Freunde engagiert, Max Minghella tanzt durchs Bild und zeigt, dass Mode immer auch ganz viel mit Spaß zu tun hat. Für die Frauenlinie Boy by Band of Outsiders ist Kirsten Dunst angeheuert worden.  

 

Schwül ists im Waschsalon


14.11.08

Jungs und ihre Phantasien… Es ist von Vorteil, wenn man die Möglichkeit hat – quasi ganz offiziell ohne böse Hintergedanken – das Herunterlassen von Hosen diverser Pornostars für sich zu nutzen. Wann kommt man denn sonst schon in den Genuss?

Kris van Assche, Designer zweier internationaler Kollektionen, kam auf die Idee  für die Kampagne HW 2008 die Models durch Herren zu ersetzen, die eigentlich eher für Talente ohne Hüllen bekannt sind. Nun räkeln sie sich in schwül-warmer Waschsalon Atmosphäre und stopfen Wäsche in die Maschinen. Das Ganze noch im Glanze eines verspritzten Fussbodens… und fertig, Punkt.

Egal, zurück zum Thema. Es ist schwer nicht abgelenkt zu werden. Kris van Assche hat sich also Jeff Burton ins Boot geholt. Entstanden sind Bilder, die eine andere Stimmung widerspiegeln als einer typischen Produktwerbung. Es geht um Männer. Männer die einen eigenständigen Lifestyle pflegen. Männer, die unabhängig von Frau oder Mutti fähig sind sich um alltägliches zu kümmern. So zu sehen am Ende der Fashionshow für HW 2008. Männer zogen sich aus, stopften ihre Wäsche in die Maschine und drehten eine letzte Runde im knappen Adamskostüm. Männer in Unterhosen, das Motiv für den Herbst.

Vor gut vier Jahren ist Kris van Assche aus dem Schatten eines anderen Designers hervorgetreten. Nach dem Studium an der Royal Academy of Fine Arts in Antwerpen, neben der Centrel Saint Martins eine der Schulen die regelmäßig große Talente ausspucken, assistierte er lange Zeit Hedi Slimane, erst bei YSL Rive Gauche und später für Dior Homme, um 2004 endlich das unter seinem Namen laufende Label zu gründen. Slimane prägte massgeblich den Zeitgeist nach der Jahrtausendwende, und die Rolle seiner Assistenten darf dabei nicht unterschätzt werden. Als Slimane dann Dior zugunsten eigener Projekte 2007 verlies, war es eine naheliegende Entscheidung Van Assche die Verantwortung für Dior Homme anzutragen. Er hat kein leichtes Erbe angetreten, und trotzdem hat die Kollektion sich positiv weiterentwickelt. Er ergänzte die schmale Linie durch Volumen und handwerklich perfekte Details, Elemente die in seiner eigenen Linie von Anfang an stilprägend waren und sind. Seine Kollektionen sind in vielen Elementen dem Stil von Dries van Noten und Ann Demeulemeester ähnlich.

“Light is a miraculous phenomenon I find great pleasure in”, so beschreibt Jeff Burton seine Arbeit. Auch auf diese Arbeit trifft das zweifellos zu. Die Lichtsetzung und der Winkel der Kamera lassen einen nicht in die Szene eindringen, eher als Voyeur aussen stehen und zusehen wie die Jungs ihrer ‘Arbeit’ nachgehen. Seine Arbeiten lichten immer das Leben ab. Sex ist Teil des Ganzen. Er zeigt die Objekte selten direkt, schneidet sie eher an oder lässt die Szenen durch Spiegelungen erahnen. Eigene Arbeiten und Kampagnen haben den selben Stil. Wenn man die für YSL entstandenen Bilder von Vincent Gallo betrachtet, wird man, wie bei der Arbeit für Van Assche auch, in die Rolle eines Aussenstehenden gedrängt. Es entsteht immer eine Art sexuelle Spannung an der man ganz ungeniert teilhaben darf.

Zum Schluss: Leider habe ich bisher weder Namen noch Studios, der Herren in der Kampagne in Erfahrung bringen können. Ich werde aber, ganz uneigennützig, am Ball bleiben.

 

Bunte Luftballons


13.11.08

Kauf dir einen bunten Luftballon / Und mit etwas Phantasie, / Fliegst Du in das Land der Illusion, / Und bist glücklich wie noch nie.*

Kennt eigentlich noch jemand den Eisrevuefilm bei dem, in typischer 50-er Jahre Manier, ein Mädchen von einem Bündel Luftballons hinweg gefegt wird und durch eine Traumwelt schwebt? Vielleicht stand auch Funny Face Pate? Hier wird die wunderbare Audrey Hephurn aus der Welt der Bücher in die Welt der Mode empor gezogen. In einer Aufnahme dann, als Model in Paris, steht sie vor dem Triumphbogen beim Pariser Louvre und lässt Ballons fliegen… Als Sofia Coppola den neuen Spot und die Kampagne für das Parfum Miss Dior Cherie inszenierte, hatte sie wohl eher Audrey und die großartigen Fotografien von Richard Avedon im Sinn, und weniger deutsche Heimatfilmromantik. Gleichwohl verbindet das Motiv alle drei und der Luftballon wird ein Sinnbild fürs träumerische Dahinschwinden in eine andere Welt.

Frau Coppola kennt sich mit Mädchenträumen aus, handelten ihre bisherigen Filme doch immer von den Phantasien junger Frauen. Und am Ende waren die Protagonistinnen im besten Falle einsam, im schlechtesten tot. Lux, Charlotte und Marie Antoinette könnten nach dem Parfum gerochen haben. Freesie und Popcorn in der Herznote stehen für etwas jungendliches, unschuldiges. So ist auch die ganze Kampagne aufgezogen. Rosa, ganz viel Rosa. Brigitte Bardot trällert dazu unwiederstehlich „moi, je joue” ins Mikrofon.

Am 10. November war die Premiere im amerikanischen Fernsehen, in einer Werbepause von Gossip Girl schwebte dann Maryna Linchuk zum ersten Mal über die Bildschirme. Nach Model Lily Donaldson und Model/Elvis Presley-Enkelin Riley Keough, ist die 21-jährige Weissrussin das neue Gesicht des Parfums. Eine Fernsehserie die sich, soweit ich das verstanden habe, hauptsächlich junge Frauen als Zielgruppe ausgesucht hat ist gerade perfekt. Die Upper East Side Girls sehen immer blendend aus, und hätten sicherlich als erste das Parfum im Badezimmer stehen

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft blässt Dior zum Sturm auf die örtliche Parfümerieketten, und unter nicht wenigen Weihnachtsbäumen werde hübsche Schächtelchen mit dem wohlriechenden Düftchen liegen. Frohes Fest.

“Der weiße Traum”, Regie: Géza von Gziffra

 

The Last Couple – Zeiss lässt Wenders Ruinen fotografieren


10.11.08

Amber Valletta und Willem Defoe am Set

Amber Valletta und Willem Defoe am Set

Ruinen als Kulisse für Kalenderaufnahmen sind beliebt, dokumentieren auch nebenbei und glücklicherweise einen Seinszustand und erhalten ein Stück Geschichte für die Nachwelt. Die Generationen nach uns haben eine unendliche Fülle fotografischer Zeitdokumente, und der Palast der Republik in all seinen Bau- , Bewirtschaftungs- und Abrissphasen dürfte Hallen füllen. Wim Wenders fügt nun noch ein paar Aufnahmen hinzu, er fotografierte für die Carl Zeiss AG einen limitierten Kalender für ausgewählte Kunden.

„Es ist immer traurig, wenn etwas Altes entfernt wird.”, so Amber Valletta. Sie und Willem Dafoe sind die Akteure in einem fiktiven Film. Wim Wenders fotografiert quasi das was er eigentlich hauptberuflich tut, Filme drehen. Er entspinnt eine Geschichte um das Ende der Welt, zwei Menschen, die sich inmitten der Ruinen finden und am Ende gemeinsam einen Weg aus dem ‘Elend’ finden. Nicht unbedingt die einfallsreichste Geschichte der Welt, aber auf jedenfall den vorhandenen Elementen optisch großartig umzusetzten.

„Ohne Linsen kann man ja keinen Film machen, und ich machen seit dreißig Jahren mit Zeiss-Linsen Filme. Und da hat mir die Idee gut gefallen für Zeiss einen fiktiven Film hier zu drehen.”, so Wenders über das Projekt. Jörg Nitschke von Zeiss hatte wohl vorallem eine künstlerische Umsetzung im Auge, und ganz nebenbei auch noch den Werbeeffekt einer solchen Zusammenarbeit mit eingerechnet.

Wim Wenders

Wim Wenders

Zeiss hat sich eine Starbesetzung für das Projekt „The Last Couple” ausgesucht, Vier von Weltrang treffen so zusammen. Zu Wim Wenders muss man wenig sagen, seine Filme sind international ausgezeichnete Meisterwerke (Goldene Palmen, Silberne Bären und diverse andere). ‘Der Himmel über Berlin’ ist eine Liebeserklärung an diese Stadt. Willem Defoe spielt seit Beginn der 80-er Jahre in unzähligen Filme mit, und war im letzten Jahr Mitglied der Berlinale Jury. Bei beiden ist somit der Berlin Bezug klar. Amber und Berlin sind weniger einfach zusammenzubringen, ein Bezug zum Kalender schon eher: Sie ist schön. Amber Valletta ist ein klassisches schauspielerndes Supermodel, Rehabgeschichten inklusive. Aber nichts desto trotz ist sie eine Erscheinung, die die Kulissen blass aussehen lässt. Als Model weiß sie auch, wie man sich in Abendkleidern und Pelzen (politisch unkorrekt natürlich echt, aber nichts ist langweiliger als politisch korrekt zu sein) zu bewegen hat. In ‘The Last Couple’ trägt Valletta Wunderkind, ein Label dessen Kollektionen immer ein bisschen vom Elend der Nachkriegszeit inspiriert sind. Wie geschaffen um dem Weg aus den Ruinen zu suchen. Zeiss- die Weltmarke ist sowieso ein Star.

„Ist ja auch eine Wahnsinns Gelände”, so Wim Wenders.

Die Carl Zeiss AG folgt einem berühmten Vorbild. Pirelli liefert seit 1964 einen Kalender, der heiß begehrt ist und als ein im Wert steigendes Objekt gesehen werden kann. Warum sollte das mit diesem Werk nicht auch funktionieren.

 

Die Vorstellung der Avantgarde mit Adam Kimmels Augen


05.11.08

Adam Kimmel - F/S 2009

Adam Kimmel – F/S 2009

Wenn man sich durch Adam Kimmel Kollektionen klickt, fallen unzählige Overalls auf. Das untrennbar mit der Arbeiterklasse verbundene Kleidungstück zieht sich wie ein roter Faden durch seine Kollektionen und bildet die Quintessenz seines Stils. „Ich hatte immer ein Interesse daran, dass das, was ich mache, in etwas Realem und Klassischen verwurzelt ist”, so der 29-jährige Designer, der einen Gegenentwurf zu den anderen amerikanischen Designstars des Moments, wie etwa Tom Ford oder Thom Browne, ist. Seine Mode kommt aus der intellektuellen Künstlerszene, Arbeiterkleidung wird aufgrund ihrer Robustheit zur Uniform der Avantgarde. Die Stoffe, die Drucke und vor allem die Materialien strahlen eine ungekünstelte Männlichkeit aus, alles erscheint sinnig und nützlich. Kimmel verwendet in Massen produzierbare Stoffe (Sweatshirt- und Frotteestoff) und möchte damit Werte vermitteln – Mode wird wieder Bekleidung und hat mit den Dandys von Thom und Tom rein gar nichts zu tun. Gegenkontrast bilden speziell gewebte Kaschmirstoffe, deren raue Optik beim Anfassen dann durch eine weiche Haptik überrascht. Selbst profaner Kord wird so veredelt.

Kimmel, der sein Architekturstudium zugunsten der Mode sausen lies, holt sich die Inspiration bei den Malerstars, die den amerikanischen Abstrakten Expressionismus prägten – Jackson Pollock, Willem de Kooning, Ed Ruscha. Seine über die vergangenen Jahre immer wiederkehrenden Farben scheinen direkt aus Franz Klines „c and o” gegriffen zu sein. Schwarz- und Grautöne bilden seine Basis, dazu kommt Braun, Royalblau und immer wieder Maisgelb. Selten verwendet er auch Drucke, mal Segelmotive oder, wie für den Sommer 2009, einen Hawaiihemd-inspirierten Druck.

Adam Kimmel - F/S 2009

Adam Kimmel – F/S 2009

Die anfangs aus Geldnot entstandene Idee, die Kollektion als Lookbook zu präsentieren, hat sich mittlerweile durchgesetzt und als richtig erwiesen. Die Fotografien wirken wie aus dem kommerziellen Kontext herausgelöst. Kein Wunder nun, dass der Designer zur Umsetzung dieser Werke die Paten seiner Kollektionen als Modelle gewinnen kann. Neben Ed Ruscha, Ken Price und Dean Stockwell, stand sogar Dennis Hopper vor der Kamera. Besonders bemerkenswert ist, das alle viel glaubhafter wirken, als für Kampagnen anderer Häuser verpflichtete Stars. Noch einen Schritt weiter geht Kimmel mit dem 2008 entstandenen Film „Claremont”. Patrick Rizzo und Noah Sakamoto geben sich einem unglaublichem Höllenritt hin, in babyblauen Anzügen jagen die beiden auf Longboards den Claremont Canyon in Oakland hinunter. Die Arbeit des Kameramanns (Colin Blackshear) ist wohl besonders bemerkenswert.

Adam Kimmel - F/S 2009

Adam Kimmel – F/S 2009

Adam Kimmels Mode kommt der Vorstellung eines Künstlers im modernen Sinne sehr nahe. Im Gegensatz zu Stefano Pilatis Sommerkollektion 2008 für YSL, in der ebenfalls das Sujet des verklecksten Malers Thema war (mit einem nicht zu verachtenden Resultat), wirken seine Entwürfe sehr viel authentischer. Er liefert den ungekünstelten Prototypen ab, Persönlichkeit und Lebewelt des Trägers lassen die Kleidungsstücke lebendig werden.

 

Steven Kleins erotische Phantasien


23.10.08

by Steven Klein for Arena Homme +

by Steven Klein for Arena Homme +

Affen mit Waffen – mehr fällt mir beim ersten Betrachten der Fotostrecke fast nicht ein. Na ja, beim näheren Hinschauen kommen mir noch zwei oder drei schmutzige Gedanken, aber die werden vorerst außer Acht gelassen. Steven Klein spielt mit Gegensätzen und verstärkt durch die Gegenüberstellung von Dominanz und Unterwerfung die sexuell aufgeladene Stimmung in seinen Fotografien.

Arena Homme Plus heuerte den 1961 in Rhode Island geborenen Fotografen an, um eine Strecke zu schießen, die Oscar Wildes Zitat „One’s Real Life is Often the Life That One Does Not Lead” geradezu verinnerlicht hat. Das Ausleben beziehungsweise Unterdrücken von Phantasien ist in allen Werken Kleins offensichtlich. Es wird ein selbstgewähltes Martyrium dargestellt, bei dem sich das ‘Opfer’ willig in seine Rolle zu fügen scheint. Tom of Finlands Cops kann man sich als Vorlage vorstellen, und Rammstein könnte den Sound dazu liefern. Frühere Arbeiten verdeutlichen die spannungsgeladene Erotik jedoch besser, sie wird zum Beispiel in den Serien für W subtiler transportiert. Er inszenierte Tom Ford als Puppenspieler, Brad und Angelina das Familienidyll übend und Madonna Pferde bändigend. Für letztere gestaltet er auch immer wieder Videoinstallationen passend zur Tour. Sein Portfolio beinhaltet Arbeiten für nahezu alle großen Labels und Strecken für Top Modemagazine wie eben W, diverse Vogues oder in diesem Fall zum dritten Mal Arena Homme Plus.

by Steven Klein for Arena Homme +

by Steven Klein for Arena Homme +
by Steven Klein for Arena Homme +

by Steven Klein for Arena Homme +

Für das zweimal jährliche erscheinende Magazin inszenierte er nun vier vor Testosteron strotzende Modelle, in einer an eine amerikanische Vorstadt erinnernde Szenerie. Die Modelle tragen in Ansätzen Teile aktueller Kollektionen und sowie Vintage, zum Beispiel von Helmut Lang. Hauptsächlich kommen Accessoires zum Einsatz, martialische Handschuhe, ein paar Teilchen aus dem Sexshop, Gewehre und Pistolen. In manchen Bildern haben die Jungs sogar was am Leibe…Ein Mann in Prada, Hose und Hemd dazu die außerordentlich schönen Spitzendetails, hat nur einen einzigen Fehler: Er hält einem anderen eine Waffe an den Kopf.

by Steven Klein for Arena Homme+

by Steven Klein for Arena Homme+

Es ist insgesamt eine Reihe der man ihren künstlerischen Wert nicht absprechen kann, wenn auch Details fragwürdig sind. Sie wird wie viele von Kleins Werken den Weg in die Kunstgalerien schaffen. Bis zum 15. November werden bei Camera Work in Berlin in der Austellung ‘Fashion’ auch einige seiner Werke zu sehen sein.