Chile’s sexual revolution – a mix of teens and comics
Sie nennen sich selbst die Pokemon. Betonen die Augen mit breiten, schwarzen Lidstrich, schmücken ihre Haarpracht gerne auch mal mit Tieröhrchen aus Plüsch und ihre Garderobe ist vorzugsweise pink, schwarz, neon, gestreift und gepunktet. Gerne präsentieren sie sich und ihr Styling im Internet. Viele Fotos mit ähnlichem Motiv: Lolitaposen und Jungs mit aufwendigen Stachelfrisuren. Das Internet vernetzt die landesweite Community.
Bei uns würde man sie als Emos abtun. In Chile werden sie eine Schlagzeilen füllende Subkultur – gepusht von besorgten Eltern und voyeuristisch veranlagten Zeitgenossen, angetan und erotisiert von der jungen, sexuellen Revolution. Denn sie sehen für einen Chilenen mittleren Alters nicht nur besonders aus, sondern sind auch eine Generation, die sich frei macht von konservativ-religiösen Zwängen. Sie versammeln sich regelmäßig mittags auf Parties, tanzen, zeigen sich, spielen mit ihren Reizen – frei nach dem Motto: “Poncea! Poncea!” (Rummachen! Rummachen!). Gerade aus diesem Grund wirken ältere Generationen beim Anblick dieser Entwicklungen beunruhigt.
Um die Aufregung um wildes Rumknutschen in Jugendjahren zu verstehen, ist ein kleiner geschichtlich-kultureller Exkurs notwendig. Zur Zeiten des diktatorischen Regimes unter Pinochet wurde der Sexualkundeunterricht eingeschränkt und vorhandene Lehrmaterialien entsorgt. Eine Zeit der sexuellen Nichterziehung und Zurückhaltung begann. Diese Lücken sind bis heute nicht sinnvoll gefüllt worden. Stattdessen gibt es für die Teenager von heute Mama und Papa Internet, welche die Heranführung an Sexualität gerne übernehmen. Und dies sehr offensiv. Erotik ist für diese jungen Menschen wichtig, sie wollen begehrt werden und rechtfertigen sich damit, dass bis auf wenige Ausnahmen, doch alles nur beim Knutschen und engem Tanzen endet. Wenige gehen weiter.
Ich bin ein Fan der Pokemon, denn letztendlich öffnen sie einem, in Südamerika sehr fortschrittlichen Land, die rückständigen Augen. Man muss mit Sexualität umgehen und sie nicht totschweigen, denn was hätte man sonst davon? Kinder die sich Plüschohren aufsetzen, sich tagsüber in dunkle Discos begeben, um dort dann auf Reggaeton die Jeanshintern aneinander zu reiben. Ein vetrauensvolles, aufklärendes Gespräch, wäre der nächte Fortschritt den Chile und seine Jugend gebrauchen könnte.








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