Alles ist erleuchtet

Björk
Björk
Man meint Björk habe vergessen, dass sie vor Tausenden von Menschen im legendären Hammersmith in London steht. Seelenrein wiegt sie sich im Takt zu “The Dull Flame of Desire”, versinkt immer tiefer und tiefer im Zweisang mit dem gegenüber ihr riesig und schwerfällig wirkenden Mann mit dem glasklaren immer wieder ins vibrante Sopran fallenden Stimmfluss. Um die beiden herum bildet sich ein sonares Vakuum, immer weiter fallen zwei Menschen in den tranceähnlichen Zustand, das Wiegen im Takt im Gleichklang. Nach knapp sieben Minuten bleiben Gänsehaut, eine mit 42 Jahren kindlicher denn je wirkende Björk, die dem großen Mann, es ist Antony von Antony & The Johnsons um den Hals fällt zurück. Man spürt fast seine Zufriedenheit, man spürt das was hier passiert ist etwas ganz Großes. Björk veröffentlich am 29.09. mit „Dull Flame of Desire“ einen weiteren Epos ihres Volta Albums, eines der beiden Duette mit dem New Yorker Antony Hegarty. Doch nicht dass sie wieder einmal (nach u.a. Thom Yorke, PJ Harvey oder Catherine Deneuve), einen würdigen Partner gefunden hat, macht das Lied speziell, es ist wieder mal eine eine Hyperballade, um eine Wortkreation zu einem ihrer grössten Hits zu bemühen.

Oder gar eine Ode im ursprünglichsten Sinn, irgendwo gesungen in unterirdischen Höhlen in einer von Björks Fabelwelten, oder vorgetragen am shakespearischen Balkon des Liebsten. Vielleicht sogar ein Mantra für die Liebe. Oder einfach “nur” ein Gedicht aus dem Tarkovsky Film “Stalker”. Doch heisst „dull“ nicht auch „trübe“?

Keine Björk Single jedoch ohne das fast schon obligatorisch atemberaubende, bis zur Schmerzgrenze artistische Video. Bei den MTV Awards`08 ist sie mit „All Is Full Of Love“ nominiert für das beste Video aller Zeiten, das in diesem Jahr erschienene „Wanderlust“ war eine psychedelische Knetgummireise in ein spirituelles Drachenland (wo man sich anscheinend gerne mal an Kochrezepten mit Magic Mushrooms versucht, so zumindestens die Regisseure zu ihrer Inspirationsquelle).
Sei es nun ob die Pilze alle waren oder nicht, wie schon so oft und auch um ihrer Rolle als kleine (körperlich – nur!) Jugendförderin gerecht zu werden, rief Björk im letzten Jahr zum Wettbewerb auf das Video zu „Innocence“ zu kreieren. „Innocence“ wurde schlussendlich nur digital veröffentlicht, doch die drei Auserwählten der fast 500 Entries sind nun aufgerufen „The Dull Flame of Desire“ visuelles Leben einzuhauchen. Hierzu performten Björk und Antony vor Bluescreen den Song, die Tapes wurden verschickt. Man darf gespannt sein welche kleinen Wunderwerke Fred & Annabelle (#1), Roland Matusek (#2) und M&JP (#3) hervorbringen werden. Unten noch mal die Performance von Björk und Antony in Hammersmith und das Siegervideo vom letzten Jahr zu Innocence.


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