Patrick Brown – It’s a jungle out there

Es ist heiß. Unglaublich heiß. Und als ich vorm Hilton Hotel in Bangkok endlich aus dem Taxi stolpere, mache ich wohl keinen besonders adretten Eindruck mit meinem Tramperrucksack und meinem vor langer Zeit aus der Form gelaufenen T-Shirt. Patrick Brown hingegen bringt einen kühlen Schwung mit, nimmt mir ganz gentlemenlike mein Gepäck ab, und wir schreiten durch die Hallen des Hiltons, vorbei an reichen Leuten und Hotelangestellten. Das ist der Schleichweg zu seiner Wohnung, die direkt über den Fluss Chao Praya blickt. Vor Patricks Tür liegt außerdem einer dieser kunterbunten Thai-Märkte, auf denen man von Essen über falsche Fingernägel bis hin zu Miniröcken einfach alles kaufen kann.

Patrick ist Fotograf, arbeitet hauptsächlich in Krisengebieten, nebenher übernimmt er aber auch nicht ganz so gefährliche Aufträge, wie kürzlich für die Neon. In seinem Apartment rattern fünf Ventilatoren, im Hintergrund läuft CNN. Wir trinken Pims No. 1 mit Ginger Ale. Patrick lebt bereits seit acht Jahren in Bangkok, da er von hier aus alle wesentlichen Gebiete in Asien am besten erreichen kann. Morgen reist er nach Burma. Ich will ihm gar keine investigativen Fragen a lá „Wie bist Du also zum Fotojournalismus gekommen?“ stellen, wir gehen stattdessen gemeinsam in die Apotheke, und er kauft Medikamente und Verbandsmaterial. Mit seinem irischen Pass hat er als einer der ersten überhaupt Zutritt zum Katastrophengebiet in Burma, und er weiß genau, dass es vor Ort nichts gibt.

© Patrick Brown
© Patrick Brown

Später schauen wir eine Auswahl seiner Bilder an. Sie zeigen seine Faszination des asiatischen Jungles und der Ereignisse, die hier stattfinden. So hat er beispielsweise dem Handel mit bedrohten Arten viel Aufmerksamkeit geschenkt. Sein Stil wird als eine Kombination aus Beobachtung und abwartender Haltung beschrieben, die dem Objekt niemals etwas aufzwängen will. So braucht es manchmal nur einen Moment und manchmal eine halbe Ewigkeit, bis das richtige Bild im Kasten ist.

Selbst mit meiner albernen Touristiendigitalkamera fotografiert er mich, während ich eine Marlboro Light rauche. Ich beobachte ihn kindlich entzückt und kann mir kaum vorstellen, dass er schon morgen in einem vom Sturm überrollten Burma ganz andere Bilder schießen wird.

Patrick Brown’s Fotografien erschienen bereits in Time, Der Spiegel, Independent, The Observer sowie vielen anderen Magazinen und Zeitungen weltweit. Außerdem erhielt er zahlreiche Preise, zum Beispiel 2005 den World Press Photo Award.

© Patrick Brown
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