Madagaskars Goldrausch
Kaum 40 Einwohner zählte das kleine Dörflein Ilakaka in Madagaskar noch vor 10 Jahren. Doch dann fand man im Boden eines nahe gelegenen Flußbetts ein gigantisches Vorkommen an Saphiren. Dieser Schatz blieb nicht lange geheim, wie ein Lauffeuer verbreitete sich die magische Nachricht durch die Wüste. Aus dem kleinen Dorf ist mittlerweile eine Stadt mit über 100.000 Bewohnern geworden – Ilakaka die Welt-Hauptstadt der Saphire.
Noch immer lockt es Menschen in die dürre Region, von überall her kommen sie und schlagen eine Hütte nach der nächsten auf. Das Geld treibt sie an. Mögen die Lebensumstände noch so lebensunwert sein, die Hoffnung auf den großen Fund, den erträumten Reichtum läßt die Glücksritter buddeln, sieben und bohren und meißeln. Knochenarbeit. Wieder einmal hat der Boston Globe eine Fotoserie veröffentlicht, die die Suche nach dem Glück in der Savanne vorstellbar macht und uns Einblick in eine ferne Welt gibt: Wie Ameisen laufen da Männer mit einfachsten Schippen in der Hand über die Hügel der Savanne, eine staubig trockene Hand zeigt stolz die Frucht der Arbeit. Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, voller Hoffnung die Blicke. Minen-Kinder, die im Sand spielen. Die fachmännische Prüfung der Ware unter einem Mikroskop, müde Augen. Ein geschliffener Saphir, ein Stapel Geldscheine, doch reich sehen die Menschen auf den Fotos nicht aus.
In Ilakaka kommt man an dem Wort „Saphir” nicht vorbei; Saphir-Bar, Saphir Dance, Saphir-Casino. Alles steht im Zeichen des Steins, etwas anderes gibt es hier nicht. Doch, eins: Kriminalität. Denn der Goldrausch hat neben den Minenarbeitern auch Bars, Drogen und Glücksspiel nach Ilakaka gebracht. Die Stadt hat den Ruf die gefährlichste Ecke von Madagaskar zu sein. Die Armee hat eine Station eingerichtet, um die Kriminalität im Zaum zu halten. Die Umstände unter denen sie gefunden wurden und die Gefahr sieht man den glitzernden Saphiren natürlich nicht an, wenn sie schön geschliffen aus Madagaskar in den reichen Westen geflogen werden.






Kommentare zu diesem Beitrag
Während die westlichen Medien das schon seit langen Jahren andauernde Saphirfieber in Ilakaka entdecken, sind vor Ort die frei zugänglichen Minen beinahe erschöpft. Die aus allen Landesteilen angereisten Saphir Glücksritter wenden sich in ihrer Not lieber neuen Einkommensqellen zu: Sie überfallen Touristen im nahe gelegenen Isalo Nationalpark. Wanderungen sind dort nur noch unter Polizeischutz zu empfehlen. Das beliebte Beobachten von Sonnenuntergängen in dieser grandiosen Landschaft ist schon seit einiger Zeit tabu und ein Überfall auf die Nationalparkkasse forderte Tote. Auch die Taxi-Brousse auf der Lebensader Route Nationale 7 schließen sich nachts zu Konvois zusammen. Ilakaka, der “Wilde Westen” Madagaskars hat sich tief in den Gesellschaftsstrukturen des Süd-Westens verankert. Ilakaka ist schon überall.
von tanalahy am 20.10.08