Bonnie ´Prince` Billy – The World´s Greatest

Johnny Cash hat’s gezeigt. Und Cat Power auch. Cover-Versionen können weit mehr als banale Kopien sein. Die beiden genannten Künstler und viele andere haben mit ihren Fassungen so manch vergessenem Lied wieder Blut in die Venen gepumpt. Sie gar neu erfunden. Covern ist allerdings nicht per se Kunst; zu viele schlechte Beispiele legen dafür Zeugnis ab. Aber, covern kann Kunstform sein. Und Cover können mächtig überraschen. Eine der größeren Überraschungen im Feld der Re-Interpretation ist Bonnie ‚Prince’ Billy gelungen. Schon vor einer Weile. Der Songwriter, der auch Will Oldham heißt, ist ein interessantes Wagnis eingegangen. Er hat sich eine Vorlage von Mister Schmusekommerz R. Kelly genommen, dem R&B-Song seinen Macho-Mantel ausgezogen und ihn mit einem Holzfällerhemd bedeckt: The World’s Greatest. Warum er ausgerechnet das Lied gewählt hat? Wahrscheinlich hat Mr. Billy die Schönheit gesehen durch den Vorhang des Gehabes. Den Vorhang, den sich nicht viele andere Künstler getraut hätten, zu öffnen.

Das Kelly’sche Original „The World’s Greatest“, Teil des Soundtracks zum Film ‘Ali, ist textlicher Größenwahn. Er, der Größte, ist ein Riese, ein Löwe, ein Adler. Er, der Größte ist ein Berg, ein hoher Baum, ein Windsturm und eine Vision. Und er ist vieles mehr. R. Kelly eröffnet selbstbewusst mit „yeah, uh, hu“. Bonnie Prince Billy lässt das „yeah, uh, hu“ am Anfang weg. Ansonsten macht er nichts anderes. Auch er ist der Löwe, der Adler. Auch ist er der Berg und die Vision. Und obwohl der Text unberührt bleibt, wird das Lied unter Bonnie ‘Prince’ Billy zu seiner eigenen Antithese. Es ist leise und unaufdringlich. Es ist liebenswert scheu. Und es erlangt durch die ruhige Kombination aus Gesang und Gitarre eine Tiefe, die man dem Lied nie zugetraut hätte.

„The World’s Greatest“ ist auf dem Album „Ask Forgiveness“ erschienen. Man könnte meinen, Bonnie Prince Billy hätte sich bei dem Lied entschuldigen wollen. Bonnie ‚Prince’ Billy aka Will Oldham hat übrigens auch die Werke anderer Künstler gecovert und Hits von Mega-Stars re-interpretiert. Die Referenzen reichen von Leonhard Cohen bis Mariah Carey. Aber auch seine Lieder wurden ‚bedeckt’, unter anderem von dem anfangs erwähnten Johnny Cash. Der hat Will Oldhams “I See a Darkness” auf dem Album American III verewigt. Auch ein ziemlich guter Cover-Job.

Das aktuelle Album Bonnie ‚Prince’ Billys heißt „Lie Down In The Light“ und wurde am 17. Mai veröffentlicht. Live zu sehen am 2. Juli im Schillertheater in Berlin, am 3. Juli in der Fabrik in Hamburg und am 4. Juli in den Saalgärten in Rudolstadt.

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