Das ganz alltägliche Grauen

© Asger Carlsen
© Asger Carlsen

Dänemark. Idylle pur. Kleeblätter, auf denen Marienkäfer sitzen, satte Kühe und überall freundliche Menschen, die Lakritze essen. Das Bild der Europäer von diesem kleinen Land mag einseitig sein, ist aber zumeist sehr positiv. Kunst und Kultur werden nur am Rande wahrgenommen, wenngleich vor allem einige Expressionisten im 20. Jahrhundert zu Ansehen kamen. In den USA glauben die Menschen wahrscheinlich, Dänemark sei die Hauptstadt von Schweden. Wie kommt es also, dass sich ein dänischer Fotograf aufmacht, um in Amerika Bilder zu machen?

Asger Carlsen gilt, neben gelegentlichen Arbeiten als Modefotograf, vor allem als Dokumentarist in seiner Zunft. Jedoch einer, dessen Herangehensweise vor allem die kleinen, alltäglichen Momente einfängt, die manchmal einfach so passieren, selten einen größeren Sinn verfolgen und manchmal auch peinlich sind. Wenngleich sie eigentlich vollständig normal sind, werden sie doch… von einer komischen Verzerrung dessen, was jetzt eigentlich passieren müsste, überschattet. Drei Männer krabbeln plötzlich über eine Mauer – ohne erkennbaren Grund. Ein Mann fasst einer Frau verschmitzt an den Busen. Doch nichts Sexuelles springt über. Er wirkt vielmehr wie ein Kind, das das auch mal anfassen möchte.

© Asger Carlsen
© Asger Carlsen

Und so werden aus scheinbar im Vorbeigehen erfassten Momentaufnahmen Fotografien mit Schockeffekt, die es ferner vermögen, eine Geschichte über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der fotografierten Personen zu erzählen. Aus der Normalität des Portraitierten wird ein Beweis für Kultur und Geschichte im Allgemeinen.

Bei einer Reise durch fünf US-amerikanische Staaten im Jahr 2002 entstand der Bilderreigen „Detour”, in der das Wesen amerikanischer Kultur sich in eben solchen normalen Alltagssituation trefflich zu erkennen gibt. Die Fotografien wirken sehr statisch und dadurch zugleich unheimlich. Asger Carlsen lebt selbst seit 2007 in den USA und blickt wohl mit dem naiven Blick eines Dänen auf das immer wieder unfassliche Amerika. Denn sogar die durchschnittlichsten Zustände erscheinen in seiner Arbeit immer wieder wie Beweise des Grauens.

Asger Carlsen begann 1991 seine Karriere als Straßenfotograf in Kopenhagen, Ende der 90er arbeitete er als Freelancer in San Fransisco. Er erhielt neben vielen anderen Auszeichnungen 2003 den Preis für jungen Bildjournalismus und 2007 den Merit Award.

© Asger Carlsen
© Asger Carlsen

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

Kommentare zu diesem Beitrag


hey, ich verlink euch heute später noch. den guten asger hatten wir auch schon: http://knicken.blogspot.com/20.....untry.html

von Tessa am 15.08.08