Lost America. Night Photography of the Abandoned West


21.09.08

FLOODED TRAILER, 1992.

FLOODED TRAILER, 1992.

Wer selbst niemals durch die Vereinigten Staaten gereist ist, wer nie die Wüste sah, die unendlichen Weiten, wer nie in einem klaren Fluss am Fuße des Mount Hood gebadet und nie einen Kolibiri um einen einsamen Busch mitten im kalifornischen Nirgendwo schwirren sehen hat, der wird wohl auch niemals ganz begreifen können, was es bedeutet ein Amerikaner zu sein, woher ihr Größenwahn, ihre Ignoranz und Überheblichkeit aber auch ihre unermessliche Freundlichkeit und ihr tiefer Glauben kommt. Dass all diese Schönheit auch mit einem großen Maß an Melancholie verbunden ist, zeigen die Fotografien des Amerikaners Troy Pavia, der schon seit den Siebzigern über die verstaubten Straßen der USA reist. Seine ersten Bilder schoss er 1989, immer nachts, nur unter dem Schein des Mondes – bis heute. Seine Motive sind die Verlassenen, Zurückgebliebenen und Abgelegten; Geisterstädte, in denen keine Menschenseele mehr lebt. Nur die Artefakte menschlicher Existenz bleiben zurück und werden langsam von den Jahren verwaschen.

Pavia fotografiert alte Trailerparks, in denen zerrüttete Vorhänge durch gebrochene Fensterscheiben wehen. Leuchtreklame, deren Glühbirne schon lange nicht mehr scheinen. Oder vereinsamte Sofas, auf denen niemand mehr sitzen wird.

COLOR TELEVISION, 2007.

COLOR TELEVISION, 2007.

Pavia nutzt eine spezielle Belichtungstechnik, die im Zusammenspiel mit dem Mondlicht all diesen toten Orten und Gegenständen unheimliches Leben einhaucht. Sie verweisen zwar noch immer auf bessere, lebendigere Zeiten, scheinen aber einem Paralleluniversum zu entstammen, das sich nur noch vage an einst erinnern kann. Die lange Belichtungszeit bringt die Sterne dazu surreal zu kreisen, Wolken verwischen sylphenhaft am Himmel, längst erloschenes Licht erstrahlt noch einmal in geheimnisvollen Farben. Viele der fotografierten Objekte wurden mittlerweile niedergewalzt, abgerissen oder dem Erdboden gleich gemacht. Troy Pavias Bilder markieren also nur einen Schritt in Richtung endlicher Vergänglichkeit. Leben, Rückzug des Lebens, Tod, Nichts.

THE SILVER SLIPPER, 2000.

THE SILVER SLIPPER, 2000.

Troys Nachtfotografien sind bislang in zwei Bildbänden erschienen: “Lost America” anno 2003 und “Night Vision” anno 2008. Beide Bücher zeichnen diese Entwicklung nach, die während des 20. Jahrhunderts aufgrund der westwärts gewandten Besiedlung stattfand. Unsere moderne urbane Entdeckungskultur hat nun ein seltsames Vergnügen daran, durch die Ruinen dieser Vergangenheit zu spazieren.

 
  1. Abandoned Places In The World - TheJunction

    [...] wohl http://www.artificialowl.net und http://www.abandoned-places.com. Und auch der eindrucksvolle Fotostream Lost America wurde von uns bereits ausführlich [...]

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