Magadalena Bors’ phantastische Alltagslandschaften


27.11.08

Jeder hat sich schon einmal vorgestellt, welche phantastischen Parallelwelten sich wohl hinter den uns alltäglich umgebenden Gegenständen und Wahrnehmungen verbergen könnten. Als Kind stellte man sich diese Fragen nicht nur, sondern band aberwitzige Vorstellungen von Völkern, die hinter den schwarzen und weißen Tasten eines Piano Fortes leben, oder den Welten unterm Küchentisch noch aktiv in sein Leben ein. Heute bedarf es der Kunst, uns wieder auf all jene absurden Pfade geleiten, die in der Kindheit selbstverständlich waren. Die belgische Künstlerin Magdalena Bors hält in ihren Fotografien eben solche seltsamen und surrealen Momente fest. Eines ihrer Projekte zeigt eine Auswahl von Haushaltsszenen, welche sich in Landschaften verwandelt haben. Dabei verwendet sie bekannte Objekte, um diese Landschaften zu inszenieren, wie Wolle oder Schaumgummi.

In Hintergrund dieses Szenarios befindet sich immer ein durchaus agierender aber niemals voll abgebildeter Mensch. Die nachbearbeiteten Fotos von Magdalena Bors heben sich bekömmlich von den Photoshop-Gelagen anderer Künstler ab. Da werden Landschaften gehäkelt und Reißzwecken zweckentfremdet. Da strickt eine Frau eine ganze Auenlandschaft mit Bergen, Bäumen und reißendem Fluss, die unter dem Wohnzimmertisch entlangläuft. Aus braunem Rohrzucker entsteht ein Berg, auf dem sich ein kristallweißes Würfelzuckerschloss erhebt.

Ihre Fotografien beinhalten beides: den Verweis auf eine mythische Welt jenseits des Alltäglichen und die unweigerliche Verknüpfung der beiden Ebenen. So ein bisschen rührt es auch an den Gedanken, den geistvolle Menschen wohl schon im Kindesalter haben: Bin ich wirklich wach oder träume ich nur, dass ich wach bin? Genau kann man es ja nie wissen… Kennt man sich allerdings mit der Lehre der luziden Träume aus, weiß man, dass Borssche Landschaften in jedem Traum ein eindeutiges Indiz dafür sein können, dass man wirklich träumt. Von da an kennt die Phantasie keine Grenzen mehr und man kann über Zuckerschlösser fliegen wie im Rausch. Bors’ Aufnahmen entledigen sich der traditionellen Gefilde der Fotografie. Ein Anspruch der Abbildung des Realen wird durch phantastische und märchenhafte Arrangements ersetzt. Zuletzt erschienen ihre Arbeiten 2008 im Blanket Magazine und im Photofile Magazine.

 

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