Reactivate!
Aus alt mach anders. Der zweiteiligen Ausstellung „Reactivate” geht es genau darum. Das Espai d’ Art Contemporani de Castelló in der Nähe des spanischen Valencia zeigt die architektonisch/designerischen Wandelbarkeit von urbanem Raum an aktuellen Arbeiten europäischer Architekten. Die Ausstellungsprojekte belegen, dass ein totgeglaubter Ort mit minimalen Mitteln zu neuem Leben erweckt werden kann. Die Limitiertheit der Möglichkeiten hat hier offensichtlich größte Inspirationsherde freigelegt. Herausragend ist die Arbeit des Architekturbüros Andrés Jaque Arquitectos. Das Madrider Architekten-Team war beauftragt worden, das alte Priesterseminar Casa Sacerdotal Diocesána de Plasencia in Wohnungen für Priesterrentner umzufunktionieren. Solch einen Auftrag kann man so angehen, oder so. Rein architektonisch, oder architekturpolitisch. Die Madrider haben mit ihrem Umbau für die zweite Herangehensweise geopted und den Umbau auch zu einer inneren und äußeren ‘politischen’ Angelegenheit der religiösen Gemeinde gemacht. So teilten die Architekten den alten Garten beispielsweise in gleich große Teile, einen für jeden Priester. Statt eines einheitlichen Gartens ist so der ‘politische Garten’ entstanden, in dem jedes Individuum losgelöst vom Konsens eigene Entscheidungen für sein Stück Land treffen muss.
Dieses und auch andere der ausgestellten Projekte sind kontextual eingebettet in den zweiten Teil der Ausstellung – die sogenannte Situative Architektur. Eines derer Kernmerkmale war und ist das „Détournement”, die Zweckentfremdung. Die Herangehensweise der Situatisten steht in starkem Kontrast zur gegenwärtigen Entwicklung des peinlich genauen Aufräumens, der Gentrifizierung der sozialen Annehmbarkeit der Ebene. Die gezeigten Arbeiten scheinen Fleischgewordene Theorie der Situativen Architektur geworden zu sein. Und man glaubt, dass “Reactivate” die ausgestellten Lo-Tech-Projekte aus voller Überzeugung zeigt.






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