La Jetée

La Jetée” (1962) ist ein 28 -minütiger schwarz weiß Science-Fiction-Fotoroman von Chris Marker; dieser gilt spätestens seit dem Reise- und Essayfilm „Sans soleil“(1983) als bahnbrechender Regisseur.
„La Jetée”, bestechend durch seinen Inhalt, die Technik, Ästhetik und den philosophischen Hintergrund, ist ein Juwel unter den Science-Fiction-Filmen. Dies stellt vor allen Dingen die Adaption “12 Monkeys” von Kultregisseur Terry Gilliam bestens unter Beweis.
Jetée erzählt eine durch die Kriegsumstände dramatisierte Liebesgeschichte, welche durch den Fotoromanstil Markers und den Schauplatz Paris besonders nahe geht. Paris ist während des dritten Weltkriegs radioaktiv verseucht worden, die Sieger leben dort in einem Untergrundcamp. Sie führen Zeitreise Experimente mit Gefangenen durch, um sich aus ihrer hoffnungslosen Lage befreien zu können. Die Gefangen überleben jedoch die durch schmerzhafte Injektionen verursachten Zeitreisen nicht, oder verfallen dem Wahnsinn. Der Hauptdasteller (Davos Hanich), der das nächste Versuchskaninchen der Wissenschaftler ist, wird von einer immer wiederkehrenden Kindheitserinnerung  heimgesucht: Er selbst als Kind auf dem Rollfeld des Pariser Flughafen Orly und  Sie (Helene Chatelain), mit diesem besonderen Blick.

Beide werden unfreiwillig Zeugen eines Mordes. Diese Erinnerung ist der Schlüssel, der ihn während des Krieges und als den Zeitexperimenten ausgesetzter Gefangener vor dem Wahnsinn schützt. Die Erinnerungen geben ihm die Möglichkeit in der Vergangenheit, als jetzt erwachsener Mann, Zeit mit dieser Frau zu verbringen, die ihn schon als Kind beeindruckte. Nach den ersten gelungenen Vergangenheitsreisen schicken die Wissenschaftler den Mann in die Zukunft. Dort trifft er auf eine friedliche, hoch technologisierte Kultur von Wesen die in der Lage sind, Zeitreisen ohne Verlust von Verstand und Reinheit zu unternehmen. Diese geben ihm die Macht, die es ihm ermöglicht seine zerstörte, eigene Zivilisation wieder herzustellen. Auf dem Rückweg zur Gegenwart versuchen die Wissenschaftler jedoch ihn zu töten, zeitgleich bieten ihm die Wesen aus der Zukunft aber ein Leben in ihrer scheinbar perfekten Welt an. Der Mann bittet sie trotzdem um ein kontinuierliches Leben in der Vergangenheit, gemeinsam mit seiner großen Liebe. Dieser Wunsch wird ihm gewährt mit der bitteren Offenbarung, dass er selbst der Mann war, den er in seiner Kindheit hat sterben sehen.
Hätte Chris Marker diese dramatische Liebesgeschichte sowohl ohne die Zeitreisen, als auch im Pariser Nachkriegsmilieu stattfinden lassen, wäre es bloß ein pathetischer Fotoliebesroman geworden, der durch seine  kitschigen Pariser Fotomontagen und die dramatische Filmmusik aufgefallen wäre. Doch die Zeitsprünge stellen in Frage was genau  Momente für uns überhaupt sind, was der Wert von Gegenwart, Zukunft und vor allem der Vergangenheit bedeutet. Mich als Filmfan fasziniert am meisten mit welchem Minimalismus er Gewaltiges inszeniert hat; dass die Kriegsszenarien nur Fotomontagen sind, gerade um die Dramatik eines Atomkriegs zu verdeutlichen, dass alles in schwarz- weiß gehalten ist, um die Schwere zu unterstreichen, und vor allem dass keine Dialoge nötig sind um Emotionen zu verdeutlichen. Deswegen erscheint mir die gefühlvolle Filmmusik, welche Trevor Duncan dafür arrangiert hat, wie ein bisschen zu viel Sahne auf dem Honigkuchen, die aber nicht vom Genuss dieses Meisterwerks abhalten sollte.

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