J. Stalin – Modeikone der anderen Art

Kollektionen entstehen an Pinnwänden – Geschichten in der Mode beginnen immer mit Stofffetzen, Biografien, Filmen, Illustrationen und vorallem mit Fotos. Designer und Assistenten hängen wahllos alles was ihre Gedanken beflügelt auf, manches wird verworfen und anderes kommt hinzu. Am Ende entsteht ein neuer Fokus, die Versatzstücke ergeben eine neue Sichtweise.

Eines dieser Bilder könnte einen jungen Mann zeigen. Jacke mit fallenden Revers, der gestreifte Schal in den Kragen gelegt und das Haar lässig aus dem Gesicht gestreift. Irgendwo in einen Atelier würde ein Designteam vor eben dieser Fotografie eines 25-Jährigen stehen und der Phantasie würden Flügel wachsen. Sie würden beginnen eine Geschichte zu erfinden. Zuerst das alltägliche Leben: Wo lebt er, und wie? Wie sind seine alltäglichen Gewohnheiten? Und wenn all dies geklärt ist, die wichtigste Frage: Was bewegt ihn als Kind seiner Zeit? Diese Fragen würden das Abbild eines Menschen entstehen lassen – Und am Ende eine neue Kollektion. Eine Saison lang wäre dies der propagierte Look.

Mode wird auf der Straße geboren, zumindest wenn man den Trendexperten und ihren Expertisen glauben schenken darf. Eines morgens wäre ein junger Mann aufgewacht, hätte eine Jacke übergeworfen und einen Schal auf die Schnelle unters Revers gelegt, noch mit der Hand durch die Haare und raus ins wilde Leben der Grossstadt. Wäre ihm auf seinem Weg Scott Schuman oder Yvan Rodic begegnet, hätte er sein Bild auf einem Blog wiederfinden können. Das Bild hätte inspiriert und eventuell wäre es neben dem schon erwähnten an der Wand wiederzufinden.

Aber was wenn das Gezeigte eigentlich gar nicht politisch korrekt ist – Wenn der Look zwar großartig erscheint, aber die dahinterstehenden Ideologien alles andere als groß und artig sind? Eines ist auf jedenfall klar: Josef Stalin wirkt unglaublich modern auf der Fotografie von 1902.

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Kommentare zu diesem Beitrag


Hallo Rainer,

schön, dass dir die Artikel gefallen. Das Lob geben wir natürlich an Herrn Schaller weiter.

Liebe Grüße

von Redaktion am 28.07.08

ich habe mit mode beruflich nichts am hut – oder nur sehr wenig. deine artikel sind für mich sehr informativ und unterhaltsam.

von rainer am 26.07.08