Re:view Paris Fashion Week – Mit den 80ern raus aus der Krise
16.03.09
Paris is burning und alle haben sich die heißesten Partyoutfits auf den Leib gezimmert. Ziemlich cool, statt Schwarzmalerei zeigten die Labels wie man sich die Partynächte am besten um die Ohren schlagen kann. Allen voran Balmain. Das französische Traditionshaus liefert die besten Ideen, Christophe Decarnin hat verstanden, was die Frauen wollen. Er zeigte im Ritz und tut es damit, Gianna Versace, dem König aller Partygirls gleich. Schon die letzte Kollektion feierte wilde unbekümmerte Zeiten. Für den kommenden Winter sorgt er für Nachschub und noch kürzere Kleidchen lassen noch wildere Partys erahnen. Glitzertops zu Trapezhosen und kurze Röcke, genau das sehen wir gerne. Und was man eigentlich nicht mehr sehen wollte und plötzlich im richtigen Kontext sehr begehrenswert erscheint, sind die Vokuhila-Abendkleider. Olivier Theyskens hatte sie schon in der letzten Saison bei Nina Ricci, und nun also auch noch bei Balmain. Es leben die 80er. Der Trend wirkt sich auch auf die Tagesmode aus, allerdings mit viel Understatement und weniger Rock-Chick-Allure. Dries Van Noten gibt sich als Meister der Farbgestaltung und zeigt, wie modern auch gut positionierte Retro-Einflüsse sein können.
Wieder wahnsinnig in den Himmel gelobt, für mich ein bisschen unverständlich, ist Nicolas Chesquières Kollektion für Balenciaga. Das heißeste Ticket bei den Schauen ist die Schau sicherlich, aber es sieht in meinen Augen alles sehr zusammengeschustert aus. Die merkwürdigen Rocktraperien aus Satin hätten bei manch anderen Designer zu ziemlichen Verrissen geführt, die Lurextops und die gepunkteten Seidenstrümpfe sind der Gipfel. Aber er ist eben momentan mit einem Goldenen Ticket ausgestattet und man sieht vielfach wenig hinterfragt was man da eigentlich vorgesetzt bekommt.
Ob Nicole Phelps von style.com einen schlechten Tag hatte kann ich nicht sagen, allerdings lässt ihre Kritik an Wunderkind einiges vermuten. Wolfgang Joop zeigt mal wieder, dass er über allen Krisen steht und sich recht wenig um die Meinung anderer schert. Die ersten acht Looks sollte man schnell überblättern, um endlich zu den wunderschön grafischen Prints vorzudringen. Die Mischung aus Streifen und Rechtecken in der Tradition des Suprematismus geben die Richtung vor und werden nur von Fotodrucken die Gregor Törzs Werken entlehnt sind überboten. Der andere Deutsche in Paris, Karl Lagerfeld, zeigte bekanntes bei Chanel, interessanter sind allerdings die Entwürfe, die er unter eigenen Namen zeigte: Mädchen mit Motorradhelmen, ganz verwegene Dinger.
Zum Schluss noch ein bisschen was von der Phantasiefront. Immer gut für reichhaltges Dekor ist John Galliano. Für Dior lies er Poiret wieder auferstehen und zeigte russisch inspiriertes mit Mongolenhüten und einigen pelzigen Details. Seine eigene Kollektion ging ebenfalls gen Osten und er wilderte in der Kostümgeschichte des Balkans. Die Inspirationen bei Gallianos Kollegen Alexander McQueen kamen wiederum auch von einem Überdesigner, New Look à la Dior war Thema und das legendäre Modell ‘Bar’ sogar Pate für das erste Modell. Die beiden zeigten das keine Krise so kernerschütternd ist, als das am Ende kein Raum für Phantasie bleibt.
Bei der Vielzahl an Schauen ist es natürlich schwer allen gerecht zu werden und jede zu erwähnen scheint unmöglich. Die, die am Ende der Modewoche nicht in Erinnerung geblieben sind, haben es dann eben schwer.
Bilder von Style.com







