Re:view Milano Moda Donna: Tränen für die Mode

Jil Sander
Jil Sander

Milano und die Mode rühren schon mal zu Tränen. Die Gründe sind vielschichtig, es reicht von engen Schuhen bis hin zu hellen Scheinwerfer. Letzteres war der Grund warum sich Tränenbäche ihren Weg über Augustes Wangen bahnten, was nun endlich, nach gut einer Woche voller Fragen durch ihren Booker erklärt wurde. Eins ist sehr erfreulich an der ganzen Sache, die Jil Sander Kollektion hat durch diesen kleinen Vorfall unheimlich viel Aufmerksamkeit erregt und sogar ein wenig über negative Presse hinwegtäuschen können. Denn unerfreulicherweise wurde eben kurz vor der Schau auch die Schließung der Hamburger Ateliers bekannt gegeben, damit ist dann die Loslösung des Namens von seiner Geschichte entgültig vollzogen. Trotzdem aber war Raf Simons wieder beim Kern der Marke. Die Zweiteilung der Kollektion in einen sehr verkaufsfreundlichen und einen eher künstlerischen Teil dürfte nicht nur die Kunden sondern auch die Retailer freuen. Die Schau begann mit klassischen Mänteln und Kleidern, dazu fast ausschließlich flache Schuhe und alles in gedeckten Farbtönen mit wenigen leuchtenden Tupfen. Nach einem Wechsel in der Lichtstimmung kam eine Abfolge skulpturaler Modelle, die aber trotz extravaganter Schnitte sehr kommerziell schienen. Mein Highlight, ein graues Mantelkleid mit gelb abgefütterten Kragen.

Bottega Veneta
Bottega Veneta

„Italy stands for beauty – and beautifully made.”, so Mario Boselli, Präsident der Mailänder Modekammer zu Suzy Menkes. Damit hat er zweifellos recht, denn bei allen gezeigten Kollektionen wurde klar, dass in den momentan ‘harten’ Zeiten mehr Wert auf solides Handwerk, als auf Extravaganz gelegt wird. Nach dem nun die letzten Jahre vor allem junge Labels gefeiert wurden, sind es nun wieder Marken mit einer fundierten Basis und dem Wissen um die Wichtigkeit der Qualität in den Fokus rücken. Nicht umsonst feiert gerade aus diesem Grund Versace wieder große Erfolge. Vorurteile der Marke gegenüber, werden abgelöst von neuer Aufmerksamkeit. Sie bahnt sich wieder ihren Weg in die erste Reihe und Donatella hat Durchhaltevermögen bewiesen. Klar ist die Zielgruppe genau erkennbar, Reich und Schön und vielleicht auch ein wenig Russisch. Dies ist jedoch genau das erwähnted Vorteil: Die Marke richtet sich an Kunden, die von der Krise recht wenig abbekommen haben und ihren Reichtum gerne zeigen.

Die Rückkehr zu den Wurzel macht auch Goirgio Armani zum Thema. Seine Kollektion ist zeitlich so gar nicht einzuordnen. Stellt man verschiedene Modelle aus den verschiedenen Jahrzehnten nebeneinander ist am Ende alles sehr ähnlich, und leider auch ziemlich langweilig. Er zitiert sich selbst immer aufs Neue. Auch die Zwillinge Dean und Dan Caten haben sich für D’squared2 nicht gerade viel Mühe gegeben. Sie haben sich einfach ein paar der Regenbogenpresse zuzuordnende Magazine gekauft und den Look der jungen Hollywood-Prominenz kopiert. Die Models tragen alle Sonnenbrillen, Mützen und nen Kaffee in der Hand – ‘Ich bin ein Star und freue mich über PR und die tolle große Handtasche von XY, will aber bitte nicht erkannt werden!’ Bisschen zu sehr eine Zielgruppe kopiert, die aber selbst ziemlich genau weiß in welchen Klamotten sie toll ausssieht.

Waders zu Shorts bei Prada
Waders zu Shorts bei Prada

So richtig umgehauen haben in Mailand eigentlich mal wieder nur Prada und Marni, wobei letzteres nicht wirklich konzeptionell ist. Marni macht eben Mode für Mädchen, Farben und Muster sind immer das Highlight. Prada ist da schon weit komplexer. Die aktuelle Kollektion trägt den spröden Charme Schweizer Armeedecken, suggeriert durch Optik der Materialien und die Farben. Ich finde vor allem die über die Cardigans gezogenen Shorts großartig und die angegürteten Anglerstiefel als Sahnehäubchen. Ein weiteres Highlight war sicherlich Salvatore Ferragamo. Christina Ortiz zeigt wieder ihr Talent für Schnitte und setzt es selbst in Strick um.

Salvatore Ferragamo
Salvatore Ferragamo
Toni Garrn bei Fendi
Toni Garrn bei Fendi

Für alle Pelzgegner wird es nun wirklich eine schlechte Saison, bzw. eine gute für die Farbenindustrie. Die Designer setzen auf Luxus und auf eine zahlungskräftige Kundschaft zu deren Vorlieben eben auch diese Luxusprodukt gehört. Neben den vielfach betonten Schultern ist auch dies eine Hommage an Denver Clan und Dallas, lang lebe Alexis Carrington-Colby-Dexter-Rowan….

Bilder via Style.com

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