An Assembled City — Dionisio González
Favelas heissen die besonders in Randlagen der großen Städte Brasiliens liegenden Armenviertel. Sie werden oft als „Stadt in der Stadt“ bezeichnet; sie sind weitgehend unabhängig von der offiziellen Stadtverwaltung organisiert, oft unter der Leitung des Anführers des dortigen Drogenkartells. Vergleichbare informelle Siedlungen findet man auch in den meisten anderen Entwicklungsländern. Es ist begrifflich nicht ganz richtig, Favelas als Slums zu bezeichnen, da sie nicht durch den Verfall städtischer Zonen, sondern durch unregulierte Besiedlung entstehen. Für Rio de Janeiro gibt es Schätzungen, die aussagen das ca. 30 Prozent der Bevölkerung in Favelas leben. Folgende gemeinnützige Projekte und Initiativen setzten sich bisher für die Legalisierung und Integration der Viertel in die urbanen Infrastrukturen der brasilianischen Städte ein: Favela-Bairro, Celula Urbana, Viva Favela um nur einige zu nennen. An Assembled City von Dionisio González setzt sich intensiv mit der Architektur und Sozialkultur der Favelas von São Paulo auseinander.
In seinen Fotoarbeiten beschäftigt sich Dionisio González mit den Favelas der Brasilianischen Metropole São Paulo. Die eigene Raumidentität dieser Gebiete ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass die Bewohner der Behausungen gleichzeitig die Erbauer sind. Es gibt keine Baupläne von unabhängigen Architekten, es geht in erster Linie darum, mit vorhandenen Materialien eine Abschirmung von der Außenwelt zu schaffen. Die labyrinthartigen und improvisierten Strukturen der Favelas sind ständig in Bewegung; sie wachsen und verwandeln sich immer weiter. Diese Bewegung greift Dionisio González in seinen Arbeiten auf. Am Computer fügt er in seine Fotografien neue Gebäudestrukturen ein, die er in einem aufwendigen Prozess eigens für das jeweilige Motiv kreiert. Dionisio González versucht mit konstruktiven Alternativen die bereits vorhandenen Strukturen nach den Bedürfnissen der Bewohner weiterzuführen und zu verbessern. Der Künstler befindet sich im Austausch mit den Bürgermeistereien der Favelas rings um São Paulo, um Wege zu finden, die eine oder andere von ihm entworfene Gebäudestruktur tatsächlich in die Tat um zu setzen. Diese Gebäude sind als soziale Zentren gedacht.

















Kommentare zu diesem Beitrag
Ich liebe diesen Künstler schon seit Jahren! Großartige Photographien, trotz und gerade wegen Photoshop.
von maria am 28.10.09Seine Entwürfe für tatsächliche Bauvorhaben sind grandios!