Poor chic?
Ein Schlabberlatz von Fendi für 100 Dollar ist eine Sache. Ein Latz von Fendi für 100 Dollar um den Hals eines offensichtlich armen indischen Kindes zu drappieren, zu fotografieren und in einer Mode-Fotostrecke zu veröffentlichen, eine andere. Genau das hat die indische Vogue gemacht.
In ihrer August-Ausgabe hat sie über 16 Seiten lang Luxusgüter an Menschen gezeigt, deren gesamtes Jahreseinkommen vermutlich nicht reichen würde, um den Gegenstand zu erwerben, für den sie da posieren. Den besagten Latz, oder einen Regenschirm von Burberry. Ein grinsender Bauer hält das 200 Dollar teure Gespann in der rechten Hand, seine Füße bar, die Frau an seiner Seite lacht. Dann eine ganze Familie auf einem Motorrad, der Frau hängt eine 10.000 Dollar teure Hermès Birkin Bag am Gelenk. Luxusartikel der westlichen Welt also präsentiert an Menschen, die unter westlichen Gesichtspunkten als „arm“ gelten würden, das hat bei vielen Menschen für Empörung gesorgt. Schließlich beträgt das durchschnittliche Tageseinkommmen fast jeden zweiten Inders nicht viel mehr als 1 US Dollar 25. Also nicht wirklich die Clientele von Fendi oder Hermès. Und wahrhaft, die Fotos kennt man normalerweise mit der Bildüberschrift „Helfen Sie Kindern in Not“ - im Kontext von Mode hat man das so noch nicht präsentiert bekommen. Als „Beispiel des Vulgären“ kritisierte die indische Journalistin Kanika Gahlaut die Foto-Strecke. Die Herausgeberin der indischen Vogue-Ausgabe Priya Tanna hingegen sieht das Ganze ziemlich gelassen. „Beruhigt euch“, sagte sie in einem Telefoninterview, schließlich wäre es der Vogue darum gegangen, zu zeigen, dass Mode nicht länger ein Privileg des reichen Mannes sei, sondern von jedem getragen werden könne. Auch sagte sie, dass bei dem Shooting nicht darum ging, die Welt zu verbessern oder ein politisches Statement zu machen. Schade eigentlich. Natürlich sehen die Menschen auf den Fotos nicht aus, als wären sie versklavt worden von der Vogue. Sicherlich aber hat der indische Ableger des Fashion-Magazin seinen Models nicht den Standard- Tagessatz gezahlt, der in der Modelbranche üblich ist. Mal schauen, ob das in Mode kommt.





Kommentare zu diesem Beitrag
“… Privileg des reichen Mannes sei, sondern von jedem getragen werden könne.” – Priya Tanna sollte lieber ihre bekannten Modestrecken produzieren. Wenn ich eine solche Produktion veranlasse, sollte ich argumentativ darauf vorbereitet sein. Nichts ist peinlicher als ein solches Statment.
von norman TheJunction am 3.11.08“dem Shooting nicht darum ging, die Welt zu verbessern oder ein politisches Statement zu machen.”
Das hätte auch niemand erwartet. Das wäre scheinbar des Guten zu viel gewesen. Soweit möchte ja keiner erst in Erwägung ziehen zu denken. Politisches Statement. Haha. Gott wie … egal.
von Leila am 3.11.08Interessant dass das Lätzchen da genauso aussieht wie die anderen Dinge, also warum sollte man dafür soviel Geld ausgeben…?
von tingle am 3.11.08[...] Fonte [Technorati] Tag results for fashion [...]
von Poveri chic | h-fashion.it moda fashion e gossip am 3.11.08