Da snapt der Bär
Rückblende: Als naiver Teenager las ich die Popcorn, hörte Bravo-Hits und schaute Top of the Pops. Ich möchte nicht ohne gewissen Hochmut behaupten, seinerzeit umfassend über das Popgeschäft und die Nachrichten, die es produzierte, unterrichtet gewesen zu sein. Von diesem immensen Schatz an Wissen zehre ich noch heute.
Ich habe mich allerdings bereits vor Jahren dazu entschieden, mein einst so lebhaftes Interesse für die Entwicklungen der Musikindustrie aufzugeben. Besonders schwer gefallen ist mir das nicht. Heute befinde ich mich in der glücklichen Situation des Nichtwissens.
Am vergangenen Freitag wurde ich aber plötzlich in meine Vergangenheit zurückversetzt. Die Dachdeckerinnung Berlin lud zum rauschenden Fest ins Kosmos. Die Ticketpreise suggerierten, dass es abgesehen von Häppchen auch noch andere Leckerbissen geben müsste. Und tatsächlich:
Mit stolzgeschwellter Brust kündigte der Innungschef den Top Act des Abends an: Snap! Jene Band, die es in den 90ern mit Songs wie The Power und Rhythm Is a Dancer zu Ruhm, Geld und Echo brachte. In seiner einleitenden Rede stellte er Snap denn auch folgerichtig mit Madonna und Michael Jackson auf eine Stufe. Ich war angewidert und begeistert zugleich: Da hatte jemand noch weniger Ahnung von Musik als ich; die Scham über seinen Vergleich überließ er gönnerhaft den anderen. Ich verließ den Saal, rauchte Zigaretten, trank Bier und verpasste die ersten drei Lieder meiner einstigen Helden.
Die Frontfrau von Snap – ich weiß nicht, ob es sich bei ihr um das Original handelte – hatte noch bei meiner Rückkehr sichtliche Probleme, die sich sehr zugeknöpft gebende Dachdeckerschar zum Tanzen zu motivieren. Nur vereinzelt trauten sich die Männer und Frauen näher an die Bühne heran. Mit fortschreitender Stunde (Alkohol inklusive) wurde es jedoch zünftiger. Da sollte der Auftritt aber schon fast vorüber sein.
Quelle: http://www.myspace.com/snapofficial/photos/12070525#{%22ImageId%22%3A12070525}
Die musikalische Lücke mussten danach andere füllen: Die niederländische Hermes House Band konnte mehr beim anspruchsvollen Dachdeckerpublikum punkten als Snap. Mit Cover-Songs aus 30 Jahren Musikgeschichte war für jeden etwas dabei und selbst ich erkannte den ein oder anderen Song wieder: Football´s coming home und Is this the way to Amrillo? So schön das auch war: Auf Zigaretten und Bier wollte ich nicht verzichten…
…und so gab ich mich diesen Genüssen hin, während die Mühlen des Popgeschäft immer weiter mahlen.





Kommentare zu diesem Beitrag