re:view Haute Couture Paris

Chanel
Chanel

Die Männerschauen waren kaum vorbei und der letzte Mann ist hinterm Vorhang verschwunden kam auch schon das erste Abendkleid auf den Laufsteg. Geht ja wies Brezel backen da an der Seine. Man merkte ja vor allem nicht gleich den Übergang zum nächsten Akt im Modevarieté.

Schuld daran ist Alexis Mabille, der einzige der ein paar Jungs ins seine Kreationen hüllte. Dabei ist seine Kollektion sonst sicherlich noch zu verbessern. Es fehlte so ein bisschen der rote Faden und auch der Glamour, es ist aber auch schwer so schnell in der Meisterklasse der Mode Fuss zu fassen. Die Konkurrenz ist zwar klein aber es sind eben auch alles alte Hasen. Und alle Teilen sich einen ebenso kleinen wie elitären Kundenkreis. Es schwer reinzukommen und die treuen Kunden des einen kaufen nicht bei den anderen. Oder es sind eben Celebreties, die wiederum als Werbeflächen funktionieren und nur indirekt den Umsatz steigern können. Chanel und Dior steigern mit diesen Kollektionen den Umsatz in der Ready-to-wear und bei den Accessoires, und finanzieren gleichzeitig damit diesen Luxus. Wie Mabille seine Kollektion auf die Beine stellt würde mich schon interessieren. Ebenso Anne Valérie Hash, auch sie ist mit gerade 10 Modellen sehr überschaubar. In diesem Jahr hat sie sogar auf eine Präsentation verzichtet und nur schlecht fotografierte aber tolle Looks geliefert.

Jean Paul Gaultier
Jean Paul Gaultier

Eine Chance die für Mabille besteht wenn er sich das zunehmende straucheln von Valentino zu nutze macht und diese Kunden zu den seinen macht. Valentino hat eine weniger gute Kollektion abgeliefert, oh man. Sicherlich ist alles tolles Handwerk und meisterhaft bearbeitet, dennoch eher langweilig. Der Modekrimi des vergangenen Herbstes war wie folgt: Valentino Caravani, 40 Jahre lang Chef und Meister, trat ab und wollte sich zurückziehen, also verkaufte er seine letzten Anteile an eine Investmentfirma. Die stellten Alessandra Facchinetti (früher mal, nach Tom Ford, bei Gucci für die Damen verantwortlich) als neue Chefdesignerin ein und gaben ihr die Verantwortung. Facchinetti lieferte nicht nur tolle Kollektionen ab, auch Ihre Couture war traumhaft und sie begann es in eine neue zeitgemäße Richtung zu drücken. Nun kam der Herbst und die Umsätze in den USA brachen ein, angeblich waren ihre Entwürfe zu jung und nicht Valentino genug. Die Wirtschaftskrise, die eigentlich Schuld hatte, wurde erst später in vollem Ausmaß bekannt. Facchinetti war jedoch bereits entlassen. Nun zeichnen sich zwei ehemalige Mitarbeiter des ‘Meisters’ verantwortlich und zeigen eine Kollektion voller Referenzen. Caravani ist natürlich sehr zufrieden und voller Lob, der Marke wird dennoch nicht helfen.

Auch Chanel fand ich bisschen schwierig, Creme und Schwarz. Typisch Chanel, aber bei den vielen Kombinationen aus Jacke und Rock erkennt man leider so wenige Unterschiede. Man muss sehr genau hinsehen und erkennt dann tolle Materialien. Auch die Dekorationen der Mädchen und des Sets sind wieder traumhaft – Blüten aus Papier. Die Kollektion von Dior zeigte auch vieles was schon mal ähnlich zu sehen war: Kleider im typischen New Look Stil und Roben die an Gallianos Königinnen im Herbst 2004 erinnern. Aber wunderschön anzuschauen ist es. Hochgelobt und sehr gelungen ist Jean Paul Gaultiers Couture Kollektion. Inès de la Fressange lief seine Schau mit und war ganz klar der Star in ihren Smoking-Dress.

Dior Backstage
Dior Backstage

In gut drei Wochen sind die Oscar’s und viele der Abendkleider sind dafür gemacht, es werden sicher ein paar davon dann auf dem roten Teppich in Los Angeles zu sehen sein.

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