Think Pink
13.07.08
„Wer der Mode folgt, ordnet sich bewusst der Tyrannei der Änderung unter, bei der etwas nicht deshalb gefällt, weil es schön oder sonstwie lobenswert ist, sondern schlicht deswegen, weil es neu ist – und er tut dies, weil die anderen es ebenfalls tun und jeder darüber Bescheid weiß”, schreibt Elena Esposito in ihrer Abhandlung ‘Die Verbindlichkeit des Vorübergehenden: Paradoxien in der Mode’. Momentan dreht sich das Modekarussell wieder und die erste vermeintliche Neuheit war bereits zu sehen – Pink kehrt auf die Laufstege zurück, und bald wird die Farbe die Straßen bevölkern?
Riccardo Tisci zeigte Anfang Juli die Haute Couture Kollektion für HW 08 des Hauses Givenchy, ebenso die Herrenkollektion für SS 09. Selten sprechen zwei Kollektionen einer Marke eine ähnliche Sprache, oft werden sie nicht mal von dem selben Designer verantwortet (siehe Dior). Tisci stellt eine Verbindung durch die Farbe her – sein pink ist der rote Faden. Tief in den Archiven scheint er alte Zeichnungen oder Stoffmuster des Labelgründers Hubert de Givenchy gefunden zu haben, vielleicht lies er sich von Stanley Donens Klassiker ‘Funny Face’ inspirieren, für den das Haus Givenchy die Kostüme fertigte? Gleich zu Beginn des Films singt Maggie Prescott (alias Kay Thompson) eine Hymne auf die Farbe, Stoffkaskaden flogen durch die Luft und Richard Avedon lies seine Bilder lebendig werden. Doch nicht de Givenchy machte die Farbe salonfähig, sondern Elsa Schiaparelli um 1930. Die gebürtige Römerin, von Coco Chanel spöttisch als die ‘Italienerin, die Kleider macht’ bezeichnet, brachte pink in die Couture. Sie war das Gegenteil der nüchternen Chanel, für sie bestand Emanzipation darin, sich der Weiblichkeit bewusst zu sein und diese nicht durch androgyne Kleidung zu verstecken. Während Chanel den Look der 20-Jahre bestimmte, ist Schiaparelli für die Silhouette der 30-er mitverantwortlich – Sie betonte die Taille wieder und gab den Frauen starke Schultern. Mode sollte für sie vor allem (selbst)ironisch sein, sie stickte Musikinstrumente auf ihre Kleider oder machte einen Schuh zum Hut. Pink wurde so ein Zeichen für Stärke und Selbstverständlichkeit, auch ihr Parfum ‘shocking’ bekam eine pinkfarbene Hülle.
Wer pink trägt möchte auffallen. Doch nicht nur positive Assoziationen lassen sich herstellen: Barbie ist auf diese Farbe festgenagelt, darin liegt wahrscheinlich auch der schlechte Ruf begründet, Marylin Monroe trägt pink während sie ihre Liebe zu Diamanten bekundet. Doch die Mode verändert Sichtweisen, so wird es sich auch diesmal verhalten. Das Gezeigte ist reizvoll und vermeintlich neu.
Mehrere Kollektionen schlagen pink für den kommenden Sommer vor – leuchtend bei Ferragamo und Gucci, gedeckt oder verwaschen bei Jil Sander und Yves Saint Laurent – aber nirgends ist es so überraschend wie bei Givenchy. „Wir dienen den Leidenschaften der anderen, ohne sie zu kennen”, schrieb Fidelieu bereits 1642. Nun werden die Ready-to-Wear Kollektionen im September zeigen ob die Farbe noch mehr Zuspruch gewinnt. Givenchy hat schon jetzt einen Trend gesetzt, wann er die Straße erreicht wird sich zeigen.









