America the Gift Shop


19.11.08

Wenn die Abteilung für amerikanische Außenpolitik einen Andenkenladen führen würde, was würden sie dort wohl verkaufen? Dieser ungewöhnlichen Frage geht der gebürtige Engländer Phillip Toledano mit seinem Projekt “America the Gift Shop” nach.

Das Installationsprojekt reflektiert die gegenwärtige Außenpolitik im Spiegel amerikanischen Kommerzes. Dabei nutzt Toledano die gängige Sprache des Verkaufs. Je bekannter die einzelnen Gegenstände den Konsumenten sind, desto besser kann in ihnen seine Idee umgesetzt werden. Sobald nämlich der süße Mantel alle jener Gegenstände, die man normalerweise im Andenkenladen kaufen kann, entfernt wird, bleibt nur noch die harte und unbequeme Wahrheit darüber übrig, wo Amerika sich als Nation gerade befindet.

Und was es alles für schöne Dinge in Toledanos Gift Shop zu kaufen gibt! Von der aufblasbaren Guantanamo Bay Gefängniszelle über den Abu Ghraib Kaffeetisch bis hin zum T-Shirt, auf dem zu lesen ist: „I was just rendered to a secret prison and all I got was this lousy T-Shirt”. Natürlich kann man auch eine Postkarte aus der Folterkammer schreiben und Grüße an die Daheimgebliebenen senden: „Wish you were here”. Am Ende einer Reise kauft man sich ein Souvenir, um ein Andenken an diese Erfahrung zu haben. Mit seinem Projekt „America the Gift Shop” möchte Toledano an die Ereignisse der vergangenen Jahre und die Politik seines Landes erinnern.


Doch „America the Gift Shop” ist nicht das einzige ungewöhnliche Projekt, das Phillip Toledano geschaffen hat. Auf seiner Seite www.mrtoledano.com vereint er all die skurrilen Ideen und Werke, die sich um den Namen Toledano ranken. Bemerkenswert ist hier unter anderem ein Fotostrecke, die das Leben von Telefonsexmitarbeitern dokumentiert. Hier erfährt man den Werdegang dieser Menschen und wie sie im Telefonsexbusiness gelandet sind. Dabei werden die Charaktere als einfühlsame Dienstleister beschrieben, die zumeist so ganz anders aussehen, als das Klischee „Sex” impliziert. Ob studierte Kulturanthropologin, Rubensfrau oder Punkrockgöre – die Pfade des Telefonsex’ sind verschlungen.
Phillip Toledano wurde 1968 in England als Sohn eines Amerikaners und einer Französin geboren. Bereits im Kindheitsalter erhielt er seine erste Kamera. Seitdem rühmt er sich, seltsame Aufnahmen zu machen, die, wie er sagt, zum einen einer bestimmten Idee folgen müssen und zum anderen Fragen offen lassen müssen: „Ich glaube daran, dass ein Foto wie ein unvollendeter Satz sein sollte.” Toledano lebt und arbeitet heute in New York.

 
  1. Kathleen Wächter

    Hammer, der Typ. Gestern verzückt er uns mit seiner einfühlsamen Foto-Geschichte und heute haut er uns den Ober- Zynismus um die Ohren. Tolle Themen! Grüße in die Redaktion, Kat

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