Camera Obscura – Indie-Pop aus Glasgow

© Camera Obscura
© Camera Obscura

Zugegeben, sie sind nicht einzigartig. Ihren Namen teilen sie sich mit einer südkalifornischen Hard-Core Band. Auch ihre Musik klingt nicht gerade wie „The Next Big Thing”, sondern eher wie die jüngere Schwester von Belle&Sebastian. Aber gerade der Fakt, dass Camera Obscura nicht Schottlands neuester, heißester Indie-Export sind, macht sie besonders. Immerhin formatiert sich die Band nun schon seit nunmehr zwölf Jahren unter diesem Namen und musikalischen Konzept. Alles begann 1996 in Glasgow, als Sängerin Traycanne, Bassist Gavin und das damalige Bandmitglied John Henderson anfingen, sich im Keller von Gavins Eltern zum Songschreiben und Proben zu treffen. Die musikalische Nähe zu Belle&Sebastian ist nicht rein zufällig. Nicht nur stammen beide Bands aus Schottland, auch haben diverse Bandmitglieder von Belle&Sebastian Camera Obscura in der Vergangenheit unterstützt.

Die Musik der Band beschreibt sich am besten als Indie-Pop. Sie vereint Einflüsse aus Folk, Country und Pop. Es ist klangvolle, melodische Musik, einfühlsam und schön, ohne kitschig zu sein. Neben der Standardausrüstung verwendet die Band immer wieder Instrumente wie Mandoline, Mundharmonika oder Trompete. Dies verleiht ihren Songs eine Fülle, vervollständigt von Sängerin Traycannes warmer Stimme.

Entdeckt wurde die Band vom BBC Radio 1 DJ John Peel, der sie bei der Veröffentlichung ihres ersten Albums „Biggest Bluest Hi-Fi” unterstützte. John Peel war auch derjenige, der die Band ermutigte die Werke des schottischen Dichters Robert Burns zu vertonen. Nach anfänglicher Skepsis gefiel der Band das Projekt so gut, dass sie gleich zwei Songs daraus machten, „Red, red rose” und „I love my Jean”. Letzteren widmeten sie später John Peel, der ein Jahr nach den Aufnahmen verstarb.

Nicht nur bei der Musik von Camera Obscura, auch bei den Texten lohnt sich das Hinhören. Beides stammt zumeist aus der Feder von Allround-Talent Traycanne. Die Texte sind zum Teil eine Reise durch die Geschichte ihrer Lieblingskünstler, von den Supremes, Lloyd Cole, Connie Francis, Jimmy Webb, Skeeter Davies bis hin zu den düsteren Soundtracks von David Lynch.

Aber auch Erlebnisse und Emotionen der Band werden in ihnen verarbeitet. So beschreibt der gleichnamige Song zum neuesten Album „Let’s get out of this country” einen Gefühlszustand, das frustrierende Gefühl das alles stillsteht, obwohl alles, was man will, ist, dass sich etwas verändert. Ein Zustand wie die Band ihn nach dem Tod ihres Unterstützers John Peel und nach Verlassen der Band von Gründungsmitglied John Henderson erlebte. „Der Song ist eine Aufforderung selbst etwas zu verändern”, sagt Traycanne, „Wenn du unglücklich bist, bist du selbst die einzige Person, die etwas daran ändern kann.”

Der Name des Albums „Let’s get out of this country” ist daher nicht wörtlich zu verstehen. Die Band liebt ihre Heimat Schottland und besonders ihr Zuhause Glasgow. Dass so viele gute Bands von dort stammen, liege am Wetter, erklärt Carey Lander. „Alle diese Orte mit schlechtem Wetter scheinen die Leute zu ermutigen, loszuziehen und Bands zu gründen. Schließlich gibt es sonst nicht viel, was man tun kann.”

Das Land haben sie letztlich doch verlassen. Jedenfalls für eine Weile. Die Aufnahmen für ihr neues Album entstanden in Stockholm. Dort arbeiteten sie mit verschiedenen Künstlern und Produzenten der schwedischen Musikszene zusammen. Dieser Einfluss mag letztlich die Entwicklung ihrer Musik gebracht haben, die sie sich so gewünscht hatten.

„Let’s get out of this country” ist ihr bisher bestes Album. Es klingt als sei ihre Musik nunmehr ausgereift, als habe die Band ihren Platz gefunden. Letztendlich haben Camera Obscura vermutlich gar nicht den Anspruch einzigartig zu sein. Sie wollen einfach nur gute Musik machen. Und diesem Anspruch werden sie voll und ganz gerecht.

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

Kommentare zu diesem Beitrag