Daily Life in Belarus
Wer bist du, Belarus? Das fragte sich der Boston Globe und veröffentlichte auf seiner Website eine Fotostrecke, die zwar keine Antwort geben kann, aber Einblicke. Belarus, im deutschen Sprachraum Weißrussland und im Ex-DDR-Sprachgebrauch Belorußland genannt, liegt im Herzen Osteuropas. Es grenzt an Polen, die Ukraine, Russland, Lettland und Litauen und wird von einem Mann regiert, der sich – diplomatisch gesagt – mit unlauteren Methoden seit 14 Jahren an der Macht hält. Sein Name: Alexandr Grigorjewitsch Lukaschenko. Der hat 2004 mal eben die Verfassung zu seinen Wiederwahl-Gunsten ändern lassen und sitzt bis 2011 gemütlich in Minsk, der Hauptstadt seiner Republik. Belarus aka Weißrussland ist aber weit mehr als sein kontroverses Staatsoberhaupt. Es ist ein Land, das 10 Millionen Köpfe zählt, 10 Millionen Geschichten erzählen kann. Boston.com hat sich 19 Geschichten rausgesucht. 19 aus 10.000.000.
Das reicht, um dem Land ein paar Gesichter geben zu können. Es reicht auch, sich einen Eindruck über die Zustände vermitteln zu lassen, die in der „letzten Diktatur Europas” herrschen. Da hält ein Polizist seine Hand vor die Kamera eines Fotografen, nur kurz nach einem Anschlag auf ein Konzert in Minsk. Terrorismus, tick! Wir sehen eine Parade stolzer Soldaten, fast kann man den Marsch hören, zu dem sie ihre Gewehre anlegen. Im Gleichschritt, Marsch, tick!
Wir werden Zeuge des harten Trainings künftiger Elite-Einheiten des Landes. Militär, tick! Und dann sind da noch die gläubigen Olympia-Athletinnen, die in der Kirche eine Kerze anzünden. Religion und Sport, tick! Doch neben diesen eher offiziellen Einblicken in das Land Belarus sehen wir auch hinter die Fassade und fühlen mit, wie sehnsuchtsvoll die alte Frau auf der litauischen Seite des Dorfes Norviliskes durch einen Zaun zu ihren belarussischen Verwandten spricht.
Ein junger Grenz-Soldat sitzt da wie der Marlboro-Mann auf seinem Motorrad und beherrscht teilnahmslos diesen Moment eines familiären Dramas. Wir dürfen aber auch dabei sein, als Bauer Eugene Yanovich sein Pferd von den Kartoffeln wegzieht, die seine Frau Yanina, am Boden hockend, in große Körbe abpackt. Belarus, fast ein Nachbar – und doch irgendwie ein fremdes Land.













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