Die Poesie steckt im Detail. Night Watch in London.
Aus Schatten werden dunkle Männer, das Muster der Rauhfasertapete ergibt plötzlich einen schauerlichen Sinn, und unterm Bett lauern Monster. Die kindliche Gedankenwelt darf sich solch unheimliche Phantasiegebilde noch leisten, ohne dafür gleich als verrückt zu gelten. Genau auf dieser Annahme basiert das künstlerische Schaffen der Designer Julie Mathias and Wolfgang Kaeppner, die seit 2004 als WOKmedia bekannt sind. Empfindungen, die nicht den Filter der Gesellschaft und der Vernunft durchlaufen haben, werden in ihren Arbeiten immer wieder inszeniert. So entstand im Auftrag des Londoner Bezirkes Canary Wharf und in Zusammenarbeit mit dem Lichtdesigner Admir Jukanovic (Mindseye) die Installation „Night Watch“. Im Londoner Jubilee Park wurden insgesamt 200 Kristallkugeln platziert, die als Tieraugen aus den Büschen, Bäumen und Gräsern des Parks auf jeden Besucher einen unheimlichen Blick werfen können.
Zusätzlich werden die Kugeln so von innen beleuchtet, dass sie vermeintlich reflektieren, gerade so, als ob ein Tier wie erstarrt in die herannahenden Scheinwerfers eines Autos blicken würde. Die Künstler sehen diese Anordnung der Augen als Metapher für „einen fragenden Blick auf unsere gesicherte und kontrollierte Umgebung, in der es kaum unentwickelten Raum gibt“. Dies spiegelt genau wider, womit sich jeder Bewohner des urbanen Lebensraumes tagtäglich konfrontiert sieht: Da sind die Büros und die Häuser, die Straßen und Flüsse und die so genannten Rückzugsräume wie zum Beispiel Parkanlagen. Selbst diese jedoch sind durchkonstruiert und folgen dem Plan von Stadtentwicklern. Dass hier Worte wie „Freiheit“ und „Wildnis“ fehl am Platze sind, ist klar. Man arrangiert sich mit dem, was man serviert bekommt, da man auf diese Weise seine Urängste in den Hintergrund schieben kann. Augen, die aus dem Nichts auf einen lauern? Das gibt es nicht mehr. Leider. Denn darin steckt auch ein Stück Poesie, die all die neuzeitlichen Ängste, Neurosen und Beklemmungen nicht zu bieten haben. WOKmedia hat mit ihrer Installation „Night Watch“ ein sehr poetisches Stück Stadtkunst geschaffen und die uns Menschen ureigensten Ängste hervorragend inszeniert. Weitere Arbeiten von Ihnen sind ab September 2008 im MAD Museum, New York unter dem Titel „Second Lives“ zu bewundern.






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