Re:view New York Fashion Week – Pelziger Luxus
„Das Beste was ich über die Schau sagen kann ist, dass sie 2 Minuten zu früh anfing.” Anna Wintour hat dieses Statement gegenüber einen amerikanischen Tageszeitung abgegeben und meinte damit den Modesuperstar Marc Jacobs und dessen Kollektion für den kommenden Winter. Eigentlich sind ja ihre Daumen mit denen römischer Diktatoren vergleichbar, aber ihr Gegner ist ihr ebenbürdig und kann diese Kritik recht unbeschadet einstecken. Ich gebe ihr recht, war doch die gesamte Schau eine Aneinanderreihung von 80-er Jahre Ikonen. Gloria von Thurn und Taxis und ihre wilden, alles andere als fürstlichen Ausbrüche, waren ebenso Teil der Inszenierung wie Grace Jones und die Discogirls im späten Studio 54. Es fehlte nur noch ein Bianca Jagger Look-Alike auf einem weißen Pferd unter Sternenstaub. Doch entfernen wir die Deko, bleibt aber eine tragbare, aus klassischen Komponenten zusammen gesetzte Kollektion. Die Power wird größtenteils durch die leuchtenden Farben transportiert, eine Palette die er von sich von Künstler Stephen Sprouse geliehen hat und schon für seine Louis Vuitton Kollektion nutzte.
Sehr auffällig war in der vergangenen Woche der gezeigte Luxus. Je schlechter die Zeiten desto größer das Verlangen danach, mal wieder zeigt sich wie wahr die alte Regel ist. Frau Wintour (ja, schon wieder) trägt in der ersten Reihe am liebsten Pelz zu Bob und Sonnenbrille. Während sie letztere doch auch manchmal abnimmt, macht sie dies mit dem Mantel im Winter nie. Sie nimmt regelmässig einen Wallküren-Ritt auf sich und kämpft gegen die Freunde von Peta und andere Organisationen und bringt in den Wintermonaten streckenweise Pelz und Leder ins Heft. Viele Kollektionen beinhalten Jacken und Mäntel aus Astrakan, das Fell vom Lamm des Karakulschaf erscheint durch seine samtene Optik aber eher als Gewebe. Auffälliger sind die gefederten Füchse bei Michael Kors, welche zu Jacken und Mäntel gearbeitet sind. Durch die luftige Verarbeitung lassen sie sich gürten und haben eine unglaubliche Leichtigkeit. Ungefärbt und eher sophisticated eigenen sie sich für die Alltag und die städtischen Streifzüge. Die neonfarbenen Mäntel und Mützen lassen die Damen dann in schweizerischen Nobelskiorten bei Lawinen besser wiederfinden – Leider bot sich dieser Spruch einfach an und ich habe ihn trotz einer wirklichen Vorliebe für Pelz einfach bringen müssen. Am liebsten mag ich übrigens Samtnerz, nur falls einer einen übrig hat und nicht mehr will. Neben Michael zeigte auch Oscar de la Renta Beachtliches aus Fell, wie zum Beispiel eine Jacke, welche sehr an ein Stinktier erinnert. Insgesamt ist die Kollektion sehr Tipe Hedren in ‘Die Vögel’.
Nach einer Modewoche bleiben häufig ein paar Labels in Erinnerung, meist jene die bereits bekannt sind. Klar wurden vor allem die Designer gehypt die im Vorfeld mit der Bekleidung für Michelle Obama für Furore sorgten, aber Thakoon und auch Jason Wu haben jetzt nicht unbedingt Kollektionen gemacht die durch Einzigartigkeit glänzen, sie treten eher in die Fußstapfen von Oscar de la Renta, Carolina Herrera und co. Der leuchtende Stern am New Yorker Himmel ist Alexander Wang. Er hat eine großartige Entwicklung zwischen der vergangenen und der kommenden Kollektion durchgemacht, seine Entwürfe sind nicht mehr so T-Shirt-lastig, mehr Konfektion, und wie gemacht für globale Party-Chicks.
Und was gabs für die Jungs? Nette Sachen – nur wurde das Rad wurde nicht neu erfunden. Klassische Einzelteile wie Caban und Chinos die einfach nicht zu verbessern sind und jeder Garderobe eine solide Basis bieten. Wenn man die Kollektionen zusammen bastelt sieht am Ende alles aus wie vom gleichen Designer. Nicht so klassisch edel wie in Mailand, auch nicht experimentell wie die Pariser Kollektionen, eher bodenständig. Da unterscheidet sich der New Yorker nicht vom Berliner.
In den letzten zwei Absätzen habe ich Frau Wintour nicht erwähnt, obwohl ich sie sich auch in diesen Kontext hätte einbinden können. Aber zum Schluß noch eins: Anna Wintour sucht zwei neue Assistenten, da zwei ihrer drei sie verlassen haben. Jemand Lust auf den Job? Einfach bei Condé Nast bewerben.
fotos von style.com und men.style.com




Kommentare zu diesem Beitrag
nehm ich :-)
von Rene Schaller am 24.02.09Ich hab noch nen Samtnerz über ;-)
von Severin am 24.02.09haha…allerdings….
von Isabelle – TheJunction am 23.02.09gotta love anna wintour!
von Dan am 23.02.09