Ford Gets Cocky – Nacktheit als Programm

Über kurz oder lang war eine weitere Zusammenarbeit zwischen Tom Ford und Terry Richardson unausweichlich. Zwei die gerne provozieren haben sich gefunden. Richardson, der für sämtliche internationale Modemagazine arbeitet und sehr gerne seine eigenen Geschlechtsteile mit ablichtet, scheint ideal um die Fords Ideen umzusetzen.

Ja, Tom Ford schockiert gerne. Er hat überhaupt keine Probleme damit sexuelle Freizügigkeit als Motiv zu nutzen. Für Gucci rasierte er Model Carmen Kass ein ‘G’ ins Schamhaar, und auch die Kampagne für sein Parfum geizt nicht mit Reizen. Ein verschwitzter Frauenkörper, ein Flakon vorm Intimbereich – mehr scheint für ihn nicht nötig zu sein um den Verkauf eines Produkts in Gang zu bringen.

Für seine Herrenkollektion stellt er nun einen nackten Männerkörper in den Mittelpunkt. Eyes wide shut scheint als Vorlage gedient zu haben, ebenso eine bisher unbekannte Seite von Tom Ripley. Bereits für das Parfum M7 von Yyes Saint Laurent inszenierte er ein männliches Model (damals Samuel de Cubber) nackt. Anders als für die damalige Kampagne geht Ford hier noch einen Schritt weiter. Aus einer abstrakten Studioatmosphäre gelöst, macht er den Betrachter unweigerlich zum Voyeur. Die Sicht des Fotografen wird zum Blickwinkel, man wird Teil des Situation. Wer möchte nicht in dieser schönen Portofino-Ästhetik versinken? Die Strecke transportiert das Gefühl eines in vielerlei Hinsicht heißen Sommers – zu heiß um noch irgendwas am Leib behalten zu können? Das brasilianische Model Alex Schultz zeigt alles, er wurde auserkohren Mittelpunkt der Inszenierung zu sein. Frauen sind in diesem erotischen Spiel nur Staffage. Sie wirken zwar auf den ersten Blick kraftvoll und stark, werden aber schnell zu Lustobjekt oder Hausfrau degradiert. Trotz des an Helmut Newtons ‘Big Nudes’ erinnernden Stylings haben sie nicht viel von der Kraft wie sie in Newtons Bildern zu finden ist. Ein nacktes Genital ist zweifelsfrei Geschmackssache, aber durch die wenig subtile Darstellung wirkt es fast schon langweilig.

Wäre nun noch über die gezeigte Kleidung zu sprechen: Schöne Sachen, aber ohne den ganzen Zauber doch recht öde. Fords Stil ist bekannt – klassische Elemente der Herrenmode. Immer ein bisschen zu sehr Playboy, ein bisschen zu sehr Hugh Hefner. Aber wer schaut bei dieser Kampagne schon auf Nebensächlichkeiten?

Tom Ford pokert hoch und gewinnt – zuletzt den Preis ‘Menswear Designer of the Year’.

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