Michael Marsicano malt


25.09.08

Mit seinen Bildern erzählt er alles und nichts. So fängt auch die Betrachtung an des Bildes vom Mann im Hai. Ist es die Geschichte eines vom Hai gefressenen Mannes. Oder die des vom Mann getöteten Hais? Es ist nicht eindeutig, was hier los ist. Klar ist: der Hai ist tot. Offensichtlich ist aber auch, dass der Mann im toten Hai lebt. Sicherlich wär er lieber woanders, das verrät die stille Panik in seinem Gesicht. Oder ist es Hoffnung? Hört er, dass sich da jemand nähert? Wer weiß, wie lange er schon angespült am Strand liegt. Vielleicht hat er das Hoffen schon nicht mehr gewagt. Hat er Schmerzen, ist er noch an einem Stück? Wie zum Henker ist er da rein gekommen und wird dem Seemann, der sich da so zögerlich annähert vielleicht das Herz stehenbleiben? Pssst, Sie da, könnten Sie mir mal eben behilflich sein, mich aus diesem Hai rauszukriegen? Wir werden es nicht wissen. Michael Marsicano erzählt uns nicht den Anfang der Geschichte, nicht deren Ende. Sondern nur einen ganz bestimmten Augenblick. In diesem Falle eben einen ziemlich absurden. Das Bild weckt natürlich Erinnerungen an Moby Dick – entfernt auch an Newtons „Krokodil frisst Ballerina”. In seinem Process Blog schreibt Marsicano als Motiv zu der Arbeit schlicht: „I want to draw sharks and car crashes so badly. I need to figure out how. Or rather I need to just do it. I’ll start with a shark for now. Maybe a scary guy, too”. Das also der Beweggrund. Ein paar Tage später veröffentlicht er auf der selben Seite ein Portrait von Silvester Stallone. Keine Stringenz hier, lediglich der Drang, Dinge zu tun, die zuletzt keinen größeren Zusammenhang erkennen lassen. Wie es aussieht, ist der Illustrationsstudent aus New York auf der Reise. Sein Blog gleicht dem Besuch einer Künstler-Werkstatt und zeigt, wie prall gefüllt sein Portfolio schon jetzt an Zeichnungen, Malereien und Skizzen ist. Wir sehen Auto-Unfälle in schlichten Linien, Phantasieszenarien, Portraits. David Bowie reitet auf einem Einhorn davon, hält im Schoß einen Eishund. Marsicano nimmt den Besucher mit, erlaubt ihm Einblicke in die Entstehungsgeschichte seiner Arbeiten ohne allerdings die Geschichte hinter dem Bild zu erzählen. Das können wir schön selbst machen. Und auch das ist gut so.

 

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