Der Mann aus dem All: Klaus Nomi
Mainstream-Musik und Oper galten lange als unvereinbar, jeder Versuch in diese Richtung als Obszönität in beiden Lagern. Und auch wenn schon bald Nina Hagen über eine Rock’n'Roll-Operette berlinern sollte, war es doch ein Konditor aus Immenstadt, der mit ganzem Herzen das Unaussprechliche zu einen suchte: Klaus Nomi.
Der als Klaus Sperber in Bayern geborene Nomi erlernte zunächst den Beruf des Konditors, arbeitete aber daneben als Statist an den Essener Bühnen und absolvierte danach eine Gesangsausbildung in Berlin, wo er sich an der Deutschen Oper als Platzanweiser verdingte. Obwohl er einige Semester lang an einer Musikhochschule studierte, wurde er von keinem Theater angenommen. Frustriert verließ er Deutschland Richtung New York, wo er sich als Tellerwäscher, Botenjunge und Konditor durchschlagen musste, bis er sich endlich in der Kunst-Szene des East Village als Attraktion des Untergrundes etablieren konnte. Im Smoking mit Überschultern, weiß geschminktem Gesicht, Herzmund und Lackperücke war er nicht nur optisch wie von einer anderen Welt, sondern brach auch musikalisch die Konventionen. Schlager, Rock, New Wave und Operanarien trafen hier fulminant aufeinander und ergaben gerne Persiflagen bekannter Titel von Donna Summer oder Chubby Checker. Schon zu Lebzeiten wirkte das so verstörend, dass die New York Times konstatierte: „Eine äußerst beunruhigende Persönlichkeit.”
Anfang der Siebzieger hatte Nomi, dessen Künstlername auf das lateinische Wort omni zurückgeht, erste Erfolge zu verbuchen und trat unter anderem in einer satirischen Fassung von Wagners Rheingold auf. Im Laufe der Jahre gelang es ihm, sich immer mehr musikalisch zu etablieren, dennoch blieb ein gewisses Unbehagen in der Szene zurück. Noch 1978 sprachen Kollegen von ihm, als käme er von einem anderen Planeten.
1979 wurde schließlich David Bowie auf den deutschen Künstler aufmerksam und verhalf ihm mit einem Auftritt bei Saturday Night Life zu seinem großen Durchbruch. Doch die 80er standen schon unmittelbar bevor und mit ihnen der Aufstieg der großen Seuche der Neuzeit. Auch Nomi war HIV-positiv und konnte seine Karriere nicht mehr lange verfolgen. Als er 1982 nach Deutschland zurückkehrte, um bei Thomas Gottschalk aufzutreten, war der Achtundreißigjährige schon von der Krankheit gezeichnet. Klaus Nomi starb am 6. August 1983 in New York als eines der ersten prominenten Todesopfer.





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