Versunkene Schätze in Serie, Teil Eins: Kirschkuchen, verdammt guter Kaffee und dunkle Geheimnisse in Twin Peaks
Es beginnt mit einer der berühmtesten Leichen der Fernsehgeschichte: Laura Palmer. Blass und in blaue Plastikplanen gewickelt, taucht ihre Leiche am Wasserrand im beschaulichen Örtchen Twin Peaks auf. Und damit beginnt eines der bekanntesten TV-Rätsel: Wer hat Laura Palmer getötet? Die Kultserie von 1990 nimmt sich fast zwei Staffeln Zeit, um diese Frage zu beantworten. Der Weg zur Auflösung ist gepflastert mit merkwürdigen Gestalten, köstlichen Desserts, unheimlichen Monstern und reichlich Intrigen.
Quelle: arte
Nachdem Laura Palmers Leiche gefunden wird, ist ganz Twin Peaks in Aufruhr: Wie kann es in diesem kleinen und friedlichen Ort zu einem solch grausamen Verbrechen kommen? Das FBI schickt ihren Agenten Dale B. Cooper in die Kleinstadt – einen eigensinnigen, aber charmanten Ermittler, der seine Arbeit mit ungewöhnlichen Methoden angeht. Dabei kommen auch gern einmal Tibet und Steinewerfen zum Einsatz. Die Vorgehensweise des Kaffeeliebhabers und Kirschkuchenfanatikers führt früher oder später immer zum Ziel. Im Laufe der Ermittlungen zeigt sich, dass Twin Peaks gar nicht so friedlich ist. Alle Bewohner haben dunkle Geheimnisse, die sie um jeden Preis verheimlichen wollen. Das gilt auch für Laura, die blondgelockte Dorfschönheit und Highschool-Queen, die ihre Freizeit genauso mit dem Austragen von Essen für Bedürftige verbrachte wie mit harten Drogen und dem Verkaufen ihres Körpers. In einer Stadt wie Twin Peaks ist niemand unschuldig.
Und genauso verläuft auch die Serie: Nichts ist so, wie es scheint. Der Zuschauer muss geduldig sein: Twin Peaks wartet in einem Moment mit anspruchsvollen und bedeutungsschwangeren Träumen auf, um im nächsten eine klassische Seifenoper zu bieten. Oder die Serie schwankt innerhalb kürzester Zeit zwischen düsterem Horror und amüsanten Szenen, die einen herzhaft auflachen lassen. Diese unorthodoxe Mischung funktioniert und zieht mit ihren Rätseln die Zuschauer daher auch heute noch in ihren Bann. Selbst wenn in der zweiten Staffel aufgeklärt wird, wer Lauras Mörder ist, nehmen die Fragen und mysteriösen Verwicklungen kein Ende. Leider kehrten Anfang der Neunziger jedoch zahlreiche Zuschauer Twin Peaks den Rücken zu, da sie nach Auflösung der Mörderfrage kaum noch Interesse hatten. So wurde die Serie unerwartet nach einem spannenden Cliffhanger mit dem Ende der zweiten Staffel eingestellt. Twin Peaks büßt jedoch kein bisschen Qualität in Staffel zwei ein. Die Antwort auf die Mörderfrage ist genauso einfach wie kompliziert. Weiß man erst einmal, wer es war, ergeben sich nur noch mehr Fragen und Bedrohungen. So kommt es leider auch, wie es kommen muss. Selbst Cooper – die Figur in Twin Peaks, die sich noch am meisten durch eine gewisse Unschuld auszeichnet – erwartet am Ende der Serie ein düsteres Schicksal, das noch lange nachhallt.
Twin Peaks ist den verrückten und gleichzeitig einzigartigen Ideen David Lynchs entsprungen. Zusammen mit Mark Frost schuf er diesen merkwürdigen TV-Diamenten, der nicht nur die Zuschauer in Atem hielt, sondern bis heute großen Einfluss auf die Popkultur hat: Seien es die Simpsons, die Sesamstraße oder Tarantinos Kill Bill, sie alle bedienen sich auf die ein oder andere Weise an Twin Peaks. Das Geheimnis des Serienerfolges lässt sich nicht auf einen Faktor reduzieren: Es sind die verworrenen Geschichten und die unheimliche Atmosphäre genauso wie der postmoderne Genremix und die Darsteller, die diese Sendung ausmachen. Ausschlaggebend für die mysteriöse Stimmung der Serie ist dabei auch der hypnotische Score von Angelo Badalamenti.
Wer sich selbst ein Bild von Twin Peaks machen möchte, kann dies zurzeit nicht nur auf DVD, sondern auch auf arte tun. Auf dem Sender gibt es bis zum 28. Juni jeden Dienstag ab 22 Uhr eine Doppelfolge zu bewundern. Allen, die noch mehr wollen, sei schließlich auch der Kinofilm Twin Peaks: Fire Walk with Me ans Herz gelegt. Er erzählt die Vorgeschichte zur Serie und damit Laura Palmers Leben bis zu ihrem tragischen Ende. Der Zuschauer sei jedoch gewarnt: Während die Serie eher ab und an ihre düstere Seite zeigt, geschieht dies im Film ununterbrochen und bietet daher keine leichte Kost.
TheJunction präsentiert in der neuen Reihe „Versunkene Schätze in Serie“ regelmäßig besondere Klassiker der TV-Geschichte ebenso wie verkannte TV-Schätze unserer Zeit.





Kommentare zu diesem Beitrag
Gefaellt mir sehr der Blog. Schone Themenwahl.
von Marko am 3.06.11