Im Herzen des Heartland-Rocks: John Mellencamp live in Berlin

Heartland – das ist bodenständiger und schnörkelloser Rock & Roll made in the USA. Zeitlose Musik, die sich auf Themen wie das Leben des einfachen Mannes und der Blue-Collar-Welt besinnt. Die gitarrengeschwängerten Songs mit einer Prise Folk und Country sind meist in inspirierten Geschichten verpackt, die einerseits Einblick in typisch amerikanische Befindlichkeiten gewähren, andererseits aber genauso universell gültig sind. In den 70ern fand der Heartland-Rock seinen Anfang, um im darauffolgenden Jahrzehnt seinen kommerziellen Höhepunkt zu erreichen. Schon eine reife Leistung, wo doch die 80er Jahre die Synthesizer-Dekade schlechthin sind. Viele der Heartland-Pioniere wie Bruce Springsteen, Tom Petty und Bob Seger schafften in dieser Zeit ihren großen Durchbruch. Und noch heute sind sie sich sowie ihrer Musik treu geblieben und rocken die Bühnen dieser Welt, als ob es kein Morgen gäbe.

Quelle: http://www.mellencamp.com/

An vorderster Front der Herzensrocker steht auch John Mellencamp. Nachdem 1976 seine Debütalbum The Chestnut Street Incident erschienen war, landete er 1979 mit I Need a Lover seinen ersten großen Hit. In den 80ern folgten bekannte Songs wie Jack & Diane, Cherry Bomb, Small Town und R.O.C.K. in the USA. Während dieser Jahre war Mellencamp unter dem Namen Cougar unterwegs – und das nur, weil sein Manager glaubte, mit einem Namen wie Mellencamp würde er keine einzige Platte verkaufen. Nachdem sich der kommerzielle Erfolg jedoch einstellte, legte Mellencamp seinen ungewollten Künstlernamen Anfang der 90er endgültig ab. Während er in den USA in einem Satz mit Springsteen und Co. genannt wird, ganze Stadien füllt und 2008 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen wurde, ist der 59-Jährige hierzulande leider weniger bekannt. Daher überrascht es nicht, dass er sich nun erst nach etwa 20 Jahren wieder auf deutschen Bühnen blicken lässt. Auf seiner No Better Than This-Tour gibt es insgesamt drei deutsche Konzerte: Nachdem er am Samstag bereits im Berliner Tempodrom das Publikum zum Mitrocken animierte, folgen im Juli noch Stuttgart und München.

Mellencamp am 25.06.11 in Berlin
Mellencamp am 25.06.11 in Berlin

Quelle: Anastasia Hansen

Zuschauer erwartet vor Konzertbeginn eine umfangreiche Dokumentation über Mellencamp, die ihn bei Songaufnahmen und auf Tour quer durch die Staaten begleitet. Die Mehrheit des Berliner Publikums war weniger begeistert – anscheinend wollten sie lieber irgendeiner Vorband zuhören, an der sie eigentlich noch weniger interessiert sind. Vielleicht wurden sie auch nur ihrem Ruf als Berliner gerecht: Die nörgelnde Unzufriedenheit gehört eben dazu. Sobald Mellencamp dann die Bühne betrat, änderte sich die Stimmung schlagartig. Nach nur wenigen Songs war das Publikum auf den Beinen und rockte die kleine Halle. Viele Fans trugen Springsteen- oder Cash-Shirts. Es wurde mitgetanzt und mitgesungen – das alles mit zum Teil Ohren betäubenden Ausmaßen. Insgesamt zwei Stunden gaben Mellencamp und seine Band eine bunte Vielfalt an Klassikern und neuen Songs zum Besten. Zeitlos, mitreißend und wahnsinnig gut gelaunt. Der einzigartigen Stimmung konnte sich einfach niemand entziehen.

Mellencamp holt in Berlin einen Fan auf die Bühne/Quelle: Altlaender1

Schnelle Songs, deren satter Sound neben der E-Gitarre auch von einer Violine und einem Akkordeon kreiert wurde, wechselten sich ab mit ruhigen, die nur von einer Akustikgitarre begleitet wurden. Eines blieb gleich: Mellencamps rauchige Stimme, die einen sofort in ihren Bann zieht. Sie klingt nach jemandem, der viel erlebt und gesehen hat, der mit jeder Faser seines Körper in der Musik versinkt. Und damit Songs macht, die keinen flüchtigen Trends folgen, sondern immer aktuell bleiben und über die Jahre nichts von ihrer Faszination einbüßen. Am Ende des Konzerts durfte sich noch ein Fan auf ganz besondere Weise davon überzeugen: Mellencamp zog ihn auf die Bühne und ließ ihn die zweite Strophe von R.O.C.K. in the USA singen. Der Mann grölte voller Inbrunst ins Mikrofon und tanzte wild drauf los. Und wer hätte das gedacht: Das Publikum, das längst auf den Beinen war und ununterbrochen mitrockte, ließ sich noch mehr mitreißen und war nicht mehr zu halten. Kurzum: Ein unvergesslicher Abend mit zeitlosem Rock, der einen in die Welt des Heartland entführt und das Leben da draußen komplett vergessen lässt.

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

Kommentare zu diesem Beitrag


Es lohnt sich auf jeden Fall :-)

von TheJunction am 28.06.11

Klingt ja gut… Ich habe jedenfalls eine Karte für das Konzert in Stuttgart und freu mich jetzt um so mehr… :-)

von Markus B. am 27.06.11