Philippe Ramette – Blowing up the borders in your mind
Der in Paris lebende und arbeitende französische Künstler Philippe Ramette überzeugt und überrascht seit dem Beginn der 90er Jahre mit seinen außergewöhnlichen Werken. Ramette, der sich selbst eher als Bildhauer definiert, bereichert die Kunstwelt aber mit Arbeiten, die sich zwischen Design, Performance, Fotografie und Interieur bewegen. Dabei nutzt er die unterschiedlichsten Medien.
Wie die Surrealisten des frühen 20. Jahrhunderts zieht Ramette seine kreative Inspiration aus seinen Träumen. Diese Quelle künstlerischen Schaffens drückt sich vor allem in seinen Fotografien aus. Hierbei bedient er sich nicht offensichtlich surrealistischen Merkmalen, wie zum Beispiel Salvador Dali mit seinen schmelzenden Uhren oder seinen auf dürren Stelzenbeinen laufenden Elefanten. Nein, Ramettes Fotografien haben etwas offen zugängliches und zugleich hermetisches. Fotografien wie „Rational Exploration of the Undersea: The map”, 2006 oder „Rational ascent”, 2003, haben etwas spielerisch Leichtes. Es sieht aus als sei es das Normalste auf der ganzen Welt, gar kinderleicht, dass ein Mann unter Wasser spazieren geht oder waagerecht an einer Felsenschlucht schwebt. Damit haben Ramettes Kreationen etwas kafkaeskes. Dem Rezipient, dem Publikum wird, wie bei Kafkas „Auf der Galerie”, eine perfekt einstudierte, reibungslose und mühelose Show dargeboten. Die subtile Wirklichkeit zeichnet sich allerdings durch ein riskantes und morbides Spiel mit der Gefahr aus. Die jeweilige Show ist gezeichnet durch Mühe, Kraftaufwand, Anstrengung und Schmerz. Ramette geht immer an die Grenzen seiner körperlichen Möglichkeiten und arbeitet oft gegen physikalische Gesetze, wie die Schwerkraft.
Wichtig hierbei ist das Wissen, dass all diese Posen ohne metallartige Prothesen überhaupt nicht möglich wären. Instrumente, die physisch unmögliche Erfahrungen ermöglichen. Prothesen, die den Körper konditionieren. Prothesen, die einerseits Folterinstrument, andererseits Hilfsmittel sind. Prothesen, die an die Todesmaschine aus Kafkas „In der Strafkolonie” erinnern. Eine Maschine, die dem Verurteilten stundenlang einen Schriftzug in den Rücken ritzt. So oft, bis der Todgeweihte jämmerlich verreckt. Gerechtfertigt mit der These, dass über das Einritzen einer moralischen Botschaft in den Körper, eine Konditionierung des Bewusstseins im Sinne des Systems, erfolgt.
Wie bei Kafka soll auch bei Ramette durch eine ungewöhnliche körperliche Erfahrung eine Erweiterung des Bewusstseins erfolgen. Wie auch die Surrealisten will Ramette geltende Werte umstürzen – eine Art performative Subjektkonstitution vollziehen. Er untersucht, in welcher Beziehung ungewöhnliche Objekte und Posen zum Körper stehen und welchen Einfluss sie auf das Subjekt haben. Objekte wie die „Isolation Box”, eine Holzschachtel in der man seinen Kopf einschließen kann ( um sich selbst zu isolieren), haben also einen bestimmten Nutzen in Bezug auf die Untersuchung der Veränderung des Bewusstseins. Sie sollen in verspielter Weise unsere moralische Einstellung und unser spirituelles Sein sensibilisieren und befreien.
Ramette: „Generally it`s not the object that`s important, it`s the idea of a possible future use and especially what that use is going to entail in terms of transformation.”
Seine Kunst wird immer mit einer lakonischen Finte dargeboten. Immer mit der gehörigen Portion kafkaesker Ironie. So betitelt Ramette die Bilder seiner Unterwasserserie mit ihren irrationalen Posen widersprüchlich als „Rationale Erforschung der Unterwasserwelt”. Forschung ohne Forschungsmaterialien wie einer Tauchausrüstung. Dandylike inszeniert im Anzug. Nonchalante, komische Situationen, die ihren Ursprung in menschlichen Grenzerfahrungen und Ängsten finden.













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