Lars Rosenbohm – „Gut gebellt“
19.06.08
„Gut gebellt“ ist der Titel einer Ausstellung von Lars Rosenbohm (*1971 in Lemgo/Westfalen). Wer läßt sich vom Bellen schockieren? In Musikvideos kommt es zu brutalen Hetzen durch französische Vorstädte, Egoshooter haben sich ihren Weg in die Ästhetik der Populärkultur gebahnt. Das Furchterregende ist seit je her in der Kunstgeschichte erkennbar gewesen. Bellen um des Bellens willen? Einfach mal Lärm machen? Provozieren mit Gewalt will und tut der Künstler nicht: Keine blutrünstigen Handlungen, sondern immer wieder menschliche Züge, irgendwo zwischen einem sehr bösen Märchen und skurrilen Fantasiegestalten, zum Schrei geöffnete dunkle Schlünde und begleitende, gebleckte Zahnreihen.
Häufig sind es nur wenige Farben, die sich zwischen breiten Umrisslinien gegen das dominante Schwarz durchsetzen müssen. Die Linie, Grenze oder bewegte Farbspur, durchzieht die Bilder: Und doch gelingt es Farben und Formen, sich gewaltsam den Weg zu bahnen, sich auf den Betrachter zuzubewegen, so weit sich Augen, Münder oder Nasen öffnen können. In wildem Pinselstrich entstehen die Gesichter und Fratzen, die sich ihren Bildraum dann mit ausgestreckten Zungen, Zähnen oder ihrem bunten Sputum erobern. Kennen wir das nicht irgendwoher? Selbstbewusst nennt Rosenbohm Francis Bacon und Jonathan Meese als Vorbilder. Doch historische Heroen und Mythen finden sich nicht.
Meeses Gesellen, Wagner oder auch der „Scheriff Sorbéefra“ müssen neben historisch Schwergewichtigem als Symbol bestehen. Bei Rosenbohm tauchen eine Möhre, ein Schlappohr oder eine Sprechblase zeitlos zwischen Ernst und Komik auf. Das Bellen, Wunsch nach Aufmerksamkeit oder auch deutliche Warnung ist ganz gegenwärtig. Zeitgenossen bellen. Möglicherweise macht Rosenbohm sich auf diese Weise verständlich, möglicherweise weicht der Betrachter lieber zurück. Hunde die bellen, beißen zwar nicht. Rosenbohms Wesen fordern uns aber deutlich heraus: Bitte nicht beißen, aber zurückbellen.










