Mädels könnt ihr kicken?

Jaja, die Frauen und der Fußball. Wir kennen ja alle die Blicke der Männer, wenn eine Frau auch nur erwähnt, dass sie Fußball guckt. „Kannste denn erklären, was Abseits ist?“ Jungs, so schwer ist das nun auch wieder nicht! Frauen, die Fußball spielen, sind ein weiteres Mysterium. Es gibt extrem viele Vorurteile, denn Spielerinnen sich ja an sich was total anderes als Männer, die gegen einen Ball treten. Für Männer der Traumberuf, für Frauen eher ein netter Zeitvertreib – aber nicht ernstes. Als es im November letzten Jahres hieß: “Kartenvorverkauf für die Frauen-Fußball-WM gestartet”, zögerte ich nicht lange und besorgte Karten. Wann bekommt man schon mal die Chance ein WM-Eröffnungsspiel zu sehen? Kurz vor der WM kam mir die pure Skepsis entgegen: „Zur Frauen-WM? Das interessiert doch keinen!“. Einige Tage davor hieß es dann schon: „Ach echt, da gehst du hin?“

Da war er nun der große Tag, Deutschland-Fanshirt an (von 2006), Farben, Fahnen und Krachmacher dabei. Die Fahrt zum Olympiastadion allein war schon ein Erlebnis: Je näher man kam, desto mehr Menschen mit offensichtlichen Deutschlandsymbolen tauchten überall auf. Auf dem Platz vor dem Stadion war die Stimmung gigantisch. Trommlerinnen sorgten für Stimmung, es gab Torwandschießen und jede Menge Stände. Jeder hatte irgendetwas dabei und war es nur das Shirt mit „Ballack“ auf der Rückseite. Egal, hauptsache kenntlich als Fan.

Da ich noch nie in einem derart großen Stadion war, war allein der erste Blick hinein beeindruckend und die Stimmung wurde besser, je mehr Menschen in das Stadion kamen. Ich saß inmitten der Zuschauerchoreografie, was bedeutete, dass an jedem Platz ein Plakat lag – in weiß, schwarz, rot und gelb. Wir wurden aufgefordert, beim Einlaufen der Mannschaften auf das Spielfeld die Plakate hochzuhalten. Es gab sogar einen spontanen Probelauf, denn als die Mannschaften sich warmmachten und schon mal aufs Spielfeld liefen, sprang der gesamte Ostblock auf und jubelte der Mannschaft schon mal entgegen. Doch bevor es losging: die Eröffnungsfeier. Eine sehr einfache Darbietung, die bei den Männern in der Form bestimmt nie passiert wäre. Sie haben das Beste aus dem gemacht, was Ihnen zur Verfügung gestellt wurde. Eine Weltkugel, die mit einem lauten Knall Luftballons in den Himmel entließ, kleine Grüppchen, die Fans aus allen teilnehmenden Ländern symbolisierten und eine Tanzchoreografie aus weiß angezogenen Frauen. Ja, gut, ein bisschen mehr als 15 Minuten Tanz hätte man den Frauen ruhig gönnen können.

Dann ging’s endlich los, die Plakate wurden dem Himmel entgegengestreckt, der Jubel entfachte, so dass der Anpfiff schon mal kurz unterging. Das erste Tor kam schnell, der Applaus war riesig, unsere Frauen kickten schließlich da unten auf dem Rasen. Insgesamt 73.680 Menschen sahen der deutschen Mannschaft zu. In regelmäßigen Abständen (teilweise alle drei Minuten) ging eine La Ola durch das Stadion, selbst auf der VIP-Merkel-Tribüne machten alle begeistert mit und sprangen von den Sitzen. Ein durchweg tolles Erlebnis, mit Buhrufen für die Schiedsrichterin, da sie an die deutschen Spielerinnen gelbe Karten verteilte. Am Ende wurde der Anschlusstreffer zwar erzielt, aber wir gewannen. Doch dieses Spiel hat nicht nur einen Gewinn erzielt, sondern weitaus mehr an Anerkennung. Plötzlich interessiert sich die Welt für diese Fußballerinnen. In den Nachrichten wird als Aufmacher darüber berichtet und die Facebook-Page hat mittlerweile mehr als 30.000 Fans. Ein lang ersehnter Sieg des Frauen-Fußballs bei uns. Vielleicht heißt es ja bald nicht mehr nur abfällig: „Machen die eigentlich auch Trikot-Tausch am Ende?“.


Fotos: Nicole Schaar

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