Der Krater des James Turrell
Der amerikanische Künstler James Turrell ist eine Koriphäe wenn es um Licht und Raum geht. Ehrfürchtig wird er “Bildhauer des Lichts” genannt, seine Arbeiten waren in allen großen Museen dieser Welt zu sehen. Oder viel besser gesagt: wahrzunehmen. Denn genau dieser Aspekt ist es, der das Werk Turrells ausmacht: die Wahrnehmung. Mit den Mitteln des Lichts erzeugt der Künstler bewusstseinsverändernde Wahrnehmungsprozesse. Ganz legal, ohne chemische Zusatzstoffe! Dafür wird er von Kennern seines Werks verehrt wie ein Guru. Und letztlich ist er auch einer. Turrells Religion ist das Licht – wie ein Pfarrer verbreitet er dessen Lehre. Seit fast 3 Jahrzehnten arbeitet er an seinem wohl größten Lichtwerk überhaupt: dem Roden Crater. Einem erloschenen Vulkan mitten im staubigen Nirgendwo Arizonas. Der Roden Crater ist das größenwahnsinnigste und teuerste Kunstprojekt unserer Zeit. Vor 30 Jahren hat Turrell diesen 3 Kilometer langen inaktiven Vulkan während eines Fluges über die Wüste entdeckt und eine Vision gehabt: aus der einstigen Schmiede des Feuers einen Ort des Lichts zu machen. Einen Tempel der Wahrnehmung vielmehr. An dieser Vision arbeitet der studierte Mathematiker, Psychologe und Kunsthistoriker seit jeher. Sein Bart ist über die Jahre weiß geworden. Ihr seht schon, der Mann macht keine halben Sachen. Etliche Tonnen Erde hat er aus dem Vulkan abgetragen, in die unterirdischen Aushöhlungen “skyspaces” gebaut. Räume mit einem Sehschlitz zum Himmel sind entstanden, Zimmer mit Aussicht sozusagen. Hier soll das Sonnen-, Mond- und Sternenlicht erlebbar gemacht werden. 24 Stunden am Tag, jetzt und für alle Zeit. Zu den Räumen führt ein 350m langer Tunnel, der aussieht wie die architektonische Nachahmung der berühmten Todeserfahrung.
Das Licht als Offenbarung, darum soll es hier gehen, sagt Turrell: “We generally use it (the light) to illuminate other things. But I wanted to force people to pay attention to the thingness and revelation of light. This is a place that will do that.” 2012 wird der Roden Crater seine Pforten für die Lichtjunkies dieser Welt öffnen. Bis dahin werden wir vermutlich noch so einige hunderttausende Male den Lichtschalter an- und ausknipsen.













Kommentare zu diesem Beitrag
großartig, da muß ich auf jeden Fall hin…
von steph am 3.12.08