Im simulierten Reich der Tiere
Das französische Vincennes mit einer jährlichen Niederschlagsmenge von 647 Millimetern wird bald ein paar neue Klimazonen haben. Und zwar in seinem Zoo. Dort sollen die Tiere nach den Vorstellungen der Architektenbüros TN Plus und Beckmann N’Thepe in Umgebungen beherbergt werden, die ihrem einst natürlichen Umfeld gleichen. Eine neue zoologische Zeit ist angebrochen. Simuliert wird dabei ganz konkret: Der afrikanisch-äquatoriale Wald, die afrikanische Savanne, Madagaskar und einiges mehr. Auf über 15 Hektar sollen insgesamt sechs künstliche Welten angelegt sein. Löblich ist, dass die Landschaftsarchitekten dabei auch auf Solar-Energie setzen. Freund Löwe mag sich also über seine „Bio-Zone” freuen, die ihm die Macher erschaffen werden. Vielleicht wird er aber auch die goldene Mähne schütteln über diesen Wahnsinn und mit seinen alten Kumpels in der simulierten Savanne den Aufstand proben. So skurril das Projekt anmuten mag, so interessant ist es dennoch: Simulationen sind uns bisher hauptsächlich aus der Computerwelt bekannt. Mit den simulierten Bio-Zonen im realen Raum betreten wir eine neue Sphäre, die, weitergedacht, unser Leben auf den Kopf stellen könnte. Denn was für Tiere im Zoo möglich ist, könnte doch auch für uns Menschen machbar sein. Man stelle sich nur vor: keine Winter mehr! Statt des Novemberregens tropische Wasserfälle! Barfuß durch den Januar! Aber stop!, wäre das überhaupt erstrebenswert? Bei aller Begeisterung für die designerischen und architektonischen Möglichkeiten könnte mit der Simulation von Umwelten doch auch eine Total-Verwirrung losgetreten werden. Bleibt abzuwarten, wie Pinguin, Känguruh und Wiesel auf ihre neuen Gehege reagieren werden. Ab 2012 können sich Tierpsychologen und andere Menschen ein Bild davon machen. Dann nämlich wird der umgebaute Zoo in der Nähe von Paris wiedereröffnet.





Kommentare zu diesem Beitrag