Letzte Augenblicke
Der Vater des Fotografen Phillip Toledano ist 98 Jahre alt. Nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter nimmt der Sohn den Vater zu sich. Er widmet ihm ein fotografisches Tagebuch, Days with my Father, ein Porträt voller Liebe für einen Menschen, der bald gehen wird.
Eine Serie aus 38 sehr persönlichen Bildern ist entstanden. Auf fast allen ist der Vater des Fotografen zu sehen, ein hochbetagter Mann, dessen Zerbrechlichkeit ihm deutlich anzusehen ist. Trotzdem wirken die Bilder nicht pathetisch. Die Farben sind kühl. Sie wirken milchig und trotzdem klar. Die Motive sind schlicht. Ihre tiefe Emotionalität gewinnen die Bilder durch den intimen Blick des Sohnes auf seinen Vater. Besonders ergreifend sind die beigefügten Erklärungen des Fotografen. In diesen kurzen und einfach gehaltenen Texten erschließt sich das Ausmaß der persönlichen Geschichte. An den Tod seiner Frau kann der Vater sich nicht erinnern. Er leidet unter dem Verlust seines Kurzzeitgedächtnisses. Seine häufige Verwirrung macht den Alltag nicht leicht. Dennoch verliert der Sohn sich nicht in Mitleid, weder mit dem Vater noch mit sich selbst. Er begegnet seinem Vater voller Hochachtung und Liebe. Das spürt man in jedem Wort und Bild.
Die Fotoserie spiegelt Leben wieder. An manchen Stellen steckt sie voller Humor. Es ist das ganz unmittelbare Leben eines Sohnes mit seinem alten Vater. Sie zeigt tiefe Zuneigung und Familienzusammenhalt. Sie zeigt jedoch auch die Gewissheit des bevorstehenden Todes.
Der Mut des Fotografen, seinen Vater zu sich zu nehmen und mit ihm die letzte Zeit gemeinsam zu verbringen, ist zu bewundern. Leid nehmen heutzutage nur noch die Wenigsten bewusst in Kauf. Die daraus entstandenen 38 Bilder sind bemerkenswert, denn sie sind zugleich Abschied und Erinnerung.
Zum Schluss der Text zum letzten Bild der Serie:
Sometimes, when we’re talking
my dad will stop, and sigh,
and close his eyes.
It’s then that I know, that he knows.
About my mum.
About everything.







Kommentare zu diesem Beitrag
♥
von Careaux am 20.11.08sehr ergreifend, da liegt eine Esthetik in den Bildern, die so warm und liebevoll ist, man könnte direkt heulen über solche seeligen Momente…
von lutz am 20.11.08Ein liebevolles Verhälnis und ganz wunderbare Fotografien. Schön zu sehen, wie Vater uns Sohn füreinander da sind.
von norman-TheJunction am 18.11.08wow
von horst am 18.11.08wirklich eindringlich
Sehr bewegend, sehr schön. Ich war auch gleich auf der Webseite und habe alle Fotos angesehen und den Text dazu gelesen. Es ist schön zu sehen, dass manche Menschen sich noch um ihre alten Eltern kümmern und sie nicht in ein Heim stecken und nie besuchen.
von Eleanor am 18.11.08