Quentin Tarantinos neuester Streich Django Unchained: Sklavenaufstand einmal ganz anders
Tarantino ist ein postmodernes Wunderkind: Mit jedem Film, den er kreiert, bleibt er sich einerseits treu und erfindet sich andererseits immer wieder neu. Dabei strotzen seine Werke immer vor aberwitzigen Dialogen, popkulturellen Querverweisen, toller Musik, starken Frauen und schrägen Typen. Vor allem aber bleibt eines immer gleich: Nie setzt sich Tarantino bei seinen Filmen Grenzen. Genres werden querbeet vermischt oder Geschichte mal eben umgeschrieben. Nachdem er bereits einige Drehbücher wie das zu True Romance geschrieben hatte, erschien 1992 sein Regiedebüt Reservoir Dogs. Spätestens 1994 war der Hype um Tarantino dank Pulp Fiction endgültig ausgebrochen. Kaum jemand schien cooler als er.
Quelle: Sir Mildred Pierce auf flickr
Und heute? Sein letzter Streich Inglorious Basterds war ein großer Erfolg sowohl bei Kritikern als auch Zuschauern – aber etwas hat sich verändert. Inzwischen ist es für viele cool geworden, Tarantino uncool zu finden. So sind Kulturkonsumenten nun einmal, ganz gleich, ob es um Film, Musik, Kunst oder Literatur geht. Die Popularität von Künstlern folgt dem Verlauf einer Sinuskurve, das ist ungeschriebenes Gesetz. Dabei ist das gerade bei Tarantino mehr als verwunderlich. Schließlich ist er sich in Sachen Filmliebe und ausgefallene Drehbücher all die Jahre treu geblieben. Die Qualität seiner Schreibe, das Feuerwerk an Dialogen und die verrückten Geschichten sind stark wie eh und je. Das beweist auch sein neuestes Projekt, der Western Django Unchained, der 2013 über unsere Leinwände flimmern soll.
Der Film erzählt die Geschichte von Django, einem Sklaven in den USA des 19. Jahrhunderts. Brutal weggerissen von seiner Ehefrau Brunhild will er nichts anderes, als die Liebe seines Lebens in den Weiten der Südstaaten wiederzufinden und sie zu befreien. Leichter gesagt als getan. Um dieses Ziel zu erreichen, muss er einige Hindernisse überwinden und Abenteuer überstehen. Dabei tut er sich zusammen mit einem deutschen Kopfgeldjäger namens Dr. King Schultz. Schultz ist nicht nur hochgebildet, sondern auch wahnsinnig eloquent und gewitzt. Der aufmerksame Leser wird bestimmt gleich an Christoph Waltz denken, dem Tarantino mit Hans Landa in Inglorious Basterds bereits ein Denkmal gesetzt hat. Bingo! Denn niemand geringers als Herr Waltz soll die Rolle des Schultz übernehmen. Wenn man nur die Dialoge mit ihm liest, spürt man sofort, dass Tarantino beim Schreiben niemand anderen als Waltz im Sinn hatte.
Die ungewöhnliche Kombination aus Django und Schultz wird zu einem unschlagbaren Team, das gemeinsam als Kopfgeldjäger auf die Jagd geht. Ein ehemaliger Sklave, der sein Geld damit verdient, weiße Männer zu töten? Rachegedanken à la Tarantino at its best. Dabei begegnen Django und Schultz neben sadistischen Sklavenhaltern, die Plantagen mit dem makaber klangvollen Namen Candyland besitzen, und Hillbillys auch nicht besonders hellen Mitgliedern des Ku Klux Klans und Pferden mit dem schönen Namen Fritz. Ob Django am Ende seine geliebte Brunhild wieder in die Arme schließen kann, sei hier jedoch nicht verraten. Nur so viel wird preisgegeben: Die Story strotz nur so vor Spannung, unvorhergesehenen Wendungen und zwielichtigen Gestalten. Und oft ist die Geschichte alles andere als angenehm: Wenn man hautnah erleben muss, welch grauenhaftes Schicksal viele Sklaven erleiden, würde man dies nur gerne ausblenden. Django Unchained bietet damit eine ungewöhnliche Geschichte über einen etwas anderen Sklavenaufstand. Western meets Drama meets deutsche Sagengeschichte meets Rachestory – und das alles mehr als gelungen. Man darf gespannt sein, in welche Bilder Tarantino sein wortgewaltiges Drehbuch verwandelt und welche Schauspieler außer Waltz in den Hauptrollen glänzen werden.





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