Ge-dipstickt

© Nick van Woert
© Nick van Woert

Was aus einem Barbie-Ken wird, der immer und immer wieder in Farbe getunkt wurde, zeigen uns die Arbeiten von Nick van Woert. Der junge Designer aus New York transformiert den Trash unserer Zeit – und benötigt dafür lediglich einen Eimer Farbe. Das Resultat nennt er Dipsticks. Jede seiner Plastik-Figuren wird so lange kopfüber in den Farbeimer geworfen, bis der Bottich leer ist und die Farbe das einstige Massenprodukt in ein einzigartiges Geschöpf verwandelt hat. Der leere Eimer wird zum Sockel umfunktioniert, die neue Kreatur darauf exponiert.

Nichts Aufregendes an Material oder Prozess – aber dem Ergebnis haftet diese schöne D.I.Y.-Ästhetik an und eine ordentliche Portion Zynismus am Zustand unserer Zeit. Eine Zeit, die der Denker van Woert in einem Exposé als modernism 3.0 beschreibt. Dieser modernism 3.0 ist seiner Meinung nach durch Veränderung gekennzeichnet ist, die aber keinen tieferen Sinn hat. Es geht ums Verändern, ohne zu wissen, worauf man hin steuert. Es geht ums Shoppen und Verschwenden. So gesehen wird die an der Oberfläche wirkende Sinnlosigkeit seiner Dipsticks zum Spiegelbild unserer Zeit. In schönen bunten Farben lässt er das, was einst maschinell gefertigt wurde, per Hand zu etwas vollkommen Neuem wiederentstehen. Dass van Woert gerne Bestehendes nutzt, um Unvorhersehbares zu produzieren, zeigen auch seine aktuellsten Arbeiten. Da wird kurzer Prozess gemacht mit den Helden – oder Antihelden – der Geschichte. Abraham Lincoln kriegt ein Kopfbad in rot, die Büste Cesars wird gar bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Letztlich verrät nur noch der Titel, dass unter dem vom Winde verwehten Material die Büste des berühmten Römers stecken soll.

© Nick van Woert
© Nick van Woert

Beim Material gibt’s für den Absolventen der Parsons School for Design, der auch mal Architektur studiert hat, keine Grenzen. Mit ein bisschen Holz, Farbe und Kleber, Zement, Eimer und Dosen werden einst bekannte Gegenstände zu unbekannten Wesen. Die Arbeiten des in Brooklyn lebenden Künstlers werden zur Zeit in Los Angeles, Toronto und Barcelona ausgestellt.

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Kommentare zu diesem Beitrag


I’m impesresd! You’ve managed the almost impossible.

von Buffee am 23.04.11