Wenn sich die Familie wieder einfindet

Wenn sich die Familie wieder einfindet, nennt man das allgemeinhin ‚Familien-Treffen’ oder, im Falle des HTGF eben, „Family Day“…

Als vierfache Mutter war mir der Name also gleich vertraut und ganz sympathisch. – Allerdings waren meine Assoziationen zu einem ‚familiären Treffen’ doch schnell überlagert von einem professionell organisierten Event, bei dem sich das ‚Who is who’ der europäischen Investorenszene mit jungen Gründern und Unternehmern der aufstrebenden High-Tech-Branche nun schon im fünften Jahr in Folge traf. Bereits seit 2008 nutzen Portfoliounternehmer und Investoren des HTGF sowie weitere Experten das Event in Bonn als Offline-Plattform für den persönlichen Erfahrungsaustausch mit begleitenden Key Notes, Panels und Firmenpräsentationen.

Quelle: www.high-tech-gruenderfonds.de

Wenn sich die Familie wieder einfindet, gibt es in lockerer Atmosphäre bei Kaffee & Kuchen viel zu erzählen…

So ging es sehr gesellig mit einem informellen Get-together am Dienstagabend  im Forschungszentrum Caesar los, wo sich einige hundert Leute, hier aber bei BBQ & vielen Kölsch, austauschten und das Open-Air-Flair bis in den frühen Morgen genossen. Am nächsten Tag folgte dann der offizielle Teil. Hier wurde es dann doch plötzlich sehr formell und ich traf dieselben Internetfreaks, am Vorabend noch in Jeans und T-Shirt, nun im dunklen Zweiteiler durchs repräsentative Konzern-Headquarter der Telekom wandeln. – Zu meinem großen Erstaunen waren kaum Frauen zu sehen… Vielleicht sollte man da doch mal die ‚Familienplanung’ überdenken und eine Frauenquote bei solchen Events einführen?

Wenn sich die Familie wieder einfindet, stellt man immer fest, wie groß die ‚Kleinen’ eigentlich schon geworden sind…

Nach einer humorvollen Intro präsentierte der Gastgeber, HTGF-Geschäftsführer Alexander von Frankenberg, ein knackiges Fazit: Seit 2005 hat der HTGF ganze 282 Investitionen getätigt, davon allein €45 Mio an Seed-Investitionen in 2011. Das bunte Portfolio hat seither weitere €430 Mio an Finanzierung erhalten. – Das ist schon eine ordentliche Summe für hiesige Verhältnisse, in denen Seed und Venture Capital im Vergleich zu den USA oder auch UK recht begrenzt sind. Immerhin kann der HTGF auch schon 22 erfolgreiche Exits vorweisen, davon 10 in den letzten 12 Monaten. Der letzte Exit, 6Wunderkinder, erzielte mit einem Multiple von 6 ein Ergebnis, das sich wirklich sehen lassen kann.

Quelle: www.high-tech-gruenderfonds.de

Wenn sich die Familie wieder einfindet, wird mit guten Ratschlägen nicht gespart…

Auf die gelungene Präsentation des HTGF im gut gefüllten Saal folgte ein inspirierender Vortrag des amerikanischen Multitalents Mike North, der anhand seiner verschiedenen Ventures wie prototype this!, Nukotoys, Reallocate, uns einmal mehr zeigte, was unternehmerisches Denken und Handeln wirklich heißt und wie viele Wege zum Erfolg führen, wenn man nur mit Kreativität und Herzblut dabei ist. –

Anschließend gab es eine interessante Panel-Diskussion namhafter VCs wie Balderton Capital, Accel und Active Venture Partners. In ihren Kernaussagen waren sich alle einig:

1. Es gibt drei Dinge, auf die es wirklich ankommt, um einen VC für eine Finanzierung zu überzeugen: Team, Technologie und Traction. Vor allem sollte das Team beweisen, dass es schnell lernen kann, und das bedeutet, auf Feedback von Kunden flexibel zu reagieren. Darüber hinaus sind natürlich persönliche Empfehlungen im Gegensatz zu anonymen Bewerbungen nach wie vor die beste Grundlage für Investments.

2. Die Hot Topics in Europa sind – wer hätte das gedacht – Mobile (auch über Spiele hinaus), Bildung/eLearning, Finanzdienstleistungen und, innerhalb des eCommerce, Fashion und Unterhaltung.

3. Es heißt: “Investors are like honeybees, they will follow the flowers.” Was sind also die Hot Spots… oder eben ‚flowers’? Neben London, Berlin und Tel Aviv wurden auch Stockholm, Paris, Barcelona, Istanbul und Moskau genannt. Aber wie es mit den Bienen eben so ist… Sie verweilen ungerne nur auf einer Blume. Auf die Frage, wann die VCs denn endlich ein Büro in Berlin eröffnen,  antworteten sie dementsprechend unisono: ‚Gar nicht. Das macht keinen Sinn für uns mit unseren Entscheidungsstrukturen. Wir sind häufig in Berlin, schauen uns die deutschen Start-ups sehr genau an und investieren in sie. Aber dafür brauchen wir kein lokales Büro.’

Mein Fazit daher: Schön, wenn sich die Familie wieder einfindet… – gerne bei BBQ und Kölsch, und bitte mit guten Ratschlägen. Auf das nächste Mal!

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Kommentare zu diesem Beitrag


Ich war im letzten Jahr auch dort und muss sagen ist ein klasse Event.

von Carsten Hornschild am 31.07.12