Verschwörungen, die böse Regierung und Co.: Phil Leirness Dokumentation “The Truth Is Out There” feiert Weltpremiere in London

Verschwörungstheoretiker: Selten ernst genommen und gerne als leicht verschroben angesehen. Oder gleich als komplett durchgeknallt betrachtet. Wie meinte auch einst die Skeptikerin schlechthin – FBI-Agentin Dana Scully aus Akte X – in einer Folge über die berüchtigte Militärbasis Area 51 zu Mulder: „Woher wissen wir eigentlich, dass es sich nicht wieder um einen Spinner handelt, der sein enzyklopädisches Wissen über außerirdische Lebensformen ausschließlich durch Wiederholungen von Raumschiff Enterprise erlangt hat?“ Tja, berechtigte Frage. Woher eigentlich? Oder woher wissen wir überhaupt, dass es wirklich Spinner sind? Independent-Drehbuchautor und Regisseur Phil Leirness hat sich dieser Fragen angenommen und geht ihnen in seiner Dokumentation The Truth Is Out There auf den Grund – nicht umsonst bedient sich der Filmtitel dabei bei einem berühmten Zitat aus eben erwähnter Mysteryserie. Erst Samstag Abend feierte der Film Weltpremiere in London. TheJunction hat bereits vorab exklusiv eine Kopie des Films erhalten und gewährt Einblicke in die (Un-)Tiefen der Verschwörungswelt.

Dean Haglund, Tom Braidwood und Bruce Harwood – bekannt als Lone Gunmen aus Akte X
Dean Haglund, Tom Braidwood und Bruce Harwood – bekannt als Lone Gunmen aus Akte X

Quelle: Phil Leirness und Rational Exuberance

In der Dokumentation trifft man auf die verschiedensten Themen und Typen: Seien es UFO-Experten, Engelflüsterer, Schauspieler wie Eric Roberts und Tucker Smallwood, die Illuminati, Verschwörungen über den 11. September 2001, Geisterjäger oder die Schweinegrippe. Es gibt die schrägsten Theorien, bei denen man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. So oder so, Staunen ist auf jeden Fall angesagt: Den einen Moment bekommt man die skurrilsten Ideen zu hören, im nächsten Moment wird es schon wieder philosophisch und man merkt gar nicht mehr, dass man längst fasziniert zuhört. Als filmische Klammer dient die ganze Zeit der Schauspieler Dean Haglund, der als Teil der Lone Gunmen in Akte X bekannt geworden ist. In The Truth Is Out There wird er der grenzenlosen Fantasie seines langhaarigen Alter Egos Richard Langly gerecht und begegnet in zahlreichen Interviews Menschen auf der ganzen Welt. Vancouver, Kalifornien und Texas sind genauso mit von der Partie wie London, Twin Peaks und Berlin. Nebenbei bekommt man auch einiges Privates zu sehen: So ist Haglund schon lange als Künstler unterwegs und malt mit viel Leidenschaft. Außerdem erfährt man mehr über ihn im Gespräch mit der Psychotherapeutin Dr. Nicki Monti, die in der Dokumentation immer wieder auftaucht. Gerade diese Dialoge liefern besondere Momente für Denkanstöße und lassen einen ins Grübeln geraten.

Dean Haglund mit einem seiner Bilder
Dean Haglund mit einem seiner Bilder

Quelle: Phil Leirness und Rational Exuberance

Regisseur Leirness schafft es während des gesamten Films, immer ein gewisses Maß an Distanz zu bewahren. Er lässt die Zuschauer in die Verschwörungswelt eintauchen und gewährt vielseitige Einblicke – aber egal, ob sich die Kamera auf eine merkwürdige Esoterikdame richtet, die gerne mit Aliens kommuniziert, oder einen promovierten Wissenschaftler fokussiert, niemals macht sie sich über die Interviewpartner lustig. Es bleibt ganz alleine den Zuschauern überlassen, sich ein Urteil zu bilden. Und ganz unabhängig von dem bunten Mix an Verschwörungstheorien, schlägt der Film auch allgemein schnell eine andere Richtung ein. Mit jedem neuen Interview geht es immer weniger um verrückte Ideen, sondern um ganz grundlegende Fragen. Es wird dabei fast schon postmodern: Gibt es überhaupt eine universelle Wahrheit, die alle erklären kann? Sind Verschwörungstheorien nicht einfach symbolisch dafür, dass Menschen immer versuchen werden, das Unerklärliche zu erklären? Oder lenken sie uns vom eigentlichen Leben ab? Fragen über Fragen, die die Dokumentation aufwirft, ohne dabei bemüht oder bedeutungsschwanger zu wirken. Sie will einfach unterhalten und gleichzeitig inspirieren – und das gelingt ihr. Letztendlich ist The Truth Is Out There ein Appell an alle Wissenshungrigen: Sie sollen über bestehende Grenzen hinweg denken und sich um keinen Preis in ihrer Vorstellungskraft einschränken lassen. Nicht die Wahrheit, sondern mehrere Wahrheiten warten da draußen und wollen entdeckt werden.

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Kommentare zu diesem Beitrag


Auf jeden Fall, als Zuschauer ist man ständig zwischen Lachen und Staunen hin- und hergerissen. Wir können ihn nur wärmstens empfehlen! Diesen Monat findet die US-Premiere statt, danach gibt es direkt eine DVD-Veröffentlichung.

von TheJunction am 6.05.11

Scheint eine etwas schräge Dokumentation abseits des üblichen Mainstreams zu sein. Der Trailer sieht zumindest Vielsversprechend aus.

von Andreas am 5.05.11