Dynamic Architecture – ökologisch-, nachhaltige Prachtbauten


15.07.08

Der italienische Architekt David Fisher startet mit der Firma Rotating Tower Group ein revolutionäres Projekt in Dubai. In dem Land, das einen architektonischen Superlativ nach dem anderen realisiert. Dieses Mal sind nicht die Höhe und das Ausmaß faszinierend, sondern die Funktionalität. Es handelt sich um ein Gebäude, das auf einem schlanken, hochbelastbaren Kern aus Beton und Stahlbewehrung basiert. Die einzelnen Elemente drehen sich wie Muttern auf einer riesigen Schraube um die eigene Achse. Das Resultat: …Der 420 Meter hohe Turm mit 68 Etagen ändert fortwährend seine äußere Gestalt. „Dynamic Tower” betitelt David Fisher den ersten Wolkenkratzer der seinen Bewohnern zu jeder Tageszeit einen anderen Ausblick bietet. Es handelt sich vor allem um einen technologischen Prachtbau. Kein anderes Land als Dubai bietet sich für die Erstrealisation besser an. Besondere Lastaufzüge steigern Lebensqualität in dem sie es ermöglichen, hinterm Steuer seines Luxusklassewagens die rotierende Aussicht im 65. Stock zu genießen. Die Pracht ist nur die eine Seite der Medaille. Man muss den Financiers eingestehen, auch ein durch Nachhaltigkeit bestechendes Wunderwerk zu realisieren. So ist nicht nur die Drehung eine Innovation, sondern auch die Produktion und Energieversorgung. Man spricht seitens der Rotating Towers Group gerne von einer „dritten industriellen Revolution”. Die neue Vorgehensweise lautet: Vorfertigung. Ein zusammensteckbares Hochhaus, welches auch individuelle Innengestaltung berücksichtigt. Die „Einheiten” werden in einer Fabrik in Italien fertig gestellt, mit sämtlichen Wasserinstallationen und Elektrosystemen ausgestattet, und beinhalten bereits Boden, Badezimmer, Küchen, Beleuchtung und Möbel. Auf der Baustelle werden sie mechanisch aneinander gehakt und ergeben somit ein fertiges Gebäude in kürzester Zeit. Das bedeutet sowohl höchste Wohnhausqualität „made in Italy”, als auch Einsparung von Bauzeit, Energie und Kosten.

In Punkto Energieversorgung hat David Fisher eine weitere Revolution angezettelt: Der Tower soll ca. 20% mehr Strom erzeugen als er verbraucht. Oberhalb der zehnten Etage werden sich horizontale Windturbinen zwischen den Stockwerken befinden und unterhalb werden Solarkollektoren für die Energiegewinnung eingesetzt. Produzierter Überschuss soll den umliegenden Siedlungen zu Gute kommen. Der Dynamic Tower erkämpft sich auf diese Weise einen weiteren Titel. Das erste Hochhaus, welches sich zu 100% selbst mit Energie versorgen wird.

Die neue Bauweise greift die unzeitgemäße Statik unserer Wohnkomplexe an. Laut Fisher sollte sich der Faktor Zeit, durch den sich unsere Gesellschaft im ständigen Wandel befindet, auch in der modernen Architektur wieder finden. Letztendlich bleibt die Frage offen inwiefern rotierende Hochhäuser mit einer veränderten Aussicht von 6 Metern pro Minute eine sinnvolle Innovation darstellen. Handelt es sich dabei um prestigesteigerndern Schnick-Schnack, der versucht philosophische Rechtfertigung zu finden? Vielleicht wird man im Laufe der Zeit schwindelfrei und dynamische, lebendige Gebäude werden unser Stadtbild prägen. Sicher ist, dass die innovative Energiegewinnung schon jetzt Leitbeispiel sein sollte, auch wenn sie in dem aktuellen Dynamic – Tower – Projekt in Dubai noch zu einem Großteil der Steigerung von Prestige dient. Jedoch bleibt abschließend zu sagen, dass ein Gebäude, das sich dreht und gleichzeitig selbst versorgt, immer noch besser ist als Realisationen neuer Prachtbauten, die geprägt sind durch einen rückständigen Umgang mit Energieressourcen. Vielleicht ebnet gerade die Faszination, ausgelöst durch solch spektakuläre Bauten, den Weg für neue ökologische Bauweisen.

 

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