Design als Idee des Weglassens

Design an Papier
Design an Papier

Mirko Borsche ist einer von denen, die während eines Interviews Kaugummi kauen, auch mal moderate Flüche benutzen, um Designsünden anzuprangern, und auf Nachfrage die klassische Coca-Cola-Dose aus den 80ern besser finden als den überladenen Nachfolger der Gegenwart. Ihm glaubt man also gerne, dass er Design für eine Welt entwirft, in der wir auch tatsächlich leben. Wer braucht schon monumental riesige Blumenvasen, in die nur eine Blume passt?
Kreativität am Produkt oder auch die Idee für eine Kampagne können deswegen so originell sein, weil sie sich einem strengen Diktat unterwerfen: der Funktionalität. So sagt Borsche in einem Interview der Lead Academy: „Grafikdesign ist die Idee des Weglassens. Die Idee der schnellen Information. Und die muss man immer wieder infrage stellen: Bin ich schnell genug oder … bin ich mittlerweile so langsam durch so viele Elemente, dass das keiner mehr versteht.” Dies lässt sich auf die mannigfachsten Produkte übertragen, sei es das Cover eines Magazins, eine Papiertüte oder ein Antragsformular auf dem Amt.

Als Grafikdesigner muss man seiner Meinung nach einen Verstand für das Produkt besitzen, immer im Hinterkopf haben, was man denn eigentlich an wen verkaufen möchte, und in welches Kommunikationsmedium es sich ideal verpacken lässt. In seinem Büro in München entwickelt er Konzepte, die auch jene Aspekte berücksichtigen, welche über das Feld des Designs hinausgehen. So entstehen im Bureau Mirko Borsche manchmal Werbespots und manchmal kleine Filme, Werbeanzeigen oder Fotostrecken. Und obgleich er mittlerweile als einer der „profiliertesten Gestalter in der deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenlandschaft” gepriesen wird und mit zahlreichen Preisen (z.B. 2007 als Visual Leader des Jahres) geehrt wurde, steht auch im persönlichen Arbeiten Funktionalität über Eitelkeit. Wenn es das Produkt verlangt, wird ein Netzwerk aktiviert, das über die einzelnen Gattungen von Design hinausgeht.

Auftragsarbeit für Inkcorporated GmbH & Co. KG
Auftragsarbeit für Inkcorporated GmbH & Co. KG

In seiner Arbeit versucht Borsche, Kategorien zu sprengen und alternative Möglichkeiten zu erwägen. Dabei schielt er eben nicht auf den Markt oder die letzte Studie. Auf welt online konstatiert er: „Ich muss auch nicht nach New York, London oder Tokio, um mich inspirieren zu lassen – wer so was sagt, weiß oft nicht, wo der Zigarettenautomat in seiner Straße steht und warum der Libanese an der Ecke sich jeden Tag mit seiner Frau streitet. Genau die sind aber deine Kunden! Das sind die Leute, die deine Sachen konsumieren. Eine Idee ist sowieso nur gut, wenn man sie schnell versteht.”

Mirko Borsche/Stefan Diez Art Direktion Magazin
Mirko Borsche/Stefan Diez Art Direktion Magazin

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