Das Private des Diego Gravinese
19.09.08
Wenn das Private nicht mehr vom Öffentlichen getrennt werden kann, ist man bei Diego Gravinese. Seine Realität und sein Werk sind eins. Der fotorealistische Maler aus Buenos Aires malt, was er zuvor fotografierte: eine Kopie der Kopie der Wirklichkeit. Er tut das so gut, dass seine Bilder die Augen täuschen. Tatsächlich denkt man ein Foto vor sich zu haben, keine Malerei – selbst wenn man ranzoomt, bleibt das so. Perfekter Fotorealismus! Viel interessanter aber als seine Technik ist die Einheit zwischen Realität und Werk, wenn es um die aktuelle Motivwahl geht. Bei ihm ist das Private auch künstlerisches Motiv. Das ist in der Geschichte der Kunst vielleicht nicht ganz neu. Natürlich war das Private seit jeher immer auch Quelle des künstlerischen Schaffens, häufig nur wurde etwas Mystik drumherumgewebt, ein Schleier, damit nicht alles gleich verraten ist.
Bei Gravinese ist das anders. Er stellt seine Arbeiten bei flickr direkt neben seinen Alltagsfotos aus. Die Trennung zwischen dem einen und dem anderen ist unmöglich. Das Privatleben des Künstlers wird durch-klick-bar. Die Muse, Panda ihr Name, ist die eigene Freundin. Panda gießt sich Milch übers Gesicht. Panda schreit vor Glück – einen bunten Fisch an der Angel. Panda trägt eine lustige Jalousien-Brille. Panda und er machen Liebe. Glücklich und farbenfroh ist das alles, das Foto wie die fotorealistische Reproduktion. Die Arbeiten haben eine coole Ästhetik, Pop, sie sind technisch gut und durch die private Verortung natürlich auch sympathisch und liebenswert. Doch fragt sich der Betrachter, frage ich mich: was wird hier kommuniziert und wohin soll die Reise gehen? Für den Argentinier ging sie jüngst auf einen Nike-Turnschuh.
Für den Sneaker-Riesen hat Gravinese nicht nur mit feinem Pinselstrich die eben genannten Motive aufs weiße Leder übersetzt. Es ist auch ein Selbstportrait des Paares zu sehen, hinten rechts an der Verse. Sie gefallen sich als künstlerisches Thema, kein Zweifel. Als Yoko Ono und John Lennon im Turnschuh-Format bekommt die Kunst Diego Gravineses aber auch einen komischen Beigeschmack. Tritt es nicht platt dein liebstes Motiv, denke ich in Gravineses Richtung und reise in seine malerische Vergangenheit auf flickr, die mal mehr als nur gut und niedlich war.









