Uta und Thilo von Debschitz – Fritz Kahn „Man Machine“

Als ich im November 2009 der Animation des Fritz Kahn Plakats Der Mensch als Industriepalast von Henning Lederer einen Beitrag widmete, hatte der Wissenschaftler, Visionär und geistige Vater dieses Plakates noch nicht einmal einen Wikipediaeintrag, das hat mich damals erstaunt, denn der Mann hat Einiges geleistet. Er war Ideengeber der Mensch-Machine-Metapher, die humanbiologische Fakten, Körperfunktionen und -prozesse in einer Weise erklärt und illustriert, die den Menschen in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts am vertrautesten war, mit industriellen Abläufen, mit Maschinen, mit Arbeit.

Er selbst, obwohl Schöpfer dieses starken Bildes vom Menschen als „leistungsfähigste Maschine der Welt“, von dem zahlreiche, interpretierende und nachahmende Werke aus den Bereichen Medizin, Information, Film und Werbung existieren, ist trotz des Einflusses den er auf die Informationsgrafik in der Humanbiologie hatte und seiner zu Lebzeiten großen Beliebtheit als wissenschaftlicher Autor, in Vergessenheit geraten.

Das unscheinbare Schienbein ist in der Lage, mehr als ein Dutzend erwachsene Männer zu tragen

Die Geschwister Uta und Thilo von Debschitz, sie Architektin und Kulturjournalistin, er ein Designer, sind durch Zufall auf das Werk Fritz Kahns gestossen und haben ein Buch über den Visionär und Wissenschaftler erarbeitet. In ihrem Vortrag auf der TYPO Berlin 2010 sprachen sie über dessen Entstehung und Inhalt und zeigten illustratorische und cineastische Rezeptionen auf sein Werk, von Woody Allen, über den Bauhaus Grafiker Herbert Bayer bis zum britischen Pop-Artisten Eduardo Paolozzi.

Aus: Was sie schon immer über Sex wissen wollten von und mit Woody Allen (Spermie)

Die Fülle an Material – von einer Vielzahl verschiedener Illustratoren gezeichnete, in Vergleiche und Metaphern umgesetzte humanbiologische Information – zu finden und zu sichten, zu benennen und zu archivieren, zu scannen und zu kommentieren, war eine zeitliche, finanzielle und emotionale Herausforderung. Das Buch, als Bildband konzipiert, umfasst die Bereiche Biografie, Schaffen und Rezeption und hat eine weltweite, für die Autoren überraschende, Resonanz hervorgerufen. Die gleichnamige Ausstellung im Medizinhistorischen Museum der Charité besuchten 24. 000 Menschen. Seit Januar 2010 kann man Fritz Kahn nun auch in der Wikipedia finden und den Eintrag haben nicht die Buchautoren verfasst.

Der Trailer für das Sundance Festival 2007, ebenfalls inspiriert von Fritz Kahns Metapher

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