Wanna take a look through God’s eyes?


01.10.08

Auf die Erde geschaut aus der göttlichen Vogelperspektive. Das kreative Kollektiv The Glue Society um Gary Freedman, Jonathan Kneebone und James Dive macht es möglich. Mit der Fotoinstallation God’s Eye View werfen sie mittels Google Earth einen Blick auf vier Schlüsselszenen der biblischen Geschichte:

Adam und Eva im Garten Eden,

Adam und Eva im Garten Eden,
die Arche Noah,

die Arche Noah,
die Teilung des Roten Meeres

die Teilung des Roten Meeres
und die Kreuzigung Jesu.

und die Kreuzigung Jesu.

Die täuschend echten Satellitenbilder sind im letzten Jahr von Eric Romano für die Miami Pulse Contemporary Art Fair in Auftrag gegeben worden und erregten viel Aufsehen. James Dive von The Glue Society über die Arbeit:

We like to disorientate audiences a little with all our work. And with this piece we felt technology now allows events which may ore may not have happened to be visualized and made to appear dramatically real.”

Der heutige Betrachter wird in eine Verwirrung gezwungen, weil er an die Authentizität der Satellitenfotografie gewöhnt ist, dies aber mit den dargestellten Szenen nicht vereinbaren kann. Täuschende Fotografie gibt es schon lang (ein esoterisches Beispiel hier). In diesem Fall ist sie nur dem technischen Fortschritt angepasst. Früher hieß es Betrug, jetzt heißt es Kunst. Erneut stellt sich die nimmermüde Frage: “Können wir glauben, was wir sehen?”

Was diese Arbeit besonders macht, ist das Spiel mit dem Glauben auf zwei verschiedenen Ebenen; dem Glauben an die Religion und dem Glauben an die Wissenschaft. Der Glaube an die Religion wird ausführlich im Kommentarthread eines Artikels über God’s Eye View bei der Creative Review diskutiert, doch auch der Glaube an die Wissenschaft bröckelt. In diesem Fall der Bibelfotografie legitimiert die Wissenschaft unbewiesene Ereignisse durch ihre fotografische Darstellung. Sie demaskiert sich selbst als trügerisch. Weder Religion noch Wissenschaft bieten Halt, es sei denn, man glaubt daran.

Weitere Serien von Satellitenbildern sind geplant. Es sollen Szenen aus der Mythologie und historische Großereignisse “fotografiert” werden. Man darf gespannt sein.

 
  1. wolf

    Der Vergleich zwischen Religion und “Wissenschaft” im vorletzten Absatz hinkt. Während Religion ausschliesslich auf Glaube fußt, wird bei wissenschaftlichem Arbeiten die Reproduzierbarkeit und Überprüfbarkeit durch Dritte vorausgesetzt. Ist dies nicht gegeben, ist es auch keine Wissenschaft. Bei dem Satz “(…) legitimiert die Wissenschaft unbewiesene Ereignisse durch ihre fotografische Darstellung.” dreht sich mir der Magen um. Legitimierend wirkt hier höchstens der Glaube an das Gewohnte.
    Weiter: “Weder Religion noch Wissenschaft bieten Halt, es sei denn, man glaubt daran.” Im Gegenteil: Der Glaube wirkt hier nicht einend zwischen den Beiden, sondern trennend; an Wissenschaft darf man nicht glauben, das widerspäche dem wissenschaftlichen Prinzip.
    Ansonsten finde ich die Idee der Bilder reizvoll – nur der Sand am Grund des Roten Meeres wäre sicherlich noch feucht und daher dunkler gewesen, aber wer weiß das schon?

  2. TraiT

    HEY HEY!!
    HOW AWESOME ARE THESE PHOTOS!! Very VERY gorgeous!!!

    oh, anyway, thanks for the comment on my blumarine post!!

  3. Jennifer Ramos

    These are FANTASTIC! What an interesting way to show these stories from the bible, giving us a cool and modern perspective on it. Love these!

    Jen Ramos
    ’100% Recycled DESIGNER Cards & More’
    http://www.madebygirl.com
    madebygirl.blogspot.com

  4. c

    dito @wolf !

  5. D

    …und der Herr sprach es werde Licht!

  6. Marie Hartmann

    @wolf : finde deine antwort super! Alan F. Chalmers hätte sich der magen wahrscheinlich auch umgedreht! die ironie in dem artikel hätte ich wohl deutlicher machen sollen.
    anyway, i love these pics!

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