Einfach immer gut

13 Jahre alt und mitten im Nirgendwo: Was bleibt einem in der mecklenburgischen Provinz anderes übrig, als in ausgelatschten Chucks und zerrissenen Jeans mit einem Bierchen am See zu chillen – und am besten gute Musik dabei zu hören. Das dachten sich im Jahr 2000 die Organisatoren des Indie-Festivals „Immergut“. Das ist mittlerweile den Kinderschuhen entwachsen und daher feierten am vergangenen Wochenende die Indie-Hipster ordentlich im entlegenen Neustrelitz – die Bands machten dabei keine Ausnahme.

Das Line-up war wie immer gut: Neben den britischen Headlinern am Freitag – den Blood Red Shoes und dem DJ „Totally Enormous Extinct Dinosaurs“ (vor allem auf Grund seines Indie-Indianer-Haarschmucks bekannt und weil sein Song „Garden“ für den Werbespot eines Handyhersteller verbraten wurde) – dominierten skandinavische und isländische Bands den Festival-Samstag: Sin Fang aus Reykjavik, Kakkmaddafakka aus Bergen und die Sympathieträger des Abends Friska Viljor aus Schweden. Deren Sänger Joakim Sveningsson hatte vor seinem Auftritt um 1 Uhr nachts bereits ordentlich gebechert – das war zu hören. Kein Ding, denn Sveningsson entschuldigte sich auf charmante Weise: „Today is my birthday. I had two options, being drunk on stage or being sober. – I chose the first one.“

Quelle: http://www.flickr.com/photos/kaxell/4808364756/

Bei den wunderbaren Backgroundsängern und –TÄNZERN! von Kakkmaddafakka konnte ich mir außerdem grandiose Tanzskills abschauen, um auf der anschließenden Party des Karrera Klubs einen der wenigen Singles zu verzaubern. Wer auf der Suche nach einer verlodderten, heißen Indie-Schnitte mit tollem Musikgeschmack war, hatte allerdings schlechte Karten, da hauptsächlich Pärchen das Festival besuchten.

Quelle: http://mainstage.de/wp-content/myfotos/kakkmaddafakka-22-04-2012-zeche-bochum/ms_IMG_3194.jpg

Das „Immergut“ ist mit seinen (nur) 5.000 Besuchern und dem ausgesuchten Line-up für mich eines der entspanntesten Festivals, bei dem sich auch die Bands in Bierlaune auf dem überschaubaren Festivalgelände herumtrieben – eine gute Chance für Groupies also. Neben den Konzerten bot das „Immergut“ auch ein kleines Kulturprogramm: Mein Lieblings-Berliner Martin „Gotti“ Gottschild trat mit seiner Action-Lesung „Tiere streicheln Menschen“ im Birkenhain auf. Und der begnadete Beobachter Heinz Strunk referierte über einen miserablen Kenia-Urlaub, der einem gründlich die Lust auf Pauschalreisen verdarb – falls man überhaupt jemals Gefallen daran fand. Wer nach dem stundenlangen Tanzen Erholung brauchte, konnte am nahegelegenen Badessee etwas Ruhe finden und sich eng umschlungen den Sonnenaufgang anschauen. Ich trat hingegen den Rückweg in die Zivilisation an und spazierte, auch ohne Indie-Schnitte im Arm, glücklich zum vier Kilometer entfernten Bahnhof.

 

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