Entre deux actes – Loge de comédienne
Schmetterlingsgleiche Frauen, geisterhafte Doppelbetten und eine Sexbombe aus Nylonfäden, die Ausstellung „Entre deux actes – Loge de comédienne“ in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden beschäftigt sich mit der Auseinandersetzung von Künstlern mit den privaten Lebenswelten der Menschen und um die darauf folgende Frage nach der Beziehung von Kunst und Design. Ausgangspunkt der Ausstellung ist das Interieur „Entre deux actes II (loge de comédiennes)“, eine Rekonstruktion einer Arbeit der französischen Designerin Janette Laverrière (*1909) aus dem Jahr 1947. Laverrière, deren vom Design ausgehendes und sich immer weiter künstlerischen Fragen näherndes Werk im Jahr 2008 erstmals auf der 5. berlin biennale im Schinkel Pavillon im Kunstkontext präsentiert wurde, arbeitet in Baden-Baden mit Nairy Baghramian zusammen.
Diese hat die Garderobe einer Schauspielerin zwischen die wenig bekannten Polaroids von Carlo Mollino, einem italienischen Designer, gehängt, auf denen merkwürdig androgyne Akte im opulenten Ambiente posieren und wie tote Schmetterlinge als Sammelobjekt in kunstvollen Rahmen präsentiert sind. Neun zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler gesellen sich um das Werk von Laverrière, deren Arbeiten ebenso die Grenze zwischen Kunst und Design ausloten, Innenräume oder Mobiliar thematisieren, dabei jedoch nie in den Verdacht geraten, als Designer zu denken. Cosima von Bonin gestaltet ein geisterhaftes Schlafzimmersetting, Martin Kippenberger dekliniert die Form der Straßenlaterne zu immer bizarreren Formen, Fischli & Weiss verwandeln Objekte der privaten Lebenswelten zu mysteriösen Stellvertretern aus schwarzem Gummi.
Minimalistisch anmutende Objekte von Richard Artschwager, Meuser oder die „Ghost wardrobe for M.M.“ von Claes Oldenburg zeigen ebenso wie die Tische von Franz West das große Interesse der Künstler durch Bezüge zur Kunstgeschichte oder auf die eigene Biografie, den Arbeitsbereich des Designs zu verlassen, mit ihm zu spielen und kritisch zu hinterfragen. Marc Camille Chaimowicz richtet so einen ganzen Raum ein, eine Hommage an Jean Cocteau als Interieur voller eigener Arbeiten, Werken verehrter Künstlerkollegen und Objekten zwischen Kunst und Krempel.
Ob Kunst oder nutzbares Objekt, diese Frage wird im Foyer der Kunsthalle Baden-Baden ad absurdum geführt: Tobias Rehberger hat dort das Café Kunsthalle neu gestaltet, ganz den Plänen seiner Installation „Was du liebst, bringt dich auch zum Weinen“ für die Biennale Venedig 2009. Die „franchised“ Version in Baden-Baden überrascht mit einer prismatisch gebrochenen Spiegelwand, neonbuntem Mobiliar und Wände und Boden verbindenden geometrischen Formen all die Besucher, die sich in der beschaulichen Kurstadt auf einen gemütlichen Kaffee gefreut haben.




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