re:view Milano Moda Uomo / David Jarman, Power, Bauhaus
Gleich am ersten Tag der Milano Moda Uomo für den Sommer 2009 waren fünf Top-Häuser in den Kalender eingetragen. Jil Sander, Burberry Prorsum, Dolce&Gabbana, Versace und Missoni sind die Heerführer. Auch die folgenden Tage der bis Dientag andauerten Mode Woche waren prominent besetzt: insgesamt fast 50 Modehäuser, darunter Armani und Prada, zeigten ihre Vorschläge. Viele unterschiedliche Tendenzen kommen zusammen, aber am Ende lassen sich nur einige wenige Grundströmungen ausmachen. Ein kurzer Rückblick.
Melancholie in Farbe: Beige, Grau, gedecktes Gelb und an Moos erinnernde Grünschattierungen schickt Christopher Bailey für Burberry Prorsum auf den Laufsteg, und schon vom ersten Look an verliebt man sich in diese Kollektion. Inspiration holte sich der Designer bei David Jarmans Garten in Dungeness. Jarman, der sich 1991 von seiner aktivem Arbeit zurück zog um sich ganz dem Garten und dem Sterben zu widmen, machte den Garten zum Inhalt seines Sterbens. Je weniger von dem an Aids erkrankten Regisseur übrig blieb, desto mehr strahlte der Garten. Bailey nennt seine Kollektion ‘Crumpled Classics’, was auf den Vintage-Charakter vieler Teile verweist. Kleidung die danach schreit getragen und geliebt zu werden. Die Strickjacken vermitteln Behaglichkeit, die überlangen Hosen wirken unangestrengt – Über allem schwebt eine schrecklich schöne Melancholie in der man sich gerne verlieren möchte. Alessandro Dell’Acqua schien ebenfalls von den Überbleibseln einer Katastrophe inspiriert worden zu sein. Seine Modelle erinnerten an auf einer einsamen Insel Gestrandete – nah bei der Natur nur mit den Resten von Zivilisation versehen. Beide Kollektionen lassen mit Vorfreude an den nächsten Sommer denken, sie sind perfekt zu Großstadtgrau.
Systeme und Ikonen: Kreis, Dreieck, Quatrat – Drei Elemente der Geometrie verweisen auf die Strenge die Raf Simons bei Jil Sander vorgibt. Während seine erste Kollektion vor zwei Jahren noch die Geradlinigkeit von Bauhauskleidung zelebrierte, ist er nun beim Körper angekommen. Seine Jacken werden durch Jersey-Einsätze an den Körper gezogen, Reißverschlüsse verstärken dies zusätzlich. Gebrochen wird der Schnitt durch Farbe. Grell gegen gedeckt – Color blocking ist Simons Idee. Jacken und Hemden werden horizontal geteilt, leuchtendes appricot bricht das grau auf. Auch mittelblau ist stellenweise wieder zu sehen. ‘It was serene, beautiful, enchanting…but I couldn’t picture a soul in the clothes’, Tim Blanks (men.style.com) bringt es auf den Punkt. Auch Costume National setzt auf Wiedererkennungswert – Gleich der erste Look zeigt unverblümt wer Pate für die Kollektion steht, eine in die Stirn fallende blonde Strähne schreit gerade zu ‘David Bowie is in the house’. Regelmäßig wird diese zeitlose Ikone zitiert, mal mehr mal weniger subtil: Ennio Capasa will Thirty-six ideas for the futur , zeigt aber am Ende nur Altbekanntes aus der Retrokiste.
Zwei auf gleichem Weg: Mäntel drohen jeden Moment von der Schulter zu fallen, werden aber durch Gurte gehalten, überlange Poloshirts stehen kurzen, aber dafür sehr weiten, Strickteilen und Jacken gegenüber. Miuccia Prada sieht ihre Kollektion in einem Gleichgewicht von zwei Extremen – Zerbrechlichkeit und Macht. Der Mann in der Krise. Anders bei Alexander McQueen, er zeigt den über der Disco-Ära. Seine Kreationen haben fetischartigen Power, was nicht zuletzt mit den eng am Körper geschnittenen Silhouetten zu tun hat. Beide Kollektionen verbindet die Liebe zu den Schnitten. Am Ende bereichern perfekt sitzende Hosen und formschöne Mäntel und Jacken den Kleiderschrank.
Was am Ende alle Kollektionen vereint sind perfekte Schnitte und eine wohltuende Angezogenheit.














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